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Landwirtschaftsmeisterin Caroline: Ist ökologischer Landbau tatsächlich so bedeutsam?

Liebe Freunde der Nachhaltigkeit,

jetzt fliegen sie wieder, die Bewohner der Lüfte. Vögel und Schmetterlinge sind oft beliebt, Raupen, die Vorstufen der Schmetterlinge, dagegen weitaus weniger. Ebenso wenig wie Käfer, Mücken, Wespen und Bienen zum Beispiel. Da diese Insekten einen engen Bezug zur Natur und Landwirtschaft haben, beschäftige ich mich mit der Frage, ob ökologische Landwirtschaft tatsächlich so bedeutsam für unsere zukünftige Lebensgrundlage ist und über Gründe, die für diese Wichtigkeit sprechen.

Für FindingSustainia habe ich schon viele Texte geschrieben. Diesmal möchte ich die Chance nutzen, mit meinem Herzensthema an einem Wettbewerb teilzunehmen. Die Firma Salus vergibt jährlich einen Medienpreis. Salus ist ein Unternehmen, das mit dem Leitgedanken: Der Natur verbunden. Der Gesundheit verpflichtet geführt wird. Die Produkte, Heilmittel und Nahrungs(ergänzungs)mittel, werden ohne künstliche Aromen und selbstverständlich auch ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe hergestellt. Auf der Startseite ist unter anderem zu lesen, dass das Unternehmen neben der hohen Produktqualität in die Zukunftssicherung der Menschen investiert. Darunter fällt die Auszeichnung verschiedener Beiträge, die sich mit den Chancen der ökologischen Landwirtschaft und den Risiken der Agrochemie beschäftigen. Das Unternehmen hat die Bezeichnung „Medienpreis“ dafür gewählt.

Aufgrund meiner verschiedenen Berufe und Berufungen in Pädagogik, Medizin und der Landwirtschaft, sowie meinen gesammelten Lebenserfahrungen, möchte ich diesen Artikel zum Medienpreis einreichen. Meine Darstellungen sollen vor allem eine Orientierung sein, um sich eine Meinung bilden und besser diskutieren zu können. Meinungslosigkeit einer Bevölkerung lässt Dinge statisch scheinen. Nur kritische Menschen, die um ihre Meinung ringen, sind fähig, Dinge zu verändern.

Hier eine Gliederung meines Textes, der doch etwas länger geworden ist als üblich. Sie sehen, mir liegt das Thema sehr am Herzen. Falls Sie zu manchen Punkten bereits ein tieferes Verständnis haben, überspringen Sie gerne ein paar Kapitel und steigen Sie bei 5. oder 6. wieder ein.

Gliederung:

      1. Allgemeine Erläuterungen Landbau/Landwirtschaft
        • Unterschiede von konventioneller und biologischer Landwirtschaft
        • Ökosiegel
      2. .Zusammenhänge Landwirtschaft und Umwelt
        • Wasser
        • Luft
        • Boden
        • Artenrückgang
        • Fleischproduktion und Welternährung
      3. Artenvielfalt/Rückgang
        • Bestäubung, Insekten und Ernährung
      4. Was tun?
        • Individuelle Ziele
        • Allgemeine Ziele
      5. Wie kann ich als Einzelner Verhaltensänderungen bewirken?
      6. Ausblick

1. Allgemeine Erläuterungen Landbau/Landwirtschaft

Knapp 15 Jahre lang war ich aktiv in der Landwirtschaft tätig. Während meiner Ausbildung zur Landwirtschaftsmeisterin lernte ich, dass ein Landwirt circa 100 Menschen ernährt. Ungefähr 100 Jahre zuvor waren es circa 4 Menschen.

Was bedeuten diese Zahlen? Auf dieses komplexe Thema möchte ich nur grob eingehen, um aufzuzeigen, dass „mehr“ nicht immer mit „wert- und sinnvoll“ gleichzusetzen ist. Durch Fortschritte in der Entwicklung sowie durch die Weiterentwicklung von Landmaschinen gelang es, immer größere Ackerflächen zu bewirtschaften. Bekannt unter dem Stichwort der Industrialisierung. Diese begann in Deutschland mit der Gründung des Zollvereins 1834. Dazu kam die Revolution in der Produktion von Düngemitteln. Den deutschen Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch gelang es zum ersten Mal Stickstoff (Ammoniak) synthetisch herzustellen. Es soll 1908 durch Herrn Haber ein möglicherweise fehlerhafter Antrag beim Patentamt eingereicht worden sein. 1910 jedoch wurde von dem Unternehmen BASF ein gültiger Antrag auf Patentierung eingereicht und dieser wurde von Erfolg gekrönt. Dieses Vorgehen stimmt mich persönlich nachdenklich. Ausgerechnet diesem Unternehmen gelingt es das Patent für die Herstellung eines synthetischen Düngemittels zu erhalten…

Abgesehen davon ist es eine Tatsache, dass die Nutzung synthetischen Düngers immer immer größere Erträge pro Hektar ermöglichte. Laut Bauernverband liegen die Hektarerträge zum Beispiel bei Winterweizen aktuell circa 4 mal höher als es vor 100 Jahren der Fall war. Wohlgemerkt bei konventionellen Anbaumethoden.

Johann Wolfgang von Goethe sagte: Weniger ist mehr. Diese Aussage ist zu einem Teil auch auf oben genannte Entwicklung anzuwenden. Ich bezweifle, dass ein: „immer mehr“ sinnvoll ist. Irgendwann bricht dieses System in sich selbst zusammen.

Das ist hin und wieder auch deutlich zu spüren.

Wer kennt sie noch, die Schlagwörter: Butterberge? Milchseen? Anfang der 80er Jahre produzierten die Landwirte Milch in unbegrenzten Mengen. Die Folge davon war, dass diese Milch/Produkte keinen Käufer fanden. Die EG (Europäische Gemeinschaft) kaufte die Überschüsse auf. Das bedeutet, dass die EG Gelder für die Milchbauern ausgab, damit diese ihr Produkt „Milch“ verkaufen konnten obwohl es gar keine Kaufinteressenten dafür gab. Diese, von Steuerzahlern bezahlten, aufgekauften Lagerbestände wurden als Butterberge und Milchseen bezeichnet. Um diese Überproduktion zukünftig zu vermeiden, wurde schließlich1984 mit gesetzlichen Vorgaben versucht, die Höhe der Produktionsmenge zu beeinflussen und zu regulieren (Milchquotenregelung). Diese wurde dann wiederum 2015 abgeschafft.

