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Das gute Geld: weg vom Waffengeschäft – in kleinen Schritten. Interview mit Martin

You’re lucky! Martin Krings plaudert für uns ein wenig aus dem Nähkästchen.

Er hat sich vor wenigen Jahren auf den Weg gemacht, ordentliche Anlagemöglichkeiten für sein Geld zu finden. Bei einem Kaffee erzählt er mir von seinen ersten Schritten in diese Richtung. Begonnen hat er mit den berühmten „vermögenswirksamen Leistungen“ – schließlich muss niemand die Anlagewahl seines Arbeitgebers akzeptieren.

Wir sind Herren (und Damen) unserer Investitionsentscheidungen und verantwortlich für das, was wir tun, genauso für das was wir nicht tun. Lehnt Euch also zurück und lasst Euch von Martin inspirieren.

martin krings sw

 

Anna: Lieber Martin, danke für Deine Bereitschaft ein wenig von Deinen Erfahrungen zu berichten. Santa und ich sind davon überzeugt, dass unsere Leserinnen und Leser im Grunde ihres Herzens sehr aufgeschlossen sind für das Thema „Nachhaltige Geldanlagen“ – und dass dennoch die Meisten das Gefühl haben, nicht besonders viel darüber zu wissen. Für Santa und mich zum Beispiel sind Geldanlagen an sich einfach kein Thema, mit dem wir uns besonders gerne beschäftigen. Aber mit Dir in einem Café zu sitzen, fühlt sich keinesfalls nach einem Pflichtprogramm an. Legen wir also los. Seit wann hat das Thema für Dich Relevanz?

Martin: So richtig hab‘ ich mich erst mit diesem Thema beschäftigt, als ich meinen ersten Job hatte. Als dieser ganze Versicherungskram begann, so vor drei Jahren. Ich hatte allerdings ein halbes Jahr zuvor ein tolles Dossier in der ZEIT gelesen. Bestimmt kennen es auch einige. Der Titel lautet „Die Riester-Bombe“. Ein großartiger Artikel. Schon beim Lesen dachte ich, dafür muss es doch diesen Preis geben… Wir heißt der nochmal?

Anna: Der Pulitzer-Preis?

Martin: Ja genau. Ein wirklich unglaublich toller Text. Es geht darum, dass ein Journalist sich die Frage stellt, was eigentlich mit dem Geld passiert, dass er in seine Rentenversicherung steckt. Er ging sogar so weit, dass er seinem Geld hinterhergereist ist. Zu einer Rüstungsfirma in die USA, die in genau dem Fonds aufgeführt ist, den er für seine Riesterrente gewählt hatte. Produziert wurden dort u.a. Streubomben. Dann recherchiert er, wo diese Bomben eingesetzt wurden, reist in den Libanon und trifft dort ein Streubomben-Opfer. Das hat mich schon ganz schön beeinflusst in all meinem weiteren Nachdenken über Geldanlagen.

 

„Auch das ist eigentlich ein Denkfehler.“

Anna: Wie hast Du denn vorher über das Thema gedacht?

Martin: Naja, ich hatte ja nichts, was ich hätte investieren können. Nur meine Eltern haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung für mich angelegt. Aber da habe ich ja keine direkten Auszahlungen, das ist eine Versicherung. Obwohl… während ich das so sage, merke ich, dass auch das eigentlich ein Denkfehler ist.

Anna: Ja, wir haben Versicherungen deshalb ganz bewusst in diese Monatschallenge mit aufgenommen. Klar, auch wenn man nichts rausbekommt, fließt unser Geld ja nicht ins Leere.

Martin: Irgendwie habe ich bei dem Geld, von dem ich direkt etwas zurückbekomme einen höheren moralischen Anspruch. Aber ich denke nochmal drüber nach…

Anna: Ja, schwieriges Thema. Fangen wir doch einfach mit den vermögenswirksamen Leistungen Deines letzten Arbeitgebers an.

Martin: Also, es ging um 40 Euro jeden Monat. Ich hätte es mir leicht machen können und einfach unterschreiben – dann wäre das Geld in einen Fonds gegangen, den das Unternehmen ausgesucht hatte. Darauf habe ich aber verzichtet um mich erst einmal ordentlich zu informieren. Ich hab auch ein bißchen getrödelt, letztendlich habe ich auch ein wenig Geld verloren, weil man die Monatssumme nicht nachträglich ausgezahlt bekommt. Aber es war mir wichtig, etwas Gutes zu finden.

 

„Man checkt doch, was zum Guten beiträgt.“

Anna: Und wie hast Du gesucht?

Martin: Eigentlich ausschließlich im Internet. Ich hatte mir zwar so eine Finanztest-Jahresausgabe gekauft. Aber das Thema Ethik hatte dort keinen Platz. Im Internet findet man aber einiges. Ich habe auch bei meiner Direktbank geschaut, was sie so im Angebot haben. Das war eigentlich gar nicht so schlecht. Zwar nicht besonders leicht zu finden, aber man konnte es finden. Aber irgendwie war mir eine Direktbank für dieses Anliegen nicht ganz geheuer. Dann habe ich bei der Volksbank in meiner Heimat gefragt. Dort hatte ich auch noch ein Konto. Eigentlich eine recht große Volksbank sogar, in der Eifel. Aber bei denen gab’s absolut nichts.

