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Die Geschichte vom fairen Handel – Claudia will’s wissen

Ich will’s mal wieder wissen. Wie war das eigentlich mit dem fairen Handel – damals? Und wie ist es heute?

Einst gab es Jäger und Sammler. Dann Landwirte, Händler, Bänker, …. und irgendwann kam der Zöllner noch ins Spiel.
Durch politische Maßnahmen zur Liberalisierung wurde der einfache grenzüberschreitende Handel zum unübersichtlichen Welthandel.
Was anfangs noch fair von Angesicht zu Angesicht ausgehandelt wurde, wurde mit zunehmender Entfernung, Zunahme an Zwischenhändlern und Entwicklungsunterschieden in den Ländern mehr und mehr unfair.

Zu Zeiten der Weltendecker ging es um Macht und Gold, begleitet vom Gedanken der Missionierung der sogenannten Ureinwohner. Im 16.Jh tauschten zum Beispiel portugiesische Kaufleute europäische Waren gegen nigerianische Glasperlen. Diese Glasperlen wurden mit europäischen Stoffen und Messing wiederum einige hundert Kilometer weiter westlich in Elmina, im heutigen Ghana, gegen Gold, Elfenbein und Gewürze getauscht. Was wertmäßig heute als ungleich oder Betrug angesehen wird, war damals eine Entscheidung des örtlichen Angebots und der Nachfrage. War dies damals schon ein unfairer Handel oder bezeichnet man dies noch als fair? Oder ist die Kombination mit einer Machtposition erst unfairer Handel? Das Handeln mit Gold und Glasperlen war quasi „fairer“ als der folgende Sklavenhandel. Alles nicht so einfach. Vielleicht helfen Definitionen.

 

Titelbild Fairtrade Teil1

 

Definition fairer Handel

Eine Definition von fairem Handel gibt es nicht wirklich.

Man findet Erklärungen zu Organisationen, die nach bestimmten Werten unterstützend eingreifen. In der Regel schaffen sie einen Ausgleich für durch den Handel benachteiligte Arbeiterinnen und Arbeiter in der Produktion von Entwicklungsländern. Sie garantieren einen Mindestlohn und Prämien. Mit diesen Zusatzzahlungen versuchen sie bestehende Misstände zu verbessern. Laut Wikipedia ist ein kontrollierter Handel durch das organisierte Eingreifen der Fairtrade- Organisationen entstanden. Doch das ist eigentlich nicht gemeint, oder? Will man mit fairem Handel nicht den optimalen, sozial korrekten Handel ausdrücken? Wir recherchieren also noch ein bißchen weiter.

Von Handel spricht man, wenn die wirtschaftliche Tätigkeit eines Austauschs von Gütern stattfindet.

• In frühen einfachen Gesellschaften handelte es sich um einen Güteraustausch in dem Ware gegen Ware getauscht wurde. Man nennt dies Tauschhandel. Beispiel: Gold gegen Glasperlen.
• In entwickelten modernen Gesellschaften wie heute, wird Ware gegen Geld getauscht. Es handelt sich um Ankauf und Verkauf von Ware gegen einen „Geldbetrag“. Man spricht dann von Handelsgeschäften.

Ein fairer Handel wäre demnach heutzutage ein Kauf mit einem fairen Geldbetrag. Das heißt, wenn der Betrag ausreichend wäre. Ausreichend für was? Zur Ernährung, Kleidung und zum Wohnen? In den Industrieländern würde man um die Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeiten, Pausen, Sicherheit am Arbeitsplatz, soziale Absicherung, Bildung, gesundheitliche Aspekte für Mensch, Tier und Umwelt ergänzen.