Jost Maurin schreibt am 23.07.2017 in der Taz einen Artikel mit der Überschrift: Der Butterberg ist wieder da.

Dort wird beschrieben, dass der deutsche Staat 2016 für 103,2 Millionen Euro Milchprodukte. Ein Jahr zuvor gab Deutschland „nur“ 2,2 Millionen zu diesem Zweck aus. Meine persönliche Ansicht dazu ist, dass selbst der relativ niedrige Betrag schon zu viel ist, um eine bewusste Überproduktion zu finanzieren. Es ergibt sich die Frage, wie eine angemessene Produktionshöhe angestrebt werden kann.

Jeder Unternehmer muss genauestens kalkulieren, um Gewinne erzielen zu können. Welcher Bäcker erhält vom Staat Geld für seine Brote, die er zu viel produziert hat, also welche er nicht verkaufen konnte?

Herr Ostendorff sagt über obiges Thema im selben Artikel u.a., (Zitat) „…industrielle Tierhaltung macht für den Export keinen Sinn. Einerseits verpesten Tierfabriken Luft und Wasser und seien verantwortlich für millionenfaches Tierleid. Anderseits produzieren sie so viel, dass die Preise verfielen und dann der Staat regulierend einspringen müsse.“ Weiter schreibt Herr Maurin, dass Deutschlands größte Molkerei (Deutsches Milchkontor, DMK) den höchsten Einzelbetrag vom Staat erhielt.

Staat, das bedeutet: Sie liebe Leser, Sie, der Steuerzahler. Ich finde, dass Sie dann lieber direkt bereitwillig für landwirtschaftliche Produkte einen angemessenen Preis begleichen sollten. Dann sehen Sie Ihre Ausgaben direkt und haben einen anderen Bezug zu Ihrer Nahrung.

Damit komme ich nun zum nächsten Punkt:

1.1. Unterschiede von konventioneller und biologischer Landwirtschaft

Schon als Kind in der Stadt beschützte ich unbewusst Insekten und andere, für viele Menschen, unangenehme Tiere wie Spinnen und Insekten. Kinder und Erwachsene wurden von mir darauf hingewiesen, dass es sich um Tiere handelt, die wir Menschen zu respektieren haben. Über diesen Respekt vor dem Leben sollten ökologisch tätige Landwirte zumindest im Ansatz verfügen.

Nun gibt es verschiedene Kategorien von Landwirten. Es gibt „konventionelle“ Landwirte, welche viel Respekt vor der Natur haben und es gibt „ökologische“ Landwirte, die ihren Respekt noch entwickeln können. Mir sind einige Landwirte bekannt, die lediglich aus Gründen zusätzlicher staatlicher Unterstützung ihren bisher konventionell bewirtschafteten Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt haben, zumindest in Teilbereichen.

Dort fehlt oftmals der Respekt vor „Mutter Erde“. Sie verzichten auf den Einsatz synthetisch hergestellter Pflanzenschutzmittel – und es bedeutet für sie tatsächlich einen Verzicht. Natürlich ist da der Stickstoff als wichtiges Düngemittel zu nennen, aber auch Spritzmittel die gegen Schädlinge eingesetzt werden.

Konventionell betriebener Landbau bedeutet zum Beispiel, dass ich als Landwirt (Winter)roggen säe und später im Wachstumsjahr so genannte Halmverkürzungsmittel spritze. Sie müssen wissen, dass Roggen ein sehr hoch wachsendes Gras/Getreide ist. Warum aber soll der Roggen nur relativ kurz in die Höhe wachsen? Weil es für die trockenen Halme, also das was wir als Stroh kennen, heute viel weniger Verwendungsmöglichkeiten gibt als noch vor Jahrzehnten. Ein anderer Grund ist unter anderem, dass durch die Gaben des synthetischen Stickstoffes, wohlgemerkt nach einem genau ausgeklügelten Plan, die Stabilität der Halme labil wird. Das hätte zur Folge, dass diese Roggenpflanzen sich bei Wind nicht mehr standhaft wehren können – sie legen sich auf den Acker. Das wiederum erschwert die Ernte. Tja, erst viel Stickstoff und dann Halmverkürzer….

Ökologisch tätige Betriebe decken ihren Stickstoffbedarf zum Beispiel mit Mist und einer vielseitigen Fruchtfolge. Hülsenfrüchte/Leguminosen haben die einzigartige Fähigkeit mittels ihrer Knöllchenbakterien autark Stickstoff zu produzieren! Knöllchenbakterien leben zum Beispiel an den Wurzeln von Erbsen, Bohnen und allen Kleearten. Daher auch die Bezeichnung: Rhizobien. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die griechische Sprache: rhiza bedeutet Wurzel und bios: Leben.

Gülle ist auch ein Düngemittel. Es wird allgemein in der Landwirtschaft eingesetzt. Dazu muss ich unbedingt darauf hinweisen, dass Gülle nur stinkt wenn konventionelles Futter eingesetzt wird!!! Schon beim Vorbeifahren mit dem Auto ist dieser unangenehme Gestank gut wahrnehmbar. Andere Fütterungsmittel schenken eine fast nicht riechende Gülle. Das habe ich selbst oft genug erlebt. Besonders die Gülle von konventionell gefütterten Schweinen riecht extrem unangenehm.

Ein weiterer Unterschied ist zum Beispiel der Schnittzeitpunkt des Grases (Heu). Der ökologische Betrieb wartet die Brutzeit der Vögel ab. Erst ab Mitte Juni werden die Wiesen gemäht. Schon oft wurde ich damit konfrontiert, dass das „alte Zeug“ doch als Futter ungeeignet sei. Dieser Aussage widerspreche ich heftig. Diejenigen Wiesen, die längerfristig mit Mineralien und Elementen versorgt wurden und die im Frühjahr ohne synthetischen Stickstoff wachsen dürfen, bringen ein Heu erster Qualität. Unsere Besucher des Hofes (Landwirtschaftschüler und Studenten der Landwirtschaft) waren jedes Mal beeindruckt von dieser Qualität. Sie wollten mir nicht glauben, dass es sich dabei um das „alte Zeug“ handelt.

