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Chat zum Sonntag, No. 45 – Meyer & Meyer

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Anna: Guten Morgen, Santa!

Santa: Guten Morgen, Anna!

Anna: Wie war Deine Woche?  Sozio-fair?

Santa: Hmmm, ich weiß nicht, ob ich meine Woche wirklich als sozio-fair bezeichnen kann. Mein Konsum ist mittlerweile stark regional bei Lebensmitteln und sonst verzichte ich auf Konsum seit unserer „Kein Zeug“-Challenge. Außerdem hat mich Claudis erster Beitrag zum Thema Plastik doch mal wieder wachgerüttelt, auch wenn es streng genommen nicht Teil dieser Challenge ist. Die gesundheitlichen Implikationen, wie wir bald aus ihrem zweiten Artikel erfahren werden, sind doch extrem.

Anna: Ja, ihr erster Beitrag war super und ich freue mich, genau wie Du, auf mehr.

Fairer Handel

Santa: Aber zurück zu sozio-fair. Ich mache mir seit dieser Woche ernsthaft Gedanken, zu welcher Bank ich wechseln soll. Bisher bin ich bei der Deutschen Kreditbank Berlin und ich hatte bisher ehrlich gesagt gar keine Ahnung, was mit meinem Geld passiert. Darüber hinaus frage ich mich doch immer wieder, wieviel von dem Fairtrade-Aufschlag an die jeweiligen Bauern geht (dieses Thema wird ja kontrovers diskutiert) und ab und an frage ich mich auch, ob es richtig ist, dass ich versuche, kaum Produkte aus fernen Ländern zu konsumieren. Klar, wenn Kaffee oder Schokolade, dann nur bio-fair, aber rein intuitiv gebe ich dem Umweltfaktor, i.e. geringeren Emissionen durch Transport, Vorrang und sehe exotische Produkte als absoluten Luxus an. Andere Bekannte von mir kaufen sogar Fairtrade Orangensaft (obwohl man Orangen ja aus Europa kriegen kann), mit dem Argument, dass man so Entwicklungsländern mehr hilft. Mal wieder ein Dilemma. In meinem Master habe ich u.a. auch Internationales Entwicklungsrecht studiert und meine Professorin hat fairtrade-Standards zwar allgemein befürwortet, aber davon abgeraten es zu überschätzen. Es gibt fairtrade und fairtrade, so wie es auch Unterschiede bei Bio gibt. Mir fällt es z.B. schwer, Nestlés Kitkats, die jetzt teilweise fairtrade in UK sind, als ehtisch zu betrachten. Es ist aber ein Anfang und das erkenne ich natürlich an.

Anna: Ich habe auch in Laos zum Thema fairtrade-Tee, Kaffee und Obst gearbeitet. Dort habe ich gute und schlechte Beispiele gesehen. Grundsätzlich befürworte ich, dass den jeweiligen Kooperativen durch die fairtrade-Garantien eine viel größere Sicherheit gegeben wird und sie die Möglichkeit haben, sich langfristig und nachhaltig etwas aufzubauen. Zum anderen war es befremdlich zu sehen, wie ein in unseren Breiten entwickeltes Überprüfungs-Konzept (zum Beispiel die strenge Buchführung mit Belegen) in einen Lebenskontext Einzug finden soll, in den so etwas absolut nicht passt.  Aber genau wie Du sagst, die Alternative, nicht fairtrade zu kaufen, ist schwierig. Alles dem Weltmarkt, der Ausbeutung von Menschen und womöglich Spekulationen zu überlassen, ist eindeutig die schlechtere Entscheidung.

Geld-Gedanken

Anna: Ich habe einen Freund zu seinen Gedanken und seiner Suche nach Geldanlagen befragt, die Sinn stiften. Oder sagen wir mal, die mindestens kein Unheil anrichten.

Santa: Check, damit hast Du unsere erste Wochenaufgabe erfüllt.

