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Meyer&Meyer fragen: Die Bahn rät zu mehr Fleisch?

Liebes Team der Deutschen Bahn,
EAT MEAT! – Mit diesem Aufruf verbinde ich seit wenigen Tagen das Bahn fahren.

Das ausliegende Magazin wirkt mit dem oben und unten versehenen roten Balken erst einmal wie eine Publikation der Deutschen Bahn. Ist ja eigentlich auch naheliegend, oder? Schließlich liegt es ebenso wie das viel gelesene und meist großartige Magazin „mobil“ öffentlichkeitswirksam in euren Zügen aus.
Ich möchte nicht bestreiten, dass es ganz sicher dem einen oder anderen Kunden eine unverhofft

appetitanregend und glückliche Bahnfahrt beschert. Und vielleicht führt es sogar zu einer Erhöhung der Bestellungen im Speisewagen… aber viele der Bahnfahrenden wundern sich vermutlich erst einmal. Vielleicht fällt es auch vielen nicht auf. Ich weiß es natürlich nicht wirklich. Ich jedenfalls, habe mich gewundert. Die Bahn – ein Unternehmen, das sich in den letzten Jahren mit viel Ehrgeiz ein Vorbild-Image in Sachen Nachhaltigkeit erarbeitet hat, das Ökostromverträge in vormals undenkbaren Dimensionen abgeschlossen hat, durch die eine Reduzierung klimaschädlicher Emissionen auf der Schiene um fast 50% reduziert wurden und das bis 2020 Umweltvorreiter werden will…

 

Tja, und jetzt das hier? Mir liegt das Wort Fleisch-Propaganda auf der Zunge. Gerade nachdem der Fleischatlas des BUND vielen von uns Deutschen doch stark zu denken gibt und zudem schon ziemlich lange bekannt ist, dass täglicher Fleischkonsum problematisch ist. Wie passt das zusammen? Ist es wirklich ein Magazin aus der Feder des Unternehmens, frage ich mich – und schaue genauer hin. Ein Verband steckt dahinter! Der deutsche Bauernverband. Es wäre, ehrlich gesagt, auch schwer vorstellbar, dass die Bahn alleine auf so ein fleischiges Bollwerk käme. Im Editorial heißt es: „Gesundheitsförderlich ist eine vielseitige, abwechslungsreiche Ernährung bestehend aus Fisch, Fleisch und Wurst, Milch und Milchprodukten sowie reichlich Obst und Gemüse.“ Ja, es gibt die herkömmliche Ernährungstabelle, die – wie wir alle wissen – den gemäßigten Konsum von Fisch und Fleisch vorsieht. Aber die Reihenfolge der Auflistung und inbesondere die Einbeziehung der guten alten Wurscht ist schon kurios. Zu allem Überfluss werden Getreideprodukte vollkommen ignoriert. Weiter heißt es „Mit rund 61kg verzehrt der Bundesbürger im Schnitt deutlich weniger Fleisch als beispielsweise Südeuropäer. Gerade die dortige mediterane Küche gilt als besonders bekömmlich und gesundheitsfördernd, wird gelobt und geschätzt.“ Auch das noch? Der Deutsche Michel isst also einfach zu wenig Fleisch!? Der Arme! Da blieb dem Bauernverband also eigentlich gar nichts anderes übrig, als uns eines Besseren zu belehren und uns ein wenig zu unserem Glück zu verhelfen. Nun gut, Verband ist Verband… ! Er vertritt seine Interessen.

Zu bedenken ist jedoch die Tatsache, dass sich Deutschland in den letzten Jahren erfolgreich zum Hochleistungserzeuger von Billigfleisch (starke Hormon- und Antibiotikabehandlung der Tiere und ergo uns Konsumenten inklusive) entwickelt, bei dem kleine Betriebe immer mehr unter die Räder kommen. Was würde also passieren, wenn der Deutsche anstelle der ca. 1100 Tiere im Leben noch mehr essen würde? Ach, bevor ich nun damit beginne all die Schwierigkeiten aufzuzählen, die sich aus einem täglichen Fleischkonsum und der damit zusammenhängenden Industrie ergeben, beende ich meinen Brief lieber. Die meisten Fakten sind ja auch bekannt. Gerne stellen wir auch nochmal mehr Infos zu dem Thema zusammen.

Mir kommt es so vor, als hätte sich niemand von denjenigen, die sich bei der Bahn mit dem Thema Nachhaltigkeit oder auch Kommunikation beschäftigen, mit dem Meat Magazin auseinander gesetzt. Wahrscheinlich steht es dem Verband, der für diese Publikation zahlt, frei die Inhalte zu bestimmen. In diesem Brief geht es Santa und mir im Rahmen unserer Arbeit für Finding Sustainia allerdings vor allem um eure Antwort auf die Frage: Wie sehr möchte die Deutsche Bahn sich mit dem Bauernverband in einen Fleisch-Topf werfen lassen?

Ich freue mich auf eure Rückmeldung und wünsche euch weiterhin viel Erfolg dabei, Umweltvorreiter zu werden!
Anna

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14