Durch staatliche Förderungen sind doch nun auch mehr Landwirte, die nicht nach ökologischen Kriterien tätig sind, bereit, den Zeitpunkt des erstens Mähens etwas später zu legen. Dazu kommen viele gesetzliche Vorschriften und regelmäßige Kontrollen, angekündigt und unangekündigt. Regelungsbereiche sind die Tierhaltung, der Ackerbau, die Lagerung und der Transport.

Sommergetreide wie Hafer und Sommergerste werden allgemein vermehrt von den ökologischen Betrieben angebaut. Wintergetreide wie Roggen und Weizen vorwiegend von konventionellen Betrieben. Mais und Raps ist auf ökologischen Feldern weniger zu finden.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal beider Anbaumethoden ist das Ziel des Anbaus. Der konventionelle Betrieb produziert leider oft einen relativ großen Anteil zur Energiegewinnung in Biogasanlagen oder zur Kraftstoffproduktion. Das Futter produzieren sowohl konventionelle als auch ökologisch arbeitende Betriebe – meistens für ihre eigenen Tierhaltungen.

Nach diesen Erklärungen möchte ich Sie an einer E Mail die teilhaben lassen. Diese habe ich nach einem Aufruf vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sowie Umweltministerin Svenja Schulze geschickt. Dabei habe ich mich an einer Vorlage orientiert, die sich bei diesem Aufruf im Anhang befand.

Lesen Sie selbst.

Sehr geehrte Frau Schulze,

bitte nehmen Sie sich Zeit, sich näher mit dem Thema Schutz der Insekten zu befassen, damit auch Ihre Kinder und Enkelkinder diese Tiere noch erleben können.

Als Naturfreundin, Landwirtschaftsmeisterin, Heilpraktikerin, Krankenpflegehelferin, Erzieherin sowie Wildkräuterpädagogin und Autorin eines Heilpflanzenbuches unterstütze ich mit ganzer Seele das Thema: Lassen Sie es brummen!

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) thematisiert wieder einmal das Thema Insektensterben mit seinen Ursachen und Folgen für die Menschheit.

Vorab eine Worterklärung: Entomologie bedeutet: Insektenkunde.

Der entomologische Verein Krefeld hat 27 Jahre Insekten in Schutzgebieten beobachtet. Diese so genannte Krefelder Studie gilt als die beste Datengrundlage in Deutschland zum Thema Insektenschwund. Demnach sind 75% der Biomasse der Insekten verschwunden!

Das Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichte im Herbst 2017 die Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“. Diese bestätigt erstmals den Insektenschwund in Deutschland. Zahlreiche ehrenamtliche Entomologen/Insektenforscher haben wissenschaftliche Daten zwischen 1989 und 2015 an über 60 Standorten gesammelt – die Ergebnisse sollten uns zum Umdenken motivieren und entsprechende Handlungen zur Folge haben.

Das klingt nur wenig dramatisch? Rechnet man weiter, so bedeutet das allerdings, dass

in 100 Jahren die Insekten gänzlich ausgestorben sein können.

Die Forscher*innen sind sich in ihren Befunden einig: Das dramatische Insektensterben hat viele Ursachen, aber keine hat so großen Einfluss auf den Bestand der Insekten wie Landwirtschaft und Klimawandel.

Daher sollten wir alle gemeinsam handeln und wirksame Maßnahmen zum Schutz und Erhalt unserer lebensnotwendigen Insekten beschließen und umsetzen. Schließlich sind

Insekten systemrelevant. Das bedeutet, dass sie für ein System -hier, unser menschliches Dasein- von allergrößter Bedeutung sind, damit dieses System überlebensfähig ist. Der Begriff stammt aus dem Wirtschaftsleben. Systemrelevante und gleichzeitig insolvente Unternehmen werden möglichst vom Staat erhalten, um (noch) größere Schäden abzuwenden.

Der Artenschwund ist besorgniserregend und er gefährdet unsere Landwirtschaft und folglich unsere Lebensmittelerzeugung.

Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag dazu verpflichtetet, ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ aufzulegen, um wirksame Maßnahmen gegen das Insektensterben zu ergreifen. Zu diesen Maßnahmen gehören zum Beispiel notwendige Veränderungen im Fördersystem der Landwirtschaft sowie ein neuer Umgang mit Pestiziden. Im Juni 2018 hat die Bundesregierung Eckpunkte für dieses „Aktionsprogramm Insektenschutz“ beschlossen.

Mit großer Freude habe ich gelesen, dass der vom Umweltministerium vorgelegte Maßnahmenkatalog klare Vorschläge im Bereich der Landwirtschaft enthält. Der Einsatz von Pestiziden soll reduziert und Lebensräume für Insekten in der Agrarlandschaft geschaffen werden.

Es ist bedauerlich, dass außer den Eckpunkten bislang keine zentralen gesetzlichen Weichenstellungen beschlossen worden sind. Mit der Zulassung von 18 Insekten- und Pflanzengiften, darunter eines mit der fragwürden Substanz Glyphosat, hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ein klares Foulspiel auf Kosten der Insekten begangen. Wie gewöhnlich heißt es noch immer, so wie ich es in der Landwirtschaftsschule gelernt habe:….bei sachgemäßer Anwendung (des Mittels) besteht keine Gefahr für Bienen, Wasser oder Umwelt.

Zum Erhalt der Insektenvielfalt sollten auf zehn Prozent der Agrarflächen Lebensräume für Insekten geschaffen werden. Hecken, Blühstreifen, artenreiche Wiesen oder Flächenstilllegungen zum Beispiel. Hierfür sollen die Möglichkeiten der Europäischen Agrarpolitik genutzt und ein Förderprogramm von mindestens 100 Millionen Euro aufgestellt werden. Bisher gibt Deutschland laut NABU 58 Milliarden Euro für Agrarsubventionen aus. Dieser Betrag muss dringend erhöht werden, um die Artenvielfalt wieder zu beleben.

Bis Ende 2019 sollte im Bundesnaturschutzgesetz ein Pestizidverbot in Schutzgebieten verankert sein. Ein Verbot von Pestiziden also in Naturschutzgebieten, in FFH-Gebieten, in besonders geschützten Landschaftsbestandteilen und in gesetzlich geschützten Biotopen.