Ein Handelsgeschäft, das in irgendeiner Art ausbeutet, ist also unfairer Handel.
Dazu zählt der Sklavenhandel, Elfenbeinhandel und der Raubbau an der Natur, wie die Regenwaldabholzung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Sensibilisierung für unfairen Handel in der Gesellschaft

In den Industrieländern erfuhr man auf Grund der Entfernung lange nichts über die Bedingungen in den sogenannten Produktionsländern. Einblicke hatten nur die reisenden Händler, die sich dadurch einen Vorteil verschafften. Wie wurde die Gesellschaft auf diese Missstände aufmerksam?
In den Niederlanden erschien 1860 ein Roman, der den unfairen Handel in Java, Indonesien zum Inhalt hatte. Der Roman, der später auch verfilmt wurde, heißt “Max Havelaar“. Hier ein Link zum Volltext online.

Unbenannt

Aber es vergingen noch fast 90 Jahre bis das Bewusstsein über diese Zustände zu Veränderungswünschen und Aktivismus führte.

Erste Aktivitäten zum fairen Handel

Die ersten Aktivitäten erfolgten 1946 in den USA. Der Auslöser war eine Reise der Amerikanerin Ruth Byler nach Puerto Rico. Sie erkannte, dass der unfaire Handel mit den Handarbeitsprodukten die Ursache für die armen Lebensbedingungen der Handarbeiterinnen war. Diese Erkenntnis motivierte sie, einen Markt für diese Produkte zu schaffen, der für eine faire Bezahlung der Arbeiterinnen sorgen sollte. Sie verkaufte erst aus dem Kofferraum ihres Autos heraus Waren aus Südamerika. Zunächst an ihre Familie und Freundinnen.

Erste unterstützende Organisationen und Läden

Im kirchlichen Umfeld von Ruth Bayer entstehen daraufhin die ersten Fair-Trade Organisation wie Self Help Crafts, die heute Ten Thousand Villages heißt und auch das Projekt SERRV International. Zu Beginn waren die Einnahmen beschränkt auf den Verkauf bei Wohltätigkeitsprojekten. Es handelte sich nur um handwerkliche Produkte wie zum Beispiel Produkte aus Jute und Strickarbeiten. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, eröffnete man den ersten Fair Trade Shop in den USA 1958.

Ende der 50er Jahre griffen die ersten Organisationen in Europa den fairen Handels mit Entwicklungsländern auf. Als Pioniere gelten die britische Organisation Oxfam, die niederländischen „Dritte Welt-Gruppen“ und die niederländische Firma Stichting S.O.S. Wereldhandel. Diese Firma wiederum gilt als die Keimzelle der drei größten Fairhandelsorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz: GEPA, EZA und OS3.
Die meisten Fairhandelsorganisationen entstammen kirchlichen Gruppen.
Wie zum Beispiel der Ökumenischen Arbeitskreis Entwicklungshilfe (später unter dem Namen EL PUENTE ), der von Jugendlichen aus dem Landkreis Hildesheim gegründet wurde. Sie sammelten Hilfsgüter und verkauften Waren mit einem Direktimport aus Lateinamerika. Es gab aber auch Einzelpersonen, die sich aus politischer Motivation zusammenschlossen.

Der erste Laden für fair gehandelte Produkte aus Entwicklungsländern eröffnete 1969 in Holland unter dem Namen Weltladen.
1970 folgte Deutschland und danach entstanden die Weltläden überall in Europa.
Gehandelt wurde anfangs auch hier mit kunstgewerblichen Waren. Es folgte der Verkauf von Kolonialwaren wie Kaffee. Politische Botschaften wurden zusätzlich vermittelt.
Zeitgleich waren in der Schweiz die Bananenfrauen (später unter dem Namen GEBANA bzw. TERRAFAIR), die durch die Pfarrfrau Ursula Brunner organisiert wurden, aktiv. Sie verkauften zu Beginn über einen Aufpreis reguläre Bananen, um darüber soziale Projekte in den Herkunftsländern zu unterstützen.

1975 gründete die Arbeitsgemeinschaft Aktion Dritte Welt Handel die größte deutsche Fairhandelsorganisation GEPA.

Forderungen und Kampagnen

1964 stellten die Entwicklungsländer zum ersten Mal die Forderung an die Welthandelskonferenz (UNCTAD): Handel statt Hilfe.