Anna: Findest Du die Vorstellung nicht auch gruselig, dass Dein eigenes Geld zur Finanzierung von Unternehmen genutzt wird, deren Werte Du absolut nicht teilst?

Santa: Ja, der Gedanke ist tatsächlich gruselig. Ich habe aus reiner Faulheit bisher nichts weiter unternommen. Ich beschäftige mich so ungerne mit Geld, was etwas unreif ist, zumal mein Geld ja auch viel Schaden anrichten kann und potenziell viel Gutes tun könnte, während es so daliegt.

Anna: Ja, es passiert wirklich blitzschnell. Wahrscheinlich sogar fast immer, wenn man Geldanlagen nicht hinterfragt. Und genau wie Du sagst, ist es eigentlich recht leicht, Geld in die “richtige Richtung” zu lenken, wenn man bereit ist, ein paar Fragen zu stellen. Puh, bin übrigens ganz schön stolz auf mich, dass ich schon wieder über solche Themen nachdenke… nach nur drei Stunden Schlaf.

Santa: Super Meyer!

Anna: Bin gerade auf dem Weg von Köln nach Düsseldorf. Habe gestern einen Geburtstag gefeiert, inklusive leichtem Einstieg in die Karnevalssaison, die ja eigentlich erst am 11.11. beginnt.

Santa: Dass Karneval beginnt, habe ich mal wieder verschlafen. Ich bin in dieser Hinsicht aber auch nicht so rheinisch wie du. Vor drei Tagen war hier Guy Fawkes Night und es gab ein Feuerwerk, als ich im Bett lag.

Anna: Sobald ich zu Hause ankomme, werde ich erstmal weiterschlafen. Aber nun weiter im Text: Hast Du irgendwelche Geldanlagen? Oder Versicherungen? Denn auch dieses Geld “arbeitet” ja.

Santa: Bisher nicht, aber es ist long due und in diesem Monat möchte ich diesen Aspekt meines Lebens auch ethischer gestalten. Mann hat schon vor vielen Jahren bei Oikocredit angelegt. Über Versicherungen muss ich auch einmal mit ihm reden, denn es geht alles über ihn, sogar die Krankenversicherung. Leider, leider bin ich innerlich aus dem unbewussten Studentendasein noch nicht rausgewachsen, daher ist diese Challenge besonders wichtig für mich, denn unser Impact umfasst nicht nur unseren Konsum. Als Laie werde ich erst einmal die hier bei Utopia vorgeschlagenen Banken, also die GLS, die Umweltbank, Ethikbank und Triodos Bank in Augenschein nehmen.  What about you? Wie sieht es bei dir mit Geldanlangen und Versicherungen aus? Hast du Tipps?

Anna: Ja, zum  einen werde ich das Interview, das ich mit besagtem Freund geführt habe, abtippen und auf unserer Seite veröffentlichen. Look out… Ansonsten habe ich mich auch selbst schon mit diesem Thema beschäftigt. Es war zwar so, dass alle Bank-Berater überrascht waren und auch Buchhändler, die ich nach Büchern über Green Banking oder ethische Geldanlagen befragt habe, aber letztendlich war es doch gar nicht so furchtbar schwierig, ein weniger sinnvoller zu investieren als Max Mustermann.

Santa: Was hast Du denn gemacht?

Anna: Ich habe zum Beispiel ein Konto für mein Patenkind bei der GLS-Bank angelegt. Dort wird nun 18 Jahre lang Geld „arbeiten“. Und dort war es möglich festzulegen, dass es ausschließlich eingesetzt wird, um sozialen Einrichtungen günstige Kredite zu gewähren.

Santa: Great! Und wo hast Du das Konto abgeschlossen?