In Zukunft sollen Umweltauswirkungen und insbesondere die Auswirkungen auf Insekten im Pestizid-Zulassungsverfahren deutlicher sichtbar gemacht werden. Eine Möglichkeit ist der Eintrag aller Studien in ein öffentlich zugängliches Register sowie die Untersuchung aller Spritzmittelkomponenten zusammen anstatt nur eine einzelne Substanz zu untersuchen. Deswegen muss auch die Genehmigung der 18 im Foulspiel zugelassenen Pestizide zurückgenommen werden.

Deutschland sollte einen schrittweisen Glyphosat-Ausstieg bis 2021 vollziehen, die Anwendung von Glyphosat in Klein- und Hausgärten sowie auf öffentlich genutzten Flächen sofort verbieten und die landwirtschaftliche Anwendung schrittweise einschränken.

Das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern und die Zustimmung von 79 Prozent der Befragten für einen verbindlichen Insektenschutz laut Emnid-Umfrage vom März 2019 haben gezeigt, dass Bürgerinnen und Bürger ein entschiedenes und umfassendes Handeln zum Schutz der Biodiversität fordern.

In mehreren Bundesländern (Brandenburg, Baden Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen) sind weitere Volksbegehren zur Artenvielfalt und zum Insektenschutz in der Planung oder kurz vor dem Start.

Das Artensterben ist Fakt. Es brummt und summt immer weniger in unserer Landschaft. Es ist nun spätestens an der Zeit, dieses jetzt entschieden zu ändern. Sie haben es besonders als Politikerinnen in der Hand!

Mit freundlichen Grüßen 

Carola Kamp

1.2. Ökosiegel

Was sagen uns diese Siegel? Diese sind eingeführt worden, damit Verbraucher mehr über die Herstellung ihres Produktes informiert werden. Es gibt verschiedene Zusammenschlüsse ökologisch tätiger Landwirte. Die meisten sind Mitglied eines Verbandes. Jeder Verband hat eigene Kriterien und Vorschriften denen der Landwirt sich freiwillig unterordnet.

Zuerst gab es nur wenige Siegel. Demeter begann mit der Einführung im Jahr 1928. Weitere sind zum Beispiel: Bioland und Naturland.

Das uns vielleicht bekannte sechseckige grüne Siegel wurde 2001 eingeführt. Lebensmittel die es schmückt sind nach den EU Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert worden. Meine Ansicht ist wie folgt: Besser ein Anbau und eine Tierhaltung nach EU-Richtlinien als rein konventionell.

Allerdings bestehen in der Produktion einige Unterschiede. So dürfen bei Demeter und Bioland meiner Erfahrung nach nur Betriebe geführt werden, die 100 Prozent ökologisch wirtschaften. Bei dem EU-Siegel ist es möglich lediglich einen Zweig des Betriebes nach biologischen Anbaumethoden zu führen. Grünland zum Beispiel biologisch und Ackerbau konventionell. Das ist bei den schon länger bestehenden Verbänden nicht möglich.

Diese Kennzeichnung soll dem Käufer auch Gelegenheit geben leichter entscheiden zu können ob er, das meistens teurere Produkt in Bioqualität oder als konventionelles Produkt kaufen möchte. Besonders reflektierte Konsumenten können zudem die Vorschriften der Verbände vergleichen und entsprechende Kaufentscheidungen treffen.

2. Zusammenhänge Landwirtschaft und Umwelt

Die Ausgestaltung unserer Landwirtschaft steht in engem Zusammenhang mit allem menschlichen und tierischen Leben. Sie beeinflusst unser jetziges sowie zukünftiges Leben auf diesem wunderschönen und wertvollen Planeten. Dazu möchte ich Ihnen einige Fakten zu wesentlichen Zusammenhängen darlegen.

2.1. Wasser

Ja, es gibt sie die gesetzlichen Richtlinien zum Schutz unsere Geässer und diese werden auch kontrolliert. Aus meiner beobachtenden und selbst erlebten Praxis jedoch weiß ich, dass diese Richtlinien einen viel zu geringen Schutz darstellen. Es wird bewusst und auch unbewusst überdüngt, weil zum Beispiel die vorhandene Güllegrube droht überzulaufen. Das bedeutet: Die Gülle, der Dünger muss raus auf den Acker oder auf die Wiese, auch wenn es ein ‚wenig mehr‘ ist als die gesetzlichen Vorgaben zulassen. Die Priorität wird dann in der Entleerung der Güllegrube gesehen und weniger in der Düngung der Pflanzen. In anderen Fällen habe ich gesehen, dass der Boden nicht mehr aufnahmefähig war, weil es schon wieder geregnet hatte. Gülle darf nur zu Zeiten eines aufnahmefähigen Bodens ausgebracht werden. Leider Gottes gehört es auch zum Alltag, dass die Zufuhr der Gülle nur suboptimal eingestellt wurde und doch etwas in den wasserführenden oder auch in den gelegentlich Wasser führenden Graben gelangte. Hauptsache ist, es fällt niemandem auf und in paar Tagen ist alles vergessen.

Auf den Straßen lassen sich ebenfalls deutliche Spuren einiger Güllefahrten beobachten. Der Regen sorgt dann spätestens dafür, dass die Gülle in die Kanalisation fließt.

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor sind die Hormone und Antibiotika, welche mit der Gülle ausgebracht werden. Geflügel erhalten in der konventionellen Haltung immer wieder vorbeugend solche und ähnliche Substanzen. Das weiß ich aus Gesprächen mit konventionell und ökologisch tätigen Betriebsleitern. Natürlich ebenfalls aus der Literatur.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass Landwirtschaft einen direkten Einfluss auf den Wasserhaushalt hat. Mehr noch. Meiner Ansicht nach insbesondere auf die Qualität des (Grund) Wassers.