1970 demonstrierten kirchliche Jugendverbände mit Hungermärschen gegen die damalige deutsche Entwicklungspolitik. Aus diesem Protest entwickelt sich die Arbeitsgemeinschaft Aktion Dritte Welt Handel (A3WH) und deren Kampagnen wie Indio-Kaffee und Jute statt Plastik.

1986 folgte der Appell „Fairer Handel statt Almosen“ und Ende der 90er Jahre startete eine Kampagne Saubere Kleidung für einen Sozialfond thailändischer Näherinnen.

Erste Absatzprobleme

In den 80er Jahren stagnierten die Verkaufszahlen in den Weltläden. Die Unterstützer des Fairen Handels mussten handeln und Lösungen für die andauernde Krise in dieser Branche finden. Impuls gebend waren hier die Gesellschafter der GEPA, die durch Qualitätssicherung und organisatorische Veränderungen die Produkte in den Mittelpunkt des fairen Handels rückten. Ein erweitertes Angebot der Monoprodukte wie Kaffee, Tee, getrocknetes Obst, Kakao, Zucker, Fruchtsäfte, Reis, Gewürze und Nüsse sollte die Läden attraktiver gestalten. Doch es blieben Läden, die nur eine bestimmte Zielgruppe ansprachen und dadurch auch den Absatz auf absehbare Zeit einschränkten.

Einführung von Gütesiegeln für Fairen Handel

1988 führte die niederländischen Organisation Solidaridad das erste Gütesiegel für Fairtrade ein.

 

fairtrade

 

Der 1992 gegründete gemeinnützige Verein TransFair in Deutschland handelt selbst nicht mit Waren, sondern vergibt das Siegel für fair gehandelte Waren, die den Standards entsprechen.
Das Siegel steht für fair angebaute und gehandelte Produkte: Damit ein Produkt das Siegel tragen darf, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen enthalten sind, zu 100 Prozent Fairtrade zertifiziert sein.
Dies gilt sowohl für Monoprodukte wie Kaffee, Reis oder Zucker, als auch für die später eingeführten Mischprodukte wie Schokolade, Gebäck oder Eiscreme.
Das alte TransFair Siegel sah damals in Deutschland, Italien und Österreich noch so aus:

transfair

Als erster Händler erhält die GEPA das Siegel.
Durch die Länderunterschiede in der Vergabe existierten damals schon mehrere Gütesiegel.

Absatzsteigerung

Mitte der 90er Jahre steigerte sich durch den Einzug in reguläre Supermärkte der Absatz für die mit TransFair-Siegel versehenen Produkte. Maßgeblich daran beteiligt war im Jahr 1993 REWE – mit einem Angebot an fair gehandeltem Kaffee als erste Handelskette bundesweit. Andere Händler folgen, so dass TransFair-Kaffee innerhalb kurzer Zeit in über 20.000 Supermärkten erhältlich war.

Voraussetzungen und Einführung eines internationalen Fairtrade Siegels

Bis es zu einem einheitlichen internationalen Gütesiegel kam, waren noch einige Hürden zu nehmen. Dazu zählte der im Jahr 1997 vereinbarte Zusammenschluss zu einer gemeinsamen Dachorganisation, die sich aus verschiedenen internationalen Siegelorganisationen zusammensetzt . Diese nennt sich Fairtrade Labelling Organizations International (FLO). Der nächste Schritt war die Festlegung einheitlicher Ziele und deren Aufgaben für Fairen Handel. Sie definierten diese 2001 im Arbeitskreis FINE, der aus den internationalen Dach- und Fachorganisationen des Fairen Handels FLO, IFAT, NEWS! und EFTA bestand. 2002 entstand dann das neue internationale Fairtrade Siegel. Mit dieser Einführung erhoffte man sich Erleichterungen im internationalen Warenverkehr und in der Öffentlichkeitsarbeit.