Anna: Und Dein Arbeitgeber hat da nichts mitzureden?

Martin: Nein, nein. Da ist man frei. Vermögenswirksame Leistungen sind soetwas, das der Gesetzgeber, ich glaube in den 50er Jahren eingeführt hat, um die Bürger zum Sparen zu animieren. Es gibt einen gesetzlichen Höchstbetrag, der meines Wissens bei 40 Euro liegt.

Anna: Und wo wurdest Du dann fündig?

Martin: Irgendwie ist mir das Konzept von Sparkassen das sympathischste. Ich habe mir auch die speziellen Nachhaltigkeitsbanken, wie die GLS Bank oder die Umweltbank, angeschaut – aber für mich war das Gefühl da ähnlich wie bei den Direktbanken. Von der GLS Bank gibt’s ja noch nicht so viele Filialen. Und dann nur diese Formulare… ich habe mir irgendwie einen Bankberater gewünscht. Bei der Sparkasse in Oldenburg habe ich mich da sehr gut aufgehoben gefühlt. Oldenburg ist ja auch irgendwie ein Öko-Town. Es gibt jede Menge Leute, die sich für Nachhaltigkeitsthemen interessieren. Trotzdem meinte der Berater, ich wäre in seiner Laufbahn der zweite Kunde, der bei der Wahl seiner Geldanlage irgendwelche Werte ins Spiel gebracht hat. Und der Herr sah aus, als hätte er schon einige Jahre auf dem Buckel.

Anna: Verrückt eigentlich, oder?

Martin: Ja, ich war auch irgendwie entsetzt. Um zu erkennen, dass Geld einen großen Hebel hat, muss man ja auch nicht akademisch gebildet sein oder so. Man checkt doch grundsätzlich, was zum Guten beiträgt und was eher nicht so.

Anna: Grundsätzlich weiß man es vielleicht. Aber in eine Filiale zu gehen und das gute Geld wirklich anders anzulegen als alle Anderen ist vielleicht ein doch etwas größerer Schritt.

Martin: Ja, schon möglich. Jedenfalls konnten sie mir von der DEKA Investment, die zur Sparkasse gehört, einen Fonds anbieten, der sich damals DEKA Global Sustainability nannte. Ich hab mich letztendlich dann dafür entschieden.

 

„Immerhin keine Waffen.“

Martin: Obwohl es auch einen Wehmutstropfen gab: ein großer schweizer Lebensmittelkonzern war auch Teil des Portfolios. Da würde ich mir zum Thema Nachhaltigkeit doch eher andere Firmen wünschen. Ich fand’s zwar schwach… aber länger wollte ich dann doch nicht suchen. Das ist leider auch ein bißchen typisch für mein Nachhaltigkeitshandeln. Ich ziehe die Dinge nicht bis ins Kleinste durch. Auch z.B. beim Fleischkonsum – da habe ich entschieden, nur noch ordentliches Fleisch zu essen, statt ganz Vegetarier zu werden. Das mit der Zusammensetzung des Fonds habe ich den Bankberater auch gefragt. Und er sagte: „Na, immerhin keine Waffen.“

Anna: Wow. Soll das heißen, dass man sonst so gut wie immer Kriege unterstützt?

Martin: Nein, so weit würde ich nicht gehen.

Anna: Stimmt. Aber nur ein einziger Fonds zur Auswahl, ist ein bißchen wenig.

Martin: Ja. Aber ich glaube, da tut sich mittlerweile auch mehr. Ich habe mir Broschüren angeschaut, in denen sich Fonds vorstellen und bei denen man sehen konnte, wie sie sich zum Beispiel zum Thema Umweltschutz aufstellen. Die fand ich sogar sehr gut. Ich hatte kurz danach auch eine Praktikantin, die vorher bei einer Firma war, die genau das anbieten. Also Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen. Wenn man ein wenig sucht, findet man da schon etwas.

Anna: Ja, die Welt wandelt sich. Good to hear.

Martin: Und ich habe auch den Eindruck, dass viele meiner Freunde an diesem Thema vage interessiert sind.

Anna: Wenn es ein weniger leichter zugänglich wäre, würde bestimmt noch mehr passieren.

Martin: Ja, auch meine Schwester zum Beispiel. Geldanlagen und Versicherungen sind für sie ein leidiges Thema, aber wenn ich von einer guten Lösung erzähle, die ich gefunden habe, interessiert sie das auf einmal auch. Ich denke, Inspirationen in diese Richtung sind ganz wichtig.

Anna: Genau, genau! Deshalb sollten wir unser Gespräch hier beenden und ich verschwinde nach Hause und sende Deine Worte in die Welt. Einverstanden?

Martin: Ja, gerne! Ich hoffe, dass meine ersten Erfahrungen auch für Andere interessant sind.

Anna: Ganz sicher! Vielen, vielen Dank!!!

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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