Einer meiner Freunde ist Eierproduzent. Pro Einheit hält er 4.000 Hühner. Er könnte innerhalb der gesetzlichen Vorschriften um das Doppelte aufstocken. Das bedeutet, dass seine Hühner extrem viel Platz zur freien Verfügung haben. Er arbeitet konventionell. Seinen Hühnern soll es dennoch gut gehen. Sie haben freien Zugang nach draußen, jede Menge gemütlich aussehender Legenester und diese Legehennen leben ohne Antibiotika-Prophylaxe. Damit möchte ich auf unterschiedliche Methoden der Tierhaltung hinweisen. Unterschiede bestehen eben immer im Leben. Und bei der Tierhaltung geschieht auch im konventionellen Bereich Gutes. Leider Gottes kommen im Biobereich auch immer wieder einmal „schwarze Schafe“ vor.

2.2. Luft

Wissen Sie, dass ein einzelner Buchstabe große Auswirkungen haben kann? So zum Beispiel bei den Wörtern: Emission und Immission. Ersterer bezeichnet das Ausstoßen von Schadstoffen in die Umwelt. Dieser zieht Immissionen nach sich, also Verunreinigungen bzw. Schädigungen. Weil sich Immissionen auf lebende Organismen sowie Gebäude belastend bis (Gesundheits)schädigend auswirken können, gibt es die gesetzlich festgelegten Höchstwerte für diverse Substanzen.

Zu den lebenden Organismen gehören sowohl Luft, Boden als auch Wasser sowie Menschen und Tiere.

Es gibt sogar ein eigenes Gesetz zu diesem Thema: Das Bundesimmissionsschutzgesetz (BimSchG). Demnach zählen neben den oben genannten Umwelteinflüssen auch Licht und Geräusche dazu. So ist es nur natürlich zu begreifen, dass Landwirte immer wieder in ihrem Alltag mit dem Thema konfrontiert sind.

Rinder produzieren auf natürliche Weise (physiologisch) eine Substanz, die gerne als Klimakiller dargestellt wird: Methan, Sumpfgas oder auch Methylwasserstoff genannt. Ich habe mich nur oberflächlich mit diesem „heißen Eisen“ befasst, aber wie wir alle wissen, dass es sehr viele Ursachen für unseren unverhältnismäßigen Ausstoß klimaschädlicher Gase gibt. Unseren Fokus der Öffentlichkeit zu stark auf die Rinder zu lenken, empfinde ich manchmal als einen Versuch von anderen Ursachen abzulenken. Nur der Vollständigkeit halber habe ich das Reizthema hier erwähnt.

2.3.Boden

Ohne Boden kein Kapital. Was ich bisher noch nicht begriffen habe ist Folgendes: Landwirtschaft ist ja langfristig orientiert. Vom Anbau bis zur Ernte und dann noch später bis zum Erlös vergehen oft bis zu 10 Monaten. Die Planungen sind noch längerfristiger. Sei es in der Frage was säe ich, auf welchen Acker säe ich was oder welche Maschine soll ich kaufen und wann. Noch wichtiger ist aber die Pflege des Bodens. Zum einen für den laufenden Betreib als auch für nachkommende Generationen. Ich kenne viele Landwirte mit Kindern. Einige von diesen steigen mit in den Betrieb ein. Der Boden jedoch wird lieblos ausgeschlachtet. Ich habe einmal in einer Fachzeitung gelesen, dass durch Mais Monokultur, intensiver (Über)Düngung und durch die Missachtung der Naturgewalten (Starkregen zum Beispiel), Böden in 10 Jahren kaputtgewirtschaftet werden können. Kritisch ist zum Beispiel die Ernte wenn es viel zu nass ist. Damit meine ich, dass die Ernte auf Biegen und Brechen durchgezogen wird, zur fest eingeplanten Zeit, koste es was es wolle. Oftmals werden auch viel zu große und zu schwere Maschinen eingesetzt. Verdichtungen sind vorprogrammiert und werden vom Landwirt einkalkuliert oder unterschätzt. All das ist langfristig sehr bedauerlich für die Betriebsinhaber, die eigenen Kinder und für unsere Ernährungsgrundlagen sowie die Artenvielfalt.

Viele Jahre hatte ich Gelegenheiten zu beobachten, wie unterschiedlich Böden zum Beispiel auf Starkregen reagieren. Ich spreche hier von Äckern, die alle nebeneinader lagen. Die äußeren Gegebenheiten wie Gefälle waren folglich zumindest sehr ähnlich. Bei den Äckern, die nur zielorientiert gedüngt und gespritzt, oh, ich könnte auch sagen „gepflegt“ wurden, entstanden Wasserläufe. Die Böden dieser Äcker nahmen kein Wasser mehr auf. Unsere Äcker hingegen waren aufnahmefähig und es bildeten sich keine Wasserläufe. Wir hatten jede Menge Röhren im Boden, die durch Regenwürmer gebaut werden und wir hatten einen hohen Humusgehalt sowie weniger Verdichtungen. Mit der Saat und Ernte haben wir gewöhnlich gewartet, bis der Zeitpunkt geeignet war.

Er durfte zum Beispiel nach Regen abtrocknen. Dies sollte eigentlich selbstverständlich, also „normal“ sein, doch leider habe ich oft erlebt, dass bei anderen Landwirten auch bei ungeeignetem Wetter geerntet worden ist. Das hatte unter anderem zur Folge, dass der Boden durch die schweren Maschinen und die mehrere Tonnen schwere Last des Erntegutes verdichtet wurde.

2.4. Artenvielfalt/Rückgang

Die oben genannte Verdichtung hat neben der mangelnden Fähigkeit zur Wasseraufnahme eine weitere ebenso bedeutsame Folge: Die Gesamtheit der im Boden lebenden Lebewesen verliert ihre Existenzgrundlage. Das Edaphon ist tot. Was bedeutet der Begriff Edaphon?

Dieser Oberbegriff beinhaltet, grob unterteilt in Makro- und Mikrobereiche, Lebewesen des Bodens. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Würmer, Asseln, Käfer, Ameisen und Spinnen (Makrofauna) sowie Fadenwürmer und Amöben (Mikrofauna). Das Edaphon ist für den Um- und Abbau organischer Stoffe notwendig. So produzieren sie wiederum Substanzen, die der landwirtschaftlichen Kultur als Ernährung und Stärkung dienen. Die Bedeutung ist wie folgt: Ohne Edaphon schlechtere Ernten hinsichtlich Quantität und Qualität.

