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Insektenhotels: sinnvoll, summend, schön. Interview mit Wolfgang Schnitker

Der Klimawandel gefährdet unseren Artenreichtum. “Biodiversität in Gefahr”, könnte man auch sagen. Außerdem nähern wir uns in großen Schritten dem Herbst.

Und wonach sehnen wir uns in dieser Zeit? Nach kuscheligen vier Wänden.

Nicht anders sieht’s bei Bienen, Florfliegen, Käfern und Ohrwürmern aus. Und was liegt da näher, als Insektenhotels aufzustellen und die wichtigen Erdbewohner in unsere Gärten zu laden? Wer letztendlich einzieht, hängt stark davon ab, wie die Einrichtung gestaltet ist. Jede Insektenart hat da ihre ganz eigenen Vorstellungen. Und da wir Meyers nicht wirklich vom Fach, aber stets interessiert sind, haben wir uns bei jemandem schlau gemacht, der weiß wovon er spricht:

Wolfgang Schnitker

In seiner Freizeit beschäftigt er sich seit Jahren mit Themen des Gartenbaus und der Biodiversität. Und er geht die Sache praktisch an. In seiner Werkstatt entsteht mittlerweile ein Insektenhotel nach dem anderen. Doch was steckt eigentlich genau dahinter? Wir haben ihn zum Gespräch gebeten.

Anna: Herr Schnitker, wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit nehmen uns Städter ein wenig aufzuklären. Beginnen wir mit der wichtigsten Frage. Wofür sind Insektenhotels eigentlich da?

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Gute Gründe

Wolfgang: Wir können uns gerne duzen. Aber jetzt zum Thema: Der wichtigste Grund ist die Unterstützung von Nützlingen. Jedes einzelne Zimmer bietet ihnen Raum zu nisten und zu überwintern. Andere Orte im Garten, wir z.B. Laubhaufen, sind nicht so beständig. Klar, wenn es unzählig viele Insekten gäbe, könnte man ein wenig Schwund verkraften. Aber sie werden rar und ein sicherer Unterschlupf wird aus diesem Grund zunehmend wichtiger. Im Garten kann ich außerdem durch meine Standortwahl genau dort einen Unterschlupf schaffen, wo Insekten nützlich sind.

Anna: All der Aufwand ist also vor allem Eigennutz? Oder was motiviert sie?

Wolfgang: Mit ein wenig Übung, ist der Bau gar nicht mehr so aufwendig. Tja, was motiviert mich? Ich weiß einfach um den Wert von Insekten. Im Allgemeinen. Aber auch für uns ganz konkret. Im Garten rücken sie ja zum Beispiel Schädlingen zu Leibe. Das spart Zeit und macht den Einsatz von Chemikalien überflüssig.

Anna: Ganz in unserem Sinne! Reicht denn ein Hotel für alle nützlichen Arten?

Wolfgang: Das hängt ganz davon ab, wie man die Zimmer ausgestaltet. Wildbienen überwintern zum Beispiel in den Schilfröhren. Florfliegen und Larven werden von roter Farbe angezogen und übewintern dort wohin ich sie leite, indem ich Teile der Eingänge mit roter Farbe gestalte. Marienkäfer überwintern in den runden Holzbohrungen. Schmetterlingen in den länglichen Schlitzen.

Zeiten ändern sich

Anna: Dennoch, ein wenig künstlich erscheint mir die Idee eines menschen-gemachten Hotels für Insekten doch. Sorgt die Natur selbst nicht mehr für sich?

Wolfgang: In der Natur nutzen die Tiere normalerweise Totholz, das in besiedelten Räumen und modernen Gärten so gut wie nicht mehr existiert. In der tatsächlichen Natur ist alles in Ordnung, aber hier sprechen wir ja darüber, Insekten in unseren Gärten einen Rückzugsort zu ermöglichen.

Anna: Alles klar. Begriffen! Wir machen es ihnen schön, damit sie überhaupt bleiben.

Wolfgang: Ja, beispielsweise Wildbienen. Sie bestäuben hier unsere Blüten und sind extrem wichtig. Sie legen ihre Brut in den Röhren meiner Hotels an. Ansonsten wären sie sicherlich woanders. Die Imker fahren ihre Bienen zum Beispiel raus aufs Feld. Von dort verirrt sich kaum mehr eine Biene zurück zu uns. Ein weiterer Vorteil: Wildbienen brauchen außer einer guten Brutstätte keine weitere Betreuung. Das sieht bei Honigbienen natürlich ganz anders aus. Die Aufgaben eines Imkers sind vielfältig und umfangreich.