Das neue international gültige Gütesiegel

Das neue Siegel hängt von den Zutaten eines Produktes ab.
Ist das komplette Produkt Fairtrade, also alle Inhaltsstoffe, dann würde das Siegel so aussehen:


Ist allerdings nur ein Bestandteil, wie hier in diesem Beispiel, der Zucker fair gehandelt, kann der Hersteller dies explizit durch dieses Siegel deutlich machen:

sugar

 

Es gibt weitere Siegel für Baumwolle, Kosmetik und Kakao.

Nicht verwechseln sollte man die Siegel mit den Logos für Verbände etc.
Sie haben einen Kreis auf weißem Untergrund wie z.B. dieses:

deutschland

Es gibt noch andere Gütesiegel, die aber nicht mit diesem internationalen Gütesiegel von Fairtrade in Zusammenhang stehen. In einem weiteren Beitrag gehe ich auf die Vielzahl dieser Siegel und Zeichen nochmals ein.
Kontrolle der Standards für Gütesiegel

Eine Information, ab wann die Kontrollen der Gütesiegel-Zertifizierung begannen, habe ich nicht gefunden.
Es gibt drei Kontrollstellen, die die Standards im Fairen Handel überprüfen. Sie haben unterschiedliche Zielgruppen und unterschiedliche Kontrollsysteme, sowie leicht abweichende Standards.

Das Zertifizierungssystem von FLO e.V.
Dies ist der Zertifitierer, der die Einhaltung der Fairtrade Standards für das internationale Fairtrade Siegel, kontrolliert. Die Zertifizierungsorganisation ist die FLO-Cert GmbH, die wiederum eine 100% unabhängige Tochterfirma von FLO e.V. ist. Sie muss nachweisen können, dass alle Entscheidungen nachvollziehbar sind und dass die Kriterien, die sie verwendet, die Fairtrade-Standards widerspiegeln.
Zertifiziert werden alle Beteiligten entlang des Produktions- und Herstellungsprozesses eines Produktes. Die Produzenten werden von lokalen Inspekteuren regelmäßig kontrolliert, ebenso die Unternehmen, die fair gehandelte Produkte vertreiben. Diese Firmen müssen zusätzlich ihre Verkaufszahlen melden. Dazu gibt es externe Wirtschaftsprüfungen, stichprobenartige Kontrollen und Überprüfungen von Berichten. Der gesamte Warenfluss wird von der Produktion bis zur Vergabe des Siegels überwacht. Der Einzelhandel selbst wird NICHT kontrolliert.

Monitoringsystem der WFTO
Das Monitoring ist eine Selbstüberprüfung für Fair-Handels-Organisation, dabei überprüft eine Fair-Handels-Organisation alle zwei Jahre in einem internen Prozess, in welchem Maße die WFTO- Standards erfüllt sind. Es werden Zielvorgaben erarbeitet, die bis zur nächsten Überprüfung erreicht werden sollen. Der Prozess wird dokumentiert. Die WFTO wertet diese aus, gibt eine Rückmeldung mit ersten Erklärungen und Verbesserungsvorschlägen zurück. Es folgt eine abschließende Kontrolle des Berichts und externe Sachverständige entscheiden, ob die Fair-Handels-Organisation die notwendigen Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der WFTO erfüllt.

Monitoringsystem für Weltläden
Sie haben ihre eigenen Kriterien für den Fairen Handel erstellt („Konvention der Weltläden“), wobei die Standards in dieser Konvention in großen Teilen mit den Prinzipien der WFTO übereinstimmen.
Der Weltladen-Dachverband überprüft mit einem standardisiertes Anerkennungsverfahren für Weltladen-Lieferanten, sowie mit einem Monitoring-Verfahren für die Mitglieds-Weltläden, die Einhaltung der eigenen Konventionen. Das Monitoring basiert auf einem umfangreichen Selbstauskunftssystem und dient der Qualitätssicherung der Arbeit in den Weltläden. Dieses Monitoring wird künftig in das WFTO Guarantee System eingebettet, sodass teilnehmende Weltläden, die die WFTO-Kriterien erfüllen, in Zukunft das WFTO-Logo für ihre Außenkommunikation nutzen dürfen.