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir Menschen, ja, die gesamte Menschheit von diesen sichtbaren und unsichtbaren „Mitarbeitern“ abhängig ist.

Der allgemein vielfach in Medien zum Ausdruck gebrachte Artenrückgang beginnt schon dort, im Mikrobereich und nicht erst bei größeren Lebewesen.

2.5. Fleischproduktion und Welternährung

Mir war schon lange klar, dass für die Produktion eines Kilogramms Fleisch im Vergleich zu einem Kilo Getreide ein Vielfaches an Wasser benötigt. Tatsächlich bin nun aber sogar ich überrascht, dass 15.400 Liter Wasser pro Kilogramm Fleisch anfallen. Ich beziehe mich auf Aussagen der Albert Schweitzer Stiftung (s. u.). Diese verweist ausdrücklich darauf, dass ihre Angaben aus Studien stammen welche in fundierter und nachvollziehbarer Weise global gültige Werte angeben.

Der große Wasserbedarf stammt in erster Linie aus der Produktion des Futters für die Schlachtrinder. Fleisch aus Massentierhaltungen benötigt einen deutlich höheren Bedarf an dem wertvollen Gut: Wasser. Das liegt an der Fütterung dieser Tiere: Viel Getreide (Kraftfutter) und Soja. Das Thema Abholzung des Regenwaldes, Transportwege und Monokultur lasse ich hier außer Acht.

3. Bestäubung, Insekten und Ernährung

Auf den allgemeinen Artenrückgang bin ich weiter oben schon kurz eingegangen. Die für uns Menschen unentbehrlichen Fluginsekten nehmen eine Sonderstellung ein und ich möchte sie in diesem separaten Absatz würdigen.

Vielen ist der Satz zumindest inhaltlich bekannt: Wenn die Biene stirbt, stirbt der Mensch. Albert Einstein soll ihn gesagt haben. Ich habe auch gehört, dass er es wie folgt gesagt haben soll: Wenn die Biene verschwindet, lebt der Mensch noch vier Jahre. Auf jeden Fall macht diese Aussage deutlich, wie sehr der Mensch von den Bienen abhängig ist … Genaugenommen nicht nur von Bienen, sondern von anderen Fluginsekten wie Hummeln, Wespen, Fliegen und Schmetterlingen oder von kleinen Krabblern wie Ameisen und Käfern. Sie bestäuben die Pflanze. Immer wenn Tiere auf einer geöffneten Blüte landen, um Nektar zu speisen, bleibt feinster Blütenstaub am Körper des Besuchers haften. Der Besucher sucht sich eine neue Blüte und der an ihm haftende Blütenstaub verbleibt zu einem großen Teil an der neu besuchten Blüte „kleben“. Das ist ansatzweise unter Bestäubung zu verstehen. Es ist eine Befruchtung. Nach derselben entwickelt sich ein Same. Ja, Botaniker und Humanmediziner verwenden teilweise dasselbe Vokabular: Befruchtung und Same zum Beispiel.

Warum ist nun die Bestäubung der Pflanzen so bedeutsam für uns Menschen? Ganz einfach: Laut NABU (s. u.) werden von den 107 WELTWEIT am meisten verbreiteten Kulturpflanzen wie Mais, Reis, Tomaten, Kartoffeln, Hirse, Getreide und Obstbäume etc. 91 (!) von (Wild)Bienen und anderen Insekten bestäubt!!!

Das heißt, andersherum, dass ohne diese Bestäubung deutlich weniger Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. NABU spricht von möglichen Ernteverlusten in Höhe von 90 %. Fazit: Nur 10 % könnten wir Menschen ernten, um uns zu ernähren.

Wenn wir uns für den Erhalt von Insekten einsetzten, sorgen wir indirekt für unsere eigene Ernährung. Gibt es etwas Wichtigeres als sich um uns selbst verantwortlich zu kümmern?

Die Spezies Mensch versucht bereits die sterbenden Bienen zu ersetzen. Sie bestäuben mit der Hand. In China mit billigen Arbeitskräften gehört das manuelle Bestäuben leider zum traurigen Alltag. Drohnen (und damit meine ich keine männlichen Bienen) werden versuchsweise ausprobiert. So hat eine Firma mit dem Namen „Intellectual Ventures“ im Jahre 2015 ein Patent auf fliegende Bestäuber beantragt. Soll das tatsächlich die Lösung sein?

Meiner Ansicht nach wird es auch in der weiten Zukunft unmöglich sein, mit technischen Mitteln so erfolgreich zu bestäuben wie es auf natürliche Weise möglich ist und sich evolutionär entwickelt hat. Ja, ohne Biene stirbt die Menschheit.

Es ist besser sich JETZT um den Erhalt der fliegenden Bestäuber und deren Lebensräume zu kümmern, als Patente anzumelden. Ja, es gibt auch Windbestäubung und Tiere wie Fuchs, Katze und Hund tragen zur Verbreitung von Pflanzen bei. Das alles kann jedoch nur einen Bruchteil der gesamten Bestäubung ersetzen.

4. Was tun?

Nach so vielen traurigen Aussagen nun etwas Schöneres: Wir alle können einfach dazu beitragen, dass die Menschheit zumindest zu einem großen Teil ernährt werden kann. Ja, ganz einfach. Indem Sie diesen Artikel gelesen haben, sind Sie schon ansatzweise über Zusammenhänge informiert, die anderen Menschen bisher noch verborgen sind.

Das ist mein Hauptanliegen: Informieren, besprechen, diskutieren, erkennen… Das alles, um die Bereitschaft zu wecken sein Verhalten zu ändern. Seit circa 36 Jahren esse ich weder Fleisch noch Fisch und möglichst nur biologisch angebaute lebendige Mittel, nämlich Lebensmittel. Dazu eine wahre Begebenheit. Mein Mischlingshund bekam immer wieder von mir ein Stück Obst oder Gemüse zugeworfen. Es war unser Belohnungsspiel: Er musste es auffangen. Ich hatte mir zum ersten Male sehr teure Bio-Erdbeeren aus dem Bioladen gekauft und ich warf ihm eine davon zu mit der Bemerkung: Das magst DU sowie so nicht. Ich hatte mich geirrt. Schwups weg war sie in seinem Maul. Noch einmal dasselbe Spiel. Direkt heruntergeschluckt. Nun wurde es mir zu teuer. “Meine“ teuren Erdbeeren! Ich versuchte es nun mit einer Erdbeere aus konventionellem Anbau. Die Qualität hielt ich für gut. Schwups, weg war sie. Das aber nur für einen Bruchteil von Sekunden, dann hatte er sie ausgespuckt. Aha. Nun fing ich an zu experimentieren und warf mal die eine, mal die andere Erdbeere hin. Einfach spontan wechselnd. Mein Hund spuckte die konventionellen Früchte so schnell wieder aus, dass ich kaum schauen konnte. Das war die letzte Geburt meiner Überzeugung, dass an „echter Bioqualität“ mehr dran ist, als es oft scheint. Seit meinem 20/21. Lebensjahr kaufe ich möglichst nur noch Bio und das wurde mit den Jahren immer einfacher. Vielen Dank mein geliebter Vierbeiner!