Anna: Ich wohnte damals in Frankfurt. Dort hat die GLS-Bank eine Filiale. Also war alles wie bei einer Sparkasse oder einer ähnlichen Bank. Aber auch wenn man nicht in der Nähe einer GLS-Filiale wohnt, gibt es kaum etwas Leichteres als online ein Konto anzulegen. Die Verzinsung ist nicht so dolle, aber als Geschenk zum 18. ist mir vor allem wichtig, dass mein Geld sicher angelegt ist und es in dieser langen Zeit keinen Schaden anrichtet.

Weiter zur Internetseite der GLS Bank

Santa: Ja, die Verzinsung wäre mir in diesem Fall auch nicht so wichtig.

Anna: Außerdem habe ich eine Riester-Versicherung bei der Alten Leipziger abgeschlossen, die ich mit zwei Fonds gekoppelt habe. Einer davon, dem ich 60% der Einlagen widme, ist der Pioneer Funds – Global Ecology A. Letztes Jahr habe ich von der Alten Leipziger zur HDI gewechselt und konnte problemlos weiter in diesen Fonds einzahlen. Die Wertentwicklung ist super und das Anlageziel wird folgendermaßen beschrieben: „Ziel dieses Fonds ist die Erwirtschaftung eines Kapitalzuwachses von mindestens zwei Dritteln seines Gesamtvermögens in einem diversifizierten Portfolio aus Aktien und aktiengebundenen Instrumenten, die von Unternehmen ausgegeben wurden, die umweltfreundliche Produkte oder Technologien herstellen oder produzieren oder die an der Schaffung einer sauberen und gesünderen Umwelt mitwirken“.

Santa: Wow, I’m impressed. Aber was ist mit dem verbleibenden Drittel?

Anna: Keine Ahnung. Alles werden wir wohl nie erfahren… Auf jeden Fall habe ich meine Einzahlungen für eine Berufsunfähigkeitsversicherung nun auch an diesen Fonds geknüpft. Es ist wirklich einiges möglich, wenn man sich ein wenig durchfragt. Und im Internet gibt es mittlerweile tolle Informationsangebote. Ich werde mal ein paar Links zusammentragen.

Santa: Oh ja, bitte, bitte!

Produkt-Studien

Anna: Gut, nun zu unserer zweiten Aufgabe: Welches Produkt hast Du Dir ausgeguckt und hinterfragt?

Santa: Lustigerweise genau zum vorherigen Thema. Ich habe die DKB angeschrieben und gefragt, was für Ethik- oder Umweltkriterien die DKB für Investitionen und Geldanlagen ansetzt. Leider habe ich bei Urgewald gelesen, dass die DKB zwar nicht direkt in Atomenergie investiert, aber dafür ihre Muttergesellschaft, die BayernLB, mit Milliarden-Summen. Es ist also Zeit zum Wechsel.

Anna: Tja, ich habe meine Kreditkarte auch bei der DKB-Bank. Im Ausland ist sie ziemlich unschlagbar und auch der Service ist sehr gut. Mal sehen, was sie Dir antworten…  Ich war richtig begeistert davon,  dass unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter über Twitter gleich Vorschläge gemacht haben für Produkt-Studien. Nur ihre Schlussfolgerungen fehlen uns noch.

Santa: Ich bin auch gespannt, auf Andreas Recherchen zu Alsan zum Beispiel. Ich meide sie vor allem wegen ihres Palmöl-Anteils. Obwohl es die einzige tatsächlich vegane Margarine ist, die ich bisher überhaupt mag.

