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Veggiesearch – die vegane Suchmaschine! Interview über Geburtsstunde und Funktionen

Lieber Thomas, uns gefallen Menschen, die nicht (nur) gegen etwas sind, sondern etwas dafür tun, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Vielen lieben Dank, Santa und Anna, für euer Interesse und die Möglichkeit, meine vegane Produktsuchmaschine VeggieSearch bei euch vorzustellen.

Was hast du als gesellschaftliche „Herausforderung“ empfunden und wie kamst du auf die „Lösung“?

Es fing vor drei Jahren an, als ich von heute auf morgen ein neues Bewusstsein erlangte, plötzlich mein Konsumverhalten hinterfragte und für ein Jahr vegetarisch lebte. In dieser fleischfreien Zeit wurde die Sensibilität immer größer und ich fing an, eine tiefe Traurigkeit gegenüber dem alltäglichen Fleischverzehr zu verspüren. Die logische Konsequenz war dann die Umstellung auf eine vegane Ernährung. Aber auch dies kam von heute auf morgen, ohne mich vorher je mit dem Thema Veganismus beschäftigt zu haben. Innerhalb der zwei Jahre öffnete sich in mir immer mehr der Zugang zu Mensch, Tier und Umwelt. Ich  erkannte zunehmend die Schattenseiten unserer Konsumgesellschaft.

In dieser Zeit fing ich an zu kapieren, dass eine vegane Ernährung zwar eine sehr positive Auswirkung auf die Umwelt und die Lebensbedingungen von Menschen hat, aber ich bemerkte auch, dass dies nicht alles war. Mein Umweltbewusstsein stieg immer mehr und aus einem komplett unbewussten Menschen, der drei Jahre vorher noch bei Burger-Wettessen mit 1,2kg Fleisch mitgemacht hatte und nicht einmal Müll trennte, wurde jemand der plötzlich anfing sein Spülmittel selber herzustellen, sowie Natron statt Zahnpasta und Deo zu verwenden.

Wow –  das klingt sehr radikal! Solche Phasen hatten wir anfangs auch, was nicht immer einfach in unserem sozialen Umfeld war. Wie war das bei dir?

Sehr ähnlich. Die größte Herausforderung war für mich, anderen Menschen von meiner neuen „Wahrheit“ zu erzählen. Es war allerdings, als stieße ich auf Granit. Geplagt von dem neuen Bewusstsein litt ich an starken Depressionen, die mich gesundheitlich noch heute einschränken. Ein normales Angestelltenverhältnis war aus gesundheitlicher Sicht nicht mehr möglich und ich fiel in eine lange Berufsunfähigkeit und sah der Zukunft sehr hoffnungslos entgegen. Ich wollte die Welt verbessern, aber wusste nicht wie.

Danke, dass du so offen mit uns sprichst über das Tabu-Thema „Depression“. Wie hast du dich wieder aufgerafft?

Die Idee und Geburt von VeggieSearch

Ich schöpfte Motivation, als ein paar Kumpels ein Online-Projekt ins Leben rufen wollten und meine Hilfe brauchten. Das gab mir wieder etwas Antrieb. Nach einigen Tagen Brainstorming hatten wir zwar eine Idee, aber es wurde nichts daraus. Interessanterweise entwickelten wir parallel voneinander eigene Ideen, sodass sie sich ihrem Modelabel widmeten und ich die Idee verfolgte, vegane Produkte in eine Suchmaschine zu verpacken. Den Grundbaustein hatte ich bereits einige Zeit vorher gelegt, als ich darüber nachdachte, auf einem Blog von mir vegane Lebensmittel aus den Supermärkten vorzustellen. Die Idee, eine vegane Produktsuchmaschine zu entwickeln, erschien mir jedoch weitaus sinnvoller, denn so konnte ich Menschen den Einstieg in eine vegane Lebensweise noch leichter ermöglichen. Daher wollte ich nicht nur Lebensmittel integrieren, sondern auch Kosmetik, Kleidung, Schuhe und sogar Möbel. Nachhaltigkeit kam später.

Wie meinst du das mit „Nachhaltigkeit kam später“?

Während die Idee von VeggieSearch grundsätzlich stand, bemerkte ich schnell: vegane Produkte sind zwar gut und schön, aber auch vegane Schuhe aus Plastik sind nicht gerade das, was ich langfristig vertreten kann. Ich wollte auch so nachhaltig wie möglich sein. Leider musste ich hier auch Abstriche machen… aber dazu später.

Wie funktioniert VeggieSearch? Was ist bei euch erhältlich?