Nützlinge herzlich Willkommen

Anna: Gibt es sonst noch Bewohner, von denen wir wissen sollten?

Wolfgang: Ja, Ohrenkäfer zum Beispiel. Sie kümmern sich im Garten um unsere Blattläuse. Man könnte sagen, dass Blattläuse ansonsten von Ameisen regelrecht gezüchtet werden. Das ist natürlich doppelt unangenehm. Wenn dann ein Ohrenkäfer zur Hilfe eilt, so sage ich das jetzt mal, legt er sich schnell mit einer Horde Ameisen an. Auch da schützt ihn das Insektenhotel als Rückzugsort. Ohrenkäfer ziehen hinten ins Insektenhotel ein. Dort können sie sich in Tannenzapfen und Stroh verkriechen und sich auch vor Kälte schützen.

Der Bauplan

Anna: Ich höre schon, Deine Hotels sind wirklich sehr facettenreich.

Wolfgang: Stimmt. Aber der Bau ist relativ einfach, wenn man das Prinzip kennt. Man muss Bereiche zwischen Hart- und Weichholz unterscheiden. Man bohrt Löcher von 3 bis 8mm Durchmesser. Möglichst tief. Der Bohrer muss sehr scharf sein. Das darf man auch nicht unterschätzen. Sonst splittert innen das Holz oder schmort ein wenig an. So werden keine Bienen angelockt. Alle Materialien sind unbehandelt, aus der Region, selbst gesammelt…

Anna: Mal wieder ganz in unserem Sinne! Ich bin begeistert. Wir würden sagen: DIY mit heimischen Materialien für Biodiversität!

Wolfgang: Ehrlich gesagt habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, ob mein Hobby einen Namen braucht. Es ist einfach eine unglaublich sinnvolle Sache, sieht gut aus und auch die Anfertigung macht mir Spaß.

Anna: Erzähl mal weiter. Was muss man beachten beim Bau?

Wolfgang: Vor Regen schützt man die Zimmer mit zwei Brettern, die mit Dachpappe bezogen sind. Man baut also ein Dach. Bei der Standortwahl ist darauf zu achten, dass es nach Südosten ausgerichtet ist. Außerdem brauchen die Insekten ein bißchen Ruhe. Also positioniert man es vielleicht besser nicht neben dem Kletterbaum der Kinder.
Es gibt noch tolle Zusatzoptionen. Zum Beispiel für Fledermäuse. Dann müssen sie hoch genug hängen.

Stadt, Land, Fluss

Anna: Für mich als Städterin gibt’s aber keine Anwendungsmöglichkeit, oder?

Wolfgang: Doch, doch! Du kannst es sogar auf dem Balkon positionieren. Die Hotels werden ja mittlerweile sogar auch in Supermärkten angeboten. Meiner Meinung nach sind das aber Dekoartikel. Selten kann man sicher sein, dass die Materialien unbehandelt sind. Und auch die Vielfalt der Strukturen lässt oft zu wünschen übrig. Der Preis zeigt oftmals, dass nicht viel dahinter sein kann.

Anna: Wie lange brauchst Du denn so für ein Hotel? Ehrlich gesagt sieht es eher unbezahlbar als nach einem Schnäppchen aus.

Wolfgang: Ja, wenn man’s richtig macht, steckt da schon Arbeit drin. Aber eben auch Herzblut. Da merke ich gar nicht, dass die Zeit vergeht.

Anna: Und schätzungsweise?

Wolfgang: Also erst einmal muss ich mehr als 500 Löcher bohren. Die Bienen brauchen einfach viele Optionen für ihre Brut. Mittlerweile bin ich aber auch schon sehr geübt. Und ich mache immer mehrere gleichzeitig, so dass ich Arbeitsschritte kombinieren kann. Sagen wir mal, ich brauche etwas mehr als fünf Stunden für eins. Wenn man’s zum ersten Mal macht und nur eins, dann dauert es länger. Aber das ist es auch wert!

 Begeisterung und Kontakt

Anna: Das klingt alles toll! Dürfen wir Bestellungen aufgeben oder Dich um Rat fragen, wenn wir uns entscheiden selbst Hand anzulegen?

Wolfgang: Na klar, Ihr könnt mich anrufen und seid natürlich auch immer herzlich Willkommen.

Anna: Dürfen wir unseren Lesern auch Deinen Kontakt verraten?

Wolfgang: Ja, man erreicht mich unter der Adresse: hennerjockel@gmx.de

Anna: Großartig! Wir danken! Wir bleiben noch ein bißchen! Und kommen ganz sicher wieder!

Wolfgang: Gern geschehen!

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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