Monitoringsytem für nicht WFTO Mitglieder / nicht Flo-zertifizierte Handelspartner
Es wird ein Monitoring bei den beteiligten Importorganisationen und ihrer Handelspartner durch EFTA (European Fair Trade Association) durchgeführt. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Partnern möglich, die noch zu klein sind, um die FLO e.V.-Standards zu erfüllen oder für deren Produkte es noch keine FLO e.V.-Standards gibt.

 

Kritik an den Gütesiegeln

Ist das System nur für den Absatzmarkt in Europa nutzbringend, weil dadurch eine Abgrenzung zur Konkurrenz durch den Sozialfaktor möglich ist? Dies würde zumindest erklären warum es eine solche Vielzahl von Siegeln gibt.
Abhängig vom Hauptinteresse, wie Absatz oder soziale und umweltpolitische Verbesserung, stehen oder fallen die Gütesiegel in ihrem wirklichen Nutzen. Ein Siegel kann nur so gut sein wie die ehrliche Überprüfung und Einhaltung Ihrer Standards.

Im Video „Fairtrade – Siegel“ wird angesprochen, dass das Fairtrade Siegel kaum noch Aussagekraft hat, weil der Anteil des fair gehandelten Produkts nur noch 20% am Mischprodukten enthalten braucht. Die restlichen Anteile können also aus billiger und unfairer Quelle stammen. Aber auch aus Ländern die nicht unter Fairtrade-Entwicklungsländer fallen wie zum Beispiel Industrieländer.

Im Video „Schuften für Schokolade“ an der Elfenbeinküste wird behauptet, dass durch die drei Gütesiegel Fairtrade, UTZ und Rainforest Allianz Certified nicht einmal 1% der Schokoladenerzeugnisse in Deutschland abgedeckt sind. Unwahrscheinlich ist, dass andere Zeichen, die auch einen fairen Handel zu Grunde legen, diese 99% abdecken.

Wie fair ist der Handel wirklich? Diese Frage stellte sich der ORF Weltjournal Beitrag von 2012. Dies scheint der identische, viel diskutierte Beitrag von ARTE zu sein, der mit dem Titel „Fairer Handel auf dem Prüfstand“ mehrfach ausgestrahlt wurde. Und auf den GEPA und Fairtrade reagierten. Folgende Beispiele wie Kaffee aus Nicaragua, Rosen aus Tansania und Ananas aus Cosa Rica werden herangezogen. Es gibt viele Siegel, unter anderem das eigene faire Firmen-Siegel von Starbucks. Warum dies nicht auf JEDEM Kaffeesack steht, wird nachgegangen. Es liegt an den hohen Zertifizierungsgebühren, die die Kooperationen alle 3 Jahre bezahlen müssen und dem nur 1 Jahr mit Prämie entgegensteht. Bei den Ananasbauern kontrolliert FLO-Cert alle 2 Wochen für das Fairtrade Siegel. Die Kontrolle erfolgt hier nur zusammen mit einem Manager. Dadurch ist kein Mitarbeiter bereit auszusagen. Auch wird eine Prämienverwendung besprochen, jedoch ist sie noch nicht realisiert. Ein anderes Beispiel, wie die Schokolade aus Ecuador, zeigt, dass bei einer Ernte mit eigener anschließender Verarbeitung weniger Abhängigkeit von Handelsunternehmen besteht und somit freier gehandelt werden kann. Allerdings fallen für das verarbeitete Produkt höhere Zölle an. Aber hat es deswegen wirklich so viel höhere Einkaufspreise am Markt für die weiterverarbeitenden Unternehmen?
Auf diese Ausstrahlung reagierte mit einer Stellungnahme Fairtrade und einer Hintergrundinformation GEPA.