Anna: Ich habe zwei Sojamilchanbieter verglichen. Alpro Bio und und die Sojamilch vom Hofgut Storzeln. Lecker sind beide Drinks. Storzeln bekommt einen Pluspunkt, weil kein Zucker zugefügt wird. Bio sind beide, aber Storzeln ist mit der Bioland-Zertifizierung etwas strenger unterwegs und der Anbau erfolgt am Bodensee statt in Übersee. Es ist schön zu lesen, dass der Betrieb von Dirk und Martina Emrich familiengengeführt ist, aber viel mehr lässt sich in Sachen sozio-fair auch nicht herausfinden. Dean Foods, zu denen Alpro gehört, ist ein multinationaler Konzern, über den ich in Sachen sozio-fair nicht sonderlich viel herausfinden konnte…  Zur Sojamilch schreiben sie folgendes: * Anstatt die Sojabohnen auf dem allgemeinen Rohstoffmarkt zu kaufen, setzt Alpro Soja auf eine enge und langfristige Beziehung zu seinen Soja-Farmern, um die beste Qualität in optimaler Reinheit zu erzielen. * Unsere Verträge mit Anbauverbänden beinhalten den Einkauf von ausschließlich traditionellen, also nicht gentechnisch veränderten, Sojabohnen. Außerdem: 2008 erwirtschaftete der Hersteller einen Umsatz von knapp 260 Millionen Euro. Der Soja-Spezialist produziert an Standorten in Belgien, Groß-Britannien, Frankreich und den Niederlanden und beschäftigt 750 Mitarbeiter. Klingt alles sehr groß, aber grundsätzlich nicht schlecht… bei der kleineren Firma habe ich dennoch ein besseres Gefühl. Einfach, weil die Bohnen aus der Nähe kommen und das Geld etwas direkter bei den Erzeugern landet. Aber ich weiß, meine Aussagen sind allzu vage. Auf jeden Fall verlangen sie auch einen stolzen Preis: 2,19 Euro. Alpro liegt bei 1,89 Euro. Verkraften kann ich die Preise vor allem, da ich’s nur noch für meine eine Tasse Kaffee am Tag brauche. Müsli esse ich mit selbstgemachter Soja- oder Hafermilch, die ich zum Spotpreis von ca. 0,20 Euro selbst herstelle…

Santa: Ja, in diesem Fall sind die hohen Preise zu ertragen. Ich würde mich wohl auch für Storzeln entscheiden.

Undurchsichtige Supermärkte

Anna: So, meine Liebe! Bin gleich da. Genieß‘ Deinen Sonntag! Und grüß mir Deine Liebsten. Ach, und noch was. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist,  sich in einem normalen Supermarkt sozio-fair zu verhalten. Woher die Infos nehmen, die man eigentlich für eine gute Entscheidung bräuchte?

Santa: Ich halte mittlerweile einen normalen Supermarkt kaum noch aus, vor allem diese Giganten hier in UK. Ich habe eine Bekannte vor ein paar Tagen in einen Marks and Spencers begleitet und mir stand der Mund offen bei all diesem eingeschweißten Convenience Food und überall wird auf die eine oder andere Weise mit Begriffen wie natürlich, ethisch, lokal, fair und bio geworben. Meine Tochter ist schier ausgeflippt und wollte alles haben. Normalerweise gehen wir ja auf den Markt und in einen kleineren Bioladen, in dem es sie auch immer zu den Trinkpäckchen und Riegeln zieht, aber da ist die Menge nicht so erschlagend.

Anna: Stimmt, how much choice do we need?

Santa: Ja, da fällt mir nur immer wieder der Satz ein: The sustainable choice needs to be the easier choice. Und bitte keine pseudo-Ethik. Ich habe ein großes Bedürfnis nach Transparenz. Ich möchte wissen können, woher jede einzelne Zutat kommt und dass auf keinen Fall irgendwelche Additive in meinem Essen sind, inkl. den Weichmachern und Giftstoffen im Verpackungsmaterial. Ein Markt ist sicher nicht perfekt, aber hier wissen die Verkäufer oftmals sehr viel mehr über ihre Produkte und sind offen für Fragen.

Anna: Sehr, sehr richtig. Muss nun aussteigen, liebe Santa!

Santa: Ja, mach’s gut. Und danke für all‘ die Informationen!

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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  1. Pingback: Challenge No.11: Bilanz – wir konsumieren sozio-fair | FindingSustainia. Ideenfabrik.

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