Einer Freundin passierte übrigens das Gleiche. Sie gab ihm ein Stück Mandarine und er spuckte dieses aus. Sie antwortete: „Ich wusste doch, dass DU das nicht magst:“

Daraufhin sprach ich zu ihr: „Das ist falsch, was Du sagst. Ich weiß aber, dass Du nicht im Bioladen gekauft hast. Ich nahm meine Mandarine und wir mischten die Stücke so, dass wir wussten welche Bio waren und welche nicht. Der Hund wusste es auch. Meine Mandarinen-Stücke hat er wie gewohnt aufgefangen und gegessen. Alle anderen spuckte er rasend schnell wieder aus. Mein Einkaufsverhalten änderte sich Stück für Stück und dauerhaft.

Die Macht des Käufers, in dem früheren Sinne, dass der Kunde König sei, ist sein Kaufverhalten. Diese, unsere Macht müssen wir nutzen. Jeden Tag immer wieder. Das Ganze sollte aber mit einer inneren Freiheit geschehen. Ausnahmen müssen wir gerne zustimmen und wir müssen uns damit gut fühlen. Andere Menschen müssen wir lassen. Fanatismus und ähnliche Überzeugungsarbeit ist immer negativ. Die ökologische Richtung in welche der Fanatismus geht, ändert nichts an der Tatsache, dass es krankhafter Fanatismus ist.

Bevor ich dazu komme wie Verhaltensänderungen durch mich als Einzelperson erreichbar sind, möchte ich zuerst noch auf die Zielsetzung dessen eingehen.

5. Ziele

Ist es denn tatsächlich so bedeutsam unser Verhalten im Alltag zu ändern? Muss das sein? Ja, so lautet meine Antwort.

Unsere Lebensgrundlage, der Planet Erde wird immer wieder von uns Menschen misshandelt:

  • Wälder werden abgeholzt
  • Beton mauert die lebendige Erde zu.
  • Vergiftung unseres Wassers durch Chemikalien, Hormone, Plastik-Müll sowie durch atomare Belastungen samt Fukushima und Unterwasserversuchen mit Atombomben
  • Pflanzen werden vergiftet sowie gentechnisch verändert
  • Arten im Pflanzen- und Tierreich sterben aus

Ja unsere Erde leidet.

Irgendwann jedoch sind ihre Ressourcen völlig aufgebraucht und dann wird der Mensch die Spezies sein, die möglicherweise ausstirbt. Das ist ein Grund um ein sinnvolles Verhalten im Alltag anzustreben. Der andere Grund ist nicht der Selbstschutz, sondern einfach eine Dankbarkeit für die Schöpfung Gottes. Dieses wunderbare Geschenk sollten wir viel mehr respektieren, achten und beschützen.

5.1. Allgemeine Ziele

Die Erhaltung möglichst vieler Arten im Pflanzen- und Tierreich ist ein wichtiges Ziel: Wichtig ist zum Beispiel der Schutz vorhandener Lebensgemeinschaften in einem bestimmten Gebiet. Ich spreche von der Schaffung und dem Erhaltung von Biotopen. Der Begriff stammt aus der griechischen Sprache, in Anlehnung an bios, das bedeutet Leben und an topos, welches Ort bedeutet. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Bach, See oder auch um Streuobstwiesen handeln.

Sinnvolle Belohnung für umweltfreundliches Verhalten: Unternehmen, welche sich für die Umwelt einsetzten, können zum Beispiel günstigere Preise beim Einkauf bestimmter Artikel erhalten. Sei es den fair und biologisch produzierten Tee oder Kaffee oder statt Plastikbecher zu kaufen, erhält die Firma Gläser und Tassen sehr preiswert. Andersherum könnten die Preise umgekehrt werden: Der fair und ökologisch produzierte Kaffee sollte preiswerter sein als andere Produkte. Menschen mit wenig oder fehlender Einsicht zeigen (leider) oft eine Verhaltensänderung, wenn finanzielle Faktoren ins Spiel kommen. Auch scharfe Kontrollen und Sanktionen von Fehlverhalten führen (leider) des Öfteren zu Verhaltensänderungen.

Die Langlebigkeit von Produkten sollte erhöht werden: Zum Beispiel sollten genietete Billigprodukte verboten werden und überhaupt Produkte, die man nicht reparieren kann.
Auch Emissionen können meiner Ansicht nach noch viel weiter reduziert werden, aber diese Debatte ist ja aktuell medial auch endlich etwas präsenter.

5.2. Individuelle Ziele

Realistisch ist das, was der jeweilige Mensch alltäglich umsetzt. Nur durch kleine Erneuerungen im individuellen Verhalten sind größere Veränderungen möglich.
Ich bin der Überzeugung, dass wir Individuen unterschätzen was ein einzelner, scheinbar schwacher und kleiner Mensch erreichen kann.
Dalai Lama hat gesagt: „Wenn du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas bewirken zu können, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist“. Das habe ich vor Jahren gelesen und ich erinnere mich immer wieder daran. Eine detaillierte Quelle kann ich leider dazu nicht angeben.
Ich finde es realistisch, wenn jeder von uns etwas Müll reduziert. Verpackungsmaterialien fallen leider auch immer in meinem Haushalt an. Mit ihnen versuche ich dann etwas zu gestalten oder sie wieder zu verwerten. Dazu ein konkretes Beispiel: Ich kaufe eine Packung Chips. In diese leere Tüte kommen beschmierte Brote hinein. Für Unterwegs ideal, da das Fett in der Tüte bleibt, anstatt in die Tasche zu laufen. Stimmt, verehrte Leserinnen und Leser, noch besser wäre es, wenn ich gar keine Chips kaufe. Das ist mein Ziel. Momentan bin ich noch auf dem Weg dorthin.