Mit dem Fairtrade Siegel wird außerdem sichergestellt, dass keine Kinderarbeit mit dem Produkt verbunden ist. Trotz dieses Standards, trotz genereller Verbote von Kinderarbeit und trotz einer unterzeichneten Verpflichtung gegen Kinderarbeit in der Schokoladenindustrie, gibt es sie nämlich weiterhin. Laut dem Video „Schmutzige Schokolade – Mittwoch, 06.10.2010 (Das Erste)“ betrifft das ein sehr großes Einzugsgebiet an der Elfenbeinküste im Jahr 2010. Kann sein, dass der Reporter nur die falschen Plantagen erwischt hat, aber ein Abstreiten, dass es Kinderarbeit weiterhin gibt wäre falsch. Der 1. Teil hat immerhin etwas bewirkt. Was, zeigt der 2. Teil, der 3 Jahre später entstand und auf Phoenix ausgestrahlt wurde „Schmutzige Schokolade II (Doku)“.

Fairer Handel auch ohne Siegel?

Ein Produkt ohne Siegel wird nicht zwangsläufig weniger fair gehandelt. Enthält zum Beispiel ein Produkt nur Inhaltsstoffe aus Industrieländern, fehlt eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine 100% Fairtrade- Zertifizierung, auch wenn es in Industrieländern fair gehandelt wurde.

Auch fordert zum Beispiel diese Kaffeemarke auf ihrer Internetseite mit ihrem abweichendem Zeichen TransFair auf, sich auf seine ethischen und moralischen Grundsätze zu besinnen. Es könnten also weiterhin Missstände trotz Fairtrade-Siegel bestehen.

Es gibt wichtige Fairhandels-Akteure, die konsequent auf das Fairtrade-Siegel verzichten, aber dennoch fair handeln. Dazu zählen die Fairhandelshäuser El Puente, GEPA, DWP (Dritte Welt Partner) und BanaFair. Sie stehen für den Fairen Handel, den es bereits vor den Siegel-Intitiativen gab. Sie sind die Pioniere dieser Entwicklung.

Durch den Ausstieg 2011 von Fairtrade USA bei Fairtrade Labelling Organizations International ( FLO) und dem Verzicht des internationalen Gütesiegels von Fairtrade bei GEPA ist eine Diskussion entfacht. Was die Hintergründe des USA-Ausstiegs waren und was die Problematik der Zertifizierung bei Kleinbauern bedeutet, kann man diesem Beitrag hier entnehmen.

 

Zusammenfassender Eindruck

Fairtrade ist nicht gleich fair trade. Ein Siegel muss nicht immer Garant für fairen Handel in Entwicklungsländern sein. Es kann jedoch eine Grundlage für diesen sein.

Auch in Industrieländern gab und gibt es fairen und unfairen Handel. Nachfolgend einige Beispiele aus der Geschichte in Industrieländern:

• Hungermärsche: Zu Notzeiten im Mittelalter marschierten die Menschen zum Sitz des Landesherren, um aus dessen Vorräten Nahrungsmittel zu erbitten.
• Kinderarbeit: Mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jh. in Europa und USA nahm sie zu. Z. B. für Fabrikarbeiten und im Bergbau.
• Unfaire Lohn- und Arbeitsbedingungen: z.B. Arbeitszeiten und Entgelte, fehlende Arbeitnehmerrechte, wie z.B. bei Amazon, Geschlechterunterscheidung oder auch Aussehen wie bei Abercrombie.

Diese, dem unfairen Handel zugrundeliegenden Missstände konnten nur durch einige grundlegende Veränderungen verringert werden. Dazu zählen:

• Gründung einer Gewerbeaufsicht und Kinderschutzgesetz ab 1904
• Arbeiterbewegung und Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) 1863
• Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) 1869
• Vereinigung der ADAV und SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) 1875 . Aus der 1890 die SPD hervorging.
• Einführung von Gewerkschaften für Rechte und Interessenvertretungen der Arbeitnehmer
• Demonstrationsfreiheit und Streiks als Mittel für Gewerkschaften

Streiks wie wir sie gerade im Bahnstreik spürten, machen deutlich, wie die Interessen der Unternehmen auch in Industrieländern noch heute im Fordergrund stehen.
Der viel diskutierte Mindestlohn und die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz sind nur einige Beispiele. Wenn Unternehmen mit dem Druck von internationalem Wettbewerb argumentