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Chat zum Sonntag, No. 41 – Meyer&Meyer

11.10.2014                    12:35 – 13:54

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Anna: Guten Morgen, Santa! Oder… eher guten Tag, um diese Uhrzeit. Hab heute schön lange ausgeschlafen.

Santa: Das klingt schön! Sehr schön sogar!

Was hat Schlaf mit Erfolg zu tun?

Anna: Passend zum Thema gibt es im neuen ‘Cicero’ ein Interview mit Arianna Huffington, das die Überschrift “Schlaft euch nach oben!” trägt. Klingt erstmal nach einem schlechten Rat… aber sie beschreibt in ihrem neuen Buch, dass Erfolg auch mit einer gewissen “inneren Ruhe” zu tun hat.

Santa:  Hmmm… Schlaf ist auf jeden Fall sehr, sehr wertvoll und hilft mir ausgeglichener zu sein und gemäßigter zu konsumieren. Und nicht nur ausgeglichener, sondern z.B. auch kreativer.

Anna: Neben Macht und Geld, zwei Faktoren mit denen gemeinhin Erfolg gleichgesetzt wird, erfindet sie den Begriff “3rd Metric”. Die dritte Einheit beinhaltet Gesundheit und Zufriedenheit. Sicherlich ein Buch, von dem man etwas lernen kann. Aber für mich ist Erfolg, ehrlich gesagt, auch aktuell nicht mit Macht und Geld verknüpft. Also: no need for a 3rd metric. Erfolgreich fühle ich mich, wenn ich mein Ziel erreiche.

Santa: Und, bist Du auf dem Weg, die Ziele unserer CO2-Challenge zu erreichen?

Anna: Auf dem Weg schon… aber noch recht weit vom Ziel entfernt… Und Du?

Alltägliches neu schätzen – Treffpunkt Markt (statt schnell mit dem Auto in den Supermarkt)

Santa: Mein Verpackungsmüll war z.B. noch nie so niedrig und das ganz ohne Stress. Ich gehe nicht ins Fitnessstudio, aber laufe viel und mache ein paar Übungen zu Hause. Bücher und Filme leihe ich mir im Moment bei Freunden oder in der Bibliothek ein und anstelle immer nur Essen zu gehen, versuche ich, mich im gemeinsam Kochen zu üben. Meine Mama war ja jetzt eine Woche da und wir waren bei einer Freundin und haben dort mit drei Generationen gemeinsam die Resultate von 2,5 Stunden kochen genossen. Kranwasser in Karaffe inklusive. Ich glaube immer mehr, dass ein allgemein nachhaltiger Rhythmus möglich ist.

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Anna: Gemeinsam kochen klingt wunderbar! Und auf Deinen reduzierten Verpackungsmüll kannst Du wirklich sehr stolz sein. Ich habe mir mit meiner Schwester auch überlegt, dass wir uns in Zukunft öfter mal auf dem Markt treffen können. Dort kann man erstens verpackungsfrei, regional, bio und gut einkaufen und im Anschluss noch ein wenig schlemmen, quatschen, etc…

Santa: Genau! Alltagsdinge zum Event machen. Mir geht es auch wirklich sehr gut mit dieser neuen Wertschätzung des Alltäglichen. Auch ‘slow‘ ist weiterhin sehr wichtig für mich. Und hier in Norwich versuche ich mich sehr stark mit den Ursprungsquellen meiner Produkte zu beschäftigen. Die Verkäuferinnen und Verkäufer der kleinen Lädchen auf dem Markt haben sehr viel Ahnung. Außerdem bekomme ich dort Gewürze, Kräuter, Tees und ggf. auch Kaffee lose. Auch Eier und weitere tierische Produkte könnte ich verpackungsfrei bekommen. Es geht hier sehr persönlich zu – small town halt. Der Gemüsemann freut sich auch immer über meine Begeisterung.

Anna: Gehe auch gleich zum Markt. Ich habe Kürbismuffins, eine Kürbis-Quiche und unsere vegane Lebervurst in Planung. Diese Idee, stärker mit den Jahreszeiten zu gehen, gefällt mir auch immer mehr! Und ich weiß nicht, warum ich es einfach vorher nicht auf dem Schirm hatte, aber erst seit unserer Regional-Challenge achte ich auf dieses Thema. Und ich merke, dass man auch in einigen Supermärkten recht gut bedient ist bezüglich Saisonalität. Nur ohne Verpackung geht’s im Supermarkt bei Bio-Produkten einfach nicht… also, zurück zum Wochenmarkt.