Oft wird VeggieSearch mit der nachhaltigen Suchmaschine Ecosia verglichen und einige dachten auf Anhieb, ich möchte irgendeine Art Konkurrenz zu Ecosia darstellen. Doch dem ist nicht so! Ecosia und VeggieSearch sind zwei komplett unterschiedliche paar Schuhe. Auf VeggieSearch kann man „nur“ nach vegane Produkten suchen. Ecosia hingegen durchsucht das gesamte Web nach dem ausgewählten Suchbegriff und liefert einfach alle Seiten die thematisch dazu passen.

Sehr interessant! Wie sucht man bei euch genau?

VeggieSearch ist so aufgebaut, dass man einen Suchbegriff eingibt, wie zum Beispiel Uhr, und dann bekommt man eine Auflistung an allen veganen Uhren, die in der Suchmaschine integriert sind. Hinter allen Produkten stecken verschiedene Online-Shops und Portale. Sind Produkte bei mehreren Händlern gelistet, gibt es sogar eine Preisvergleichsfunktion. Der Preisvergleich ist aber nicht der Hauptbestandteil und dient eher dafür,  bei gewissen Händlern bevorzugt einkaufen zu können.

Was uns sehr wichtig ist, sind kleine StartUps, Gründer und innovative Ideen, die wir kostenlos oder über freiwillige „Steady-Abonnements“ unterstützen wollen. So bekommen wir wahrscheinlich in den nächsten Tagen einen kleinen Familienbetrieb für vegane Salate in die Suchmaschine, den wir kostenlos vorstellen und unterstützen wollen. Denn mir persönlich ist es wichtig, das der Konkurrenzgedanke unter veganen und nachhaltigen Projekten endlich aufhört und wir gemeinsam für ein Ziel kämpfen.

Und man kann wirklich jedes Produkt bei euch in veganer Form finden?

Theoretisch möchten wir uns auf keine Produktsparten beschränken, am liebsten möchten wir alle erdenklichen veganen und nachhaltigen Produkte anbieten. Die Praxis sieht aber aktuell leider anders aus. Gestartet bin ich eigentlich mit dem Gedanken, nur vegane, biologische und faire Produkte in die Suchmaschine aufzunehmen. Leider war dies am Ende nicht möglich, da die Auswahl an solchen Produkten bei den kooperierenden Händlern einfach zu gering war. Der Markt ist noch nicht ganz ausgereift. Daher mussten Kompromisse her.

Der Hauptfokus liegt also aktuell bei veganen und größtenteils biologisch erzeugten Produkten. Ausnahmen gibt es teilweise bei Käseersatz – die selten biologisch sind – sowie Schuhe- und Kleidungsherstellern, die zum Beispiel recycelte PET-Flaschen, Fahrradreifen oder Fischernetze als Materialien verwenden.

Wir wollten eigentlich auch unbedingt 100% vegane Möbel mit aufnehmen, aber hier gibt es bis jetzt noch keinen mit uns kooperierenden Händler, der auf eine nachhaltige und vegane Herstellung achtet.

Ein kleines Geheimnis kann ich schon verraten: wir haben vor kurzem einen neuen kooperierenden Händler für vegane, nachhaltige und faire Schuhe gefunden. Wir freuen uns sehr, dass wir diesen bald mit in unsere Suchmaschine integrieren können. Aktuell integrieren wir gerade einen Händler und einen Hersteller für vegane, faire und biologische Bekleidung.

 

Wir stellen uns vor, dass der Weg bis zur fertig erstellten Suchmaschine sicher auch mal holprig war: was waren Stolpersteine und Herausforderungen für dich?

Oh ja, es gab viele Momente des Aufgebens. Die Realisierung war bereits von Anfang an nicht so möglich wie ich es wollte. Das Ziel war für mich schnell klar: ich möchte nur vegane, ökologische und fair gehandelte Produkte anbieten. Aber bereits nach einer kurzen Recherche wusste ich, das kann nicht funktionieren. Die Auswahl an geeigneten Produkten wäre einfach zu gering. Die Suchmaschine wird halbautomatisch betrieben, bedeutet zur Aktualisierung von Preisen etc. werden diverse Schnittstellen verwendet. Dies hat zur Folge, dass wir nicht wahllos jeden Online-Shop aufnehmen können, sondern spezielle technische Anforderungen erfüllt werden müssen, insbesondere bei großer Produktauswahl.

Ich wollte aber auch vor allem für Einsteiger-Veganer eine wirkliche Hilfe anbieten. Wenn sie nach Käse suchen, sollen dann auch Käsealternativen zu finden sein und wenn vegane Boots gesucht werden, sollen sie auch eine große Auswahl erhalten. Der erste Kompromiss war also: erst einmal den Hauptfokus auf vegane Produkte zu setzen, weiterhin jedoch bevorzugt ökologische und fair gehandelte Produkte aufnehmen.