Jeder Käufer sollte willig sein für Nahrungsmittel das entsprechende Geld auszugeben. Kauft der Kunde zum Beispiel ein Brot welches mit Auszugsmehl (450 zum Beispiel) hergestellt worden ist, so ist er nach dem Verzehr mehrerer Scheiben davon relativ schnell wieder hungrig. Das hängt auch mit dem Blutzucker zusammen. Dieser steigt schnell an und sinkt relativ schnell wieder. Das Hungergefühl schleicht sich folglich schneller ein, verglichen zu einem Vollkornbrot, Natursauerteig. Von Letzterem isst der Käufer eher weniger und es hält länger satt, da der Blutzuckerspiegel länger stabil bleibt. Der Kaufpreis mag im Vergleich zu dem Brot aus dem Auszugsmehl zwar höher erscheinen, doch es hält, wie erwähnt länger satt und es wird weniger davon gegessen, weil es eben so sättigend ist. In der Relation betrachtet sinkt plötzlich der Preis des scheinbar teuren Brotgenusses.

Was ich ausdrücken möchte, ist die simple Tatsache, dass jede kleine positive Verhaltensweise Wellen schlagen kann und so erreicht ein Einzelner viel mehr Menschen als er ahnt. Das ist leider eine Tatsache, die von Vielen außer Acht gelassen wird.

6. Wie kann ich als Einzelner Verhaltensänderungen bewirken?

Zuerst einmal muss ich mich mit der Thematik vertraut machen. Des Weiteren sollte ich sehr frei über alle möglichen Optionen nachdenken. Das bedeutet Folgendes: Ich erkenne eine Möglichkeit mein Verhalten beim Einkauf zu optimieren, indem ich in einem Geschäft einkaufe, das lose Waren anbietet. Damit komme ich meinem Ideal von einem nachhaltigen Konsum jedes Mal ein Stückchen näher. Trotzdem ist es wichtig, sich dabei nicht unfrei zu fühlen. Wenn mir mein Alltag zum Beispiel an einem bestimmten Tag den Besuch dieses Ladens erschwert, dann erlaube ich mir, zum Beispiel Sonnenblumenkerne in einer Tüte zu kaufen. Sie glauben wahrscheinlich nicht, wie wichtig diese innere Freiheit ist. Nur durch diese Freiheit hat der Mensch Freude sich noch mehr zu bemühen in dieses Spezialgeschäft zu gehen. Außerdem regt der Kauf der Tüte zum Nachdenken darüber an, ob das jetzt tatsächlich so wichtig war oder ob es nicht doch noch später genügt hätte die Sonnenblumenkerne zu kaufen.

Etwas anderes mag Sie auch irritieren. Sie werden mit Kollegen, Bekannten und Freunden in Gespräche verwickelt werden und in diesen sollten Sie selbst nur auf Fragen reagieren. Sie sollten auf Belehrungen verzichten und Schweigen üben. Ehrliche Fragende fallen eher aus dem Rahmen. Ihre ehrlichen Antworten jedoch und Ihr Ringen um Neuorientierung sind es wert geachtet zu werden. Leider wollen Menschen ihr Gegenüber oft von ihrer eigenen Meinung überzeugen und das kann anstrengend für Sie werden. Sie verschwenden Ihre eigene Energie vielleicht mit sinnlosen Diskussionen.
Das Beste und Wirksamste sind Ihr Vorbild. Seien Sie Vorbild. In unserer Gesellschaft ist es üblich unmittelbar nach einem ausgeführten Verhalten innerlich oder laut verbalisierend zu reagieren: Wieso, der macht das doch auch. Der eine wirft die Zigarettenkippe auf den Boden, dann kann ich das doch auch tun.

Versuchen Sie doch mal, nicht auf diese Art zu denken. Seien Sie ein mutiger Individualist der fähig ist Verantwortung zu tragen. Dieses Verhalten können Sie dann auch überzeugend vermitteln. Besonders Kinder werden von einem verantwortungsvollen Konsum ihrer Eltern positiv geprägt. Diese können schon früh damit beginnen für ihren Planeten Erde einen liebevollen Umgang zu pflegen sowie Verantwortung zu tragen.
Verantwortung für sich selbst und unsere Welt, also für unsere Mutter Erde.

7. Ausblick

Zukunft geschieht ja immer im Jetzt. Das mag sich zuerst fremd anhören, doch nach meinem Denken ist es wie folgt: Wenn ich am heutigen Tag von morgen spreche und der Tag da ist, dann verwandelt sich dieser Tag wieder in „Heute“.

Wichtig ist im Jetzt zu leben. Jetzt bemerke ich, dass viele Menschen sich Fragen stellen. Ich spüre schon bei jungen Menschen, dass sie jetzt Dinge hinterfragen, mit denen sie nur indirekten Kontakt haben. Ein Beispiel: das Thema Massen-Tierhaltungen. Vielleicht tragen auch die modernen Kommunikationsmedien dazu bei, dass mehr Fakten bekannt werden als manchen Unternehmensführungen lieb ist. Dieses führt dann auch zu einer kritischen Auseinandersetzung, die in dieser Art ohne diese Medien unmöglich wäre. Wir alle müssen noch aktiver handeln um wichtige positive Effekte zu erzielen.

Meine Motivation an diesem Wettbewerb teilzunehmen, ist die Hoffnung, dass ich verschiedenen Menschen meine Meinung und Erfahrung mitteilen kann. Dafür bin ich der Firma Salus und ihrem Medienpreis dankbar.

Die FindingSustainia Leserinnen und Leser werde ich weiter über den Wettbewerb informieren. Das wird erst im Herbst diesen Jahres sein.

Wieder einmal grüßt Sie herzlich

Kräuterfreundin Caroline

PS: Nun gehe ich wieder zu meinen Blumenkästen um zu sehen ob die Bienenweiden sich weiterhin gut entwickeln.

 

 

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