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Verpackungsfreiheit mit Kindern?!

Santa: Ich muss allerdings sagen, dass ich das Prinzip der Verpackungsfreiheit leider nicht gänzlich auf meine Tochter anwenden kann. In England ist man ganz versessen nach Snacks, Smoothie Pouches und Trinkpäckchen. Außerdem gibt’s ständig irgendwelche Sausage Rolls, Kuchen und Kekse. Da brauche ich also doch 2-3mal die Woche irgendeine Alternativen oder sage auch mal ‘ja’ zum Trinkpäckchen oder einen Müsli-Riegel, was sie dann besonders toll findet. Irgendwie hat diese Verpackung etwas Unwiderstehliches. Als Kind hatte ich bestimmt ähnliche Impulse.

Anna: Oh ja, dieses Thema war auch im Fokus des letzten Greenpeace Magazins. Dort hieß es im Artikel “Die Rattenfänger”, dass große Konzerne sehr genau studieren, worauf Kinder positiv reagieren. Und auch die Autoren haben einen Test gemacht mit Kindern, die aus Familien stammen, in denen sehr viel Wert auf gute Ernährung gelegt wird. Und Kindern, die aus Familien stammen, die als “Durchschnittskäufer” gelten. ALLE Kinder durften sich im Supermarkt munter bedienen und sie haben allesamt denselben Quatsch ausgewählt. Naja, welches Kind liest schon so genau, was es da eigentlich wählt. Hauptsache bunt. Und das Schlimme ist ja, das genau diese Sachen die Süßesten sind. Wir sollten uns also für gutes, bunt und umweltschonend verpacktes Essen für Kinder stark machen, oder?

Santa: Ein Mitglied unseres Think Tanks 30, Armin Steuernagel, hat ja ein Unternehmen gegründet, das Bio-Lebensmittel für Kinder vertreibt.

Anna: Stimmt, Damia. Er nutzt vor allem Mogli als Kindermagnet. Zwar sind die Sachen stark verpackt, aber ansonsten großartig! Man kann eben nicht auf Verpackung verzichten, wenn’s bunt sein soll. Mal wieder ein Dilemma.

Santa: Ja, genau das ist mein Dilemma. Z.B. ist eine kleine Flasche mit Saft viel unattraktiver als ein Trinkpäckchen mit einem Strohhalm. Strohhalme nerven mich schon ein bißchen, aber ich will mich auf keinen Fall zur dogmatischen Über-Öko-Mama/Frau/Tochter/Freundin entwickeln. Das ist ja auch genau das Anti-Ziel unseres Selbstversuchs.

Anna: Stimmt! Damit haben wir die erste Antwort, würden wir die Kopfstandmethode anwenden. Eine Kreativitätstechnik, bei der man sich, zum Beispiel, fragen würde: Was müssen wir tuen, damit niemand unseren Blog liest, sich erst recht nicht inspirieren lässt oder gar Verhaltensweisen in Richtung Nachhaltigkeit verändert? Naaaa? Fällt Dir etwas ein.

Santa: Ja. Unentspannt sein, zynisch, vorwurfsvoll, besserwisserisch, …

Anna: Ich liebe diese Methode!!!

Pleiten, Pech und Pannen

Anna: Um besserwisserisch zu sein, müsste man schließlich auch mindestens besser Bescheid wissen als andere… tja, das ist mir in Sachen Selbstversorgertum diese Woche nicht so gut geglückt.

Santa: Warum, was ist passiert?

Anna: Ich habe Walnüsse gesammelt. Und ja, ich gebe zu, ich war etwas unbedarft. Ich habe sie auf einem Holzteller auf den Balkon gestellt… ein paar regnerische Tage lang… Nach zwei Tagen Sonnenschein erschienen und sie mir trocken und ich habe die ersten geknackt. Sofort musste ich feststellen, dass sie Schimmel angesetzt hatten.

Santa: Oh no…

Anna: Ja, schrecklich! Also habe ich dann doch recherchiert und gelernt, dass man sie sofort in einem sehr trockenen Raum gut lagern muss. Dabei sollen sie sich nicht berühren… und wenn eine Nuss Schimmel angesetzt hat, dann müssen alle in die Tonne… arrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrgh!!! Ein Trauerspiel!

Santa: Naja, beim zweiten Mal bist Du schlauer.

Anna: Stimmt. Trotzdem ein Trauerspiel.

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Weniger Emissionen & alternative Stromanbieter

Anna: Aber, hey,… in diesem Monat geht’s um Emissionen! Die Macht der Reduktion… Wir könnten mal über unsere Energieversorgung sprechen. Aber das ist ja quasi mein Job und wir haben Wochenende… dennoch: ein Öko-Stromanbieter sollte es schon sein. Wie ist das bei Euch in Norwich, Paris,… habt ihr bei all diesen Umzügen eigentlich Einfluss auf die Wahl des Stromanbieters?

Santa: Bei uns ist es etwas verzwickt. Wir beziehen Strom über unseren Vermieter, bei dem wir ja nur Zwischen-Mieten. Der beste grüne Anbieter hier ist Ecotricity. Ich werde meinen Vermieter gleich mal anschreiben und fragen, ob das nicht eine Option wäre.  In Paris ist es auch verzwickt, weil wir bisher den Vertrag meines Schwiegervaters beibehalten haben. Das nehme ich aber in Angriff, wenn wir wieder zurück sind.

Anna: Also wir beziehen Strom von ‘Schwarzwald Energy’. Für uns aber eher so eine Nostalgie-Entscheidung, weil wir den Schwarzwald so gerne haben. Die besten Ökostrom-Anbieter sind eigentlich die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy, Naturstrom aus dem schönen Düsseldorf und Lichtblick (http://www.atomausstieg-selber-machen.de/). Also, für alle die diesen Chat lesen und noch keinen Ökostrom beziehen: please change! Oh, oh… ging das jetzt schon in Richtung besserwisserisch? Naja, bei diesem Thema kann ich einfach nicht anders. Es muss auch noch nicht einmal teurer sein. Wer weiß? Vielleicht seid ihr ja sogar bei eurem jetzigen Anbieter in der Grundversorgung. Da sind Leute wie ich, die sich nicht so gerne um Rechnungen kümmern und nicht vergleichen und dann im teuersten Tarif “hängenbleiben”. Also: der Umstieg lohnt und ist kinderleicht! Promise.

Hinweis: Für alle, die sich noch näher informieren wollen, empfehle ich die Internetseite Ökostromanbieter.org. Und das dieses Thema wichtig ist, lässt sich auch nochmal in unserem Challenge-Auftakt nachlesen.

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Zugreisen, Stromsparen & kleine Reparaturen

Santa: Heute muss ich auch meinen Mann loben. Er hat ca. 10 Stunden Zugreise (each way) in Kauf genommen, um von Norwich nach Straßburg zu fahren, anstelle von ca. 3 Stunden Flugzeit direkt von Norwich Airport (inkl. Umstieg).

Anna: Great guy!!!

Santa: Beim Kochen spart man ja Strom, Zeit und Geld, wenn man Deckel verwendet. Ich habe begonnen, einen Topf oder eine Pfanne, die ich normalerweise auf einer separaten Herdplatte aufgewärmt hätte, nun einfach auf einen Topf zu stellen, in dem ich etwas koche, z.B. über meiner Gemüse-Schalen-Brühe.

Anna: Creative, my dear! Wir haben heute auch Ersatzteile gekauft für ein jahrealtes Elektrogerät. Ein Neugerät wäre kaum teurer gewesen, aber kaputt war wirklich nur ein kleines Teil. Haben hin und her überlegt. Und uns dann doch für das Ersatzteil entschieden. Slash your trash!

Die Psychologie der Emissionsminderung

Anna: Ich war bei einer tollen Veranstaltung, Santa! Bei der Wissensnacht Ruhr.

Santa: Which lessons did you learn?

Anna: Vornehmlich ging es um die einfache Erklärung verschiedenster technischer Zusammenhänge. Aber es ging auch um die “Psychologie der Emissionsminderung”. Jackpot! Genau unser Thema.

Santa: Super interessant! Kannst du etwas mehr erzählen?

Anna: Die Fh Bielfeld hat ein Forschungsprojekt vorgestellt, in dem sie verschiedene Klimaschutztypen identifiziert haben. In einer Matrix wurden 9 Typen definiert. Und alles spielte sich ab auf den Achsen “traditional geprägt – offen/modern” und dem “Ausstattungsniveau”. Ausstattungsniveau hieß in diesem Falle, dass man entweder Geld hat oder in Kreisen verkehrt, in denen Leute Geld haben oder mit einem hohen Bildungsgrad ausgestattet ist. Naja, schau Dir das Bild einfach mal an.