Es kamen aber immer weitere größere Rückschläge, doch letztendlich haben nicht einmal die mich abgehalten weiterzumachen.

 

Innerhalb unserer Challenges und der Suche nach dem guten, nachhaltigen Leben sind wir immer wieder auf Widersprüche gestoßen, z.B. bei bestimmten Pflanzenmilch-Sorten, die man aber eher schwierig in der Pfand-Glasflasche kaufen kann. Welche Kompromisse hast du gefunden?

Neben den Problemen bezüglich Nachhaltigkeit und fairer Produktion gab es tatsächlich noch weitere Bereiche, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Leider sind auf VeggieSearch noch einige Produkte, die sicherlich nicht unter der Kategorie Nachhaltigkeit zählen. Alleine wegen verschiedenen Plastikverpackungen beim Käseersatz oder unnötigem Verpackungsmüll. Gerade sind wir allerdings dabei eine Kooperation mit einem Händler für Unverpacktes einzugehen.

Auch mit diversen Herstellern habe ich so meine Probleme. Eines wusste ich, Nestlé kommt definitiv nicht in das Sortiment. Aber was ist z.B. mit Unilever oder Alpro und Provamel, hinter denen Danone steht? Ohne den letzten beiden Herstellern wäre die Auswahl von alternativen Milchprodukten ziemlich klein.

Auch Ben & Jerry´s war so ein Thema. Schließlich steckt Unilever hinter dieser Eismarke. Einerseits möchte ich Veganern eine großes Sortiment an veganen Produkten anbieten, anderseits ist für mich aber auch der ethische und nachhaltige Aspekt sehr wichtig. Die veganen Eissorten von Ben & Jerry´s  wären für viele sicherlich ein Mehrwert. Ich schwanke da, denn für mich persönlich kommt zwar die Marke nicht in Frage, aber andererseits bin ich froh, wenn die großen Marken mitziehen und für so viele Menschen vegane Alternativen anbieten. Denn nur wenn vegane Lebensmittel keine Nischenprodukte mehr sind, kann auch eine Mehrheit von Menschen zum Umdenken gebracht werden. Aktuell habe ich Ben & Jerry´s jedoch nicht gelistet.

Das sind Dilemmata, die wir nur zu gut kennen, und die Abwägung führt letztlich zu informierten Entscheidungen. Und natürlich im Sinne von „All’s well that ends well“: dein Baby ist geboren, du hast es geschafft! Wie hast du VeggieSearch und dich gefeiert? Und was waren für dich Erfolgsmomente, die du gerne mit uns teilen möchtest?

Oh, die Frage zeigt mir, dass ich noch ein bisschen mehr auf mich achten muss. Ganz ehrlich, ich dachte wenn VeggieSearch offiziell startet, dann kann ich erst einmal aufatmen. Aber am Ende war das ziemlich naiv von mir. Danach fing erst alles so richtig an. Plötzlich war ich im Fokus der Öffentlichkeit. Zeitungen wie die Dresdner Morgenpost bzw. Tag24.de riefen mich von sich aus an und innerhalb eines Monats hatte VeggieSearch bereits über 1.200 Facebook-Fans. Der schöne Start gehörte definitiv zu den Erfolgsgeschichten. Aber vor allem hat es mich gefreut, dass plötzlich ehemalige Bekannte und Freunde, die ein relativ unbewusstes Leben führen, mir zum Start glückwünschten oder heimlich meine Seite auf ihren Facebookprofilen teilten. Yeah, mein Baby kann wohl wirklich beeinflussen.

Ich glaube, ich muss tatsächlich die Feier im Januar nach der Weihnachtszeit nachholen und mich nochmal richtig bei allen Unterstützern mit einem kleinen selbstgemachten veganen Buffet bedanken.

Das klingt sehr gut! Ja, wir von Finding Sustainia sind davon überzeugt, dass man Erfolge unbedingt feiern muss! Und wir gratulieren dir vom ganzen Team schon jetzt sehr herzlich für diese tolle Initiative. Rock on!

Unser Interview mit Thomas hat wahrscheinlich nicht nur bei uns Gänsehaut und ein positives Gefühl hervorgerufen. Schaut unbedingt auf www.veggiesearch.de vorbei und gebt Thomas und seinem Baby ein Like auf Facebook.

Von unserer Seite wünschen wir uns allen ein frohes neues Jahr voller innerem Reichtum, inspirierenden Begegnungen und viel innerer und „äußerer“ Nachhaltigkeit.

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