 

Anna: Besonders hat mir der folgende Satz gefallen: “Das Potenzial zu einem nachhaltigen Lebensstil ist bei allen Typen vorhanden. Notwendig sind jedoch auf den jeweiligen Typ abgestimmte Argumente zur Motivation, sich über klimaschonendere Alternativen des bisherigen Konsums zu informieren.” Sie entwickeln gerade auch eine App, die bei der Emissionserfassung und Minderung hilft. Und über die man sich gegenseitig herausfordern kann. Klingt super, finde ich. Ein spannendes Forschungsfeld, oder?

Santa: Absolut! Ich habe mich mal mit Ashoka Fellow Gülcan Nitsch über ihre türkische Umwelt-Organisation Yesil Cember unterhalten.

Anna: Und?

Santa: Sie hat sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet, oftmals bei Familien, meistens Frauen, mit einem nicht besonders hohen Bildungsniveau, die z.B. Bleiche wie eine Tugend für Sauberkeit behandeln. Auf jeden Fall konnte man diesen Frauen nicht mit sauberen Gewässern etc. kommen, sondern musste ihnen erklären, wie wichtig die Erhaltung der Umwelt für ihre Kinder ist. Geschäftsmänner hat sie gekriegt, in dem sie Umweltsiegel eingeführt hat, die sie sich ans Fenster kleben konnten. Sie hat ausserdem ganz einfache Comic-Strips verfasst, in denen sie aufgeklärt hat, nichts Kompliziertes. Diese wurden übrigens in viele Sprachen übersetzt, z.B. ins Marrokkananische.

Anna: Adressatenbezogene Ansprache… that’s it. Leider wissen wir gar nicht so genau, wer unseren Chat eigentlich liest. Die Klick-Zahlen beeindrucken uns, aber gerade letzte Woche hat eine Freundin aus dem Studium mir gesagt, dass ihr die Vegan-Challenge so gut gefallen habe. Während der Challenge selbst hat sie sich aber nicht zu erkennen gegeben. Eine kleine Black-Box, unsere Leserschaft. Na ja, von manchen wissen wir schon. Und großartige Reaktionen, wie die von Cl Lu helfen uns natürlich sehr. Warst Du übrigens schonmal bei einem Science Slam?

Science Slams & Fairtrade

Santa: Nein, noch nie. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Anna: Im Rahmen dieser Wissensnacht gab’s auch einen Science Slam, und es war wirklich toll.

In 10 Minuten stellen Leute ihre Forschung dar. So unterhaltsam wie möglich und das Publikum stimmt ab, von wem es mehr hören möchte. Ein tolles Format. Wirklich lustig, kreativ und lehrreich!

Santa: Klingt gut. Obwohl Leute wie mein Mann Schwierigkeiten hätten, ihre Forschung in 10 Minuten und dann auch noch unterhaltsam vorzustellen.

Anna: Geh unbedingt mal hin, wenn Du ein entsprechendes Angebot entdeckst. In Bochum ist nächste Woche die Westdeutsche Science Slam – Meisterschaft.

Santa: Mir ist der Begriff noch nie untergekommen, aber ich halte meine Augen mal offen. Das tue ich sowieso immer mehr. Bald gibt es ein Seminar zu Ethical Investment, das ich besuchen möchte. Und ein Klezmer Tanz Konzert.

Anna: Oh ja, nachhaltige Geldanlagen. Unser Thema im November, würde ich sagen! Und im Dezember könnten wir uns mit Fair Trade Siegeln und ähnlichem beschäftigen. Aber das besprechen wir nochmal in Ruhe…

Santa: Sehr gerne! Genau, eine Challenge nach der Anderen.

Anna: Ich wünsche Dir noch ein wunderbares Wochenende!

Santa: Dir auch ein schönes Wochenende, Anna, und allen unseren Lesern auch! Much love!

P.S. von Santa: Allerdings wäre Input ganz toll. Neue Perspektiven! Derzeit bin ich sehr fokussiert auf eine Kombination der alten Challenges, also not much new. Was fällt euch sonst so ein, womit man seinen Fussabdruck mindern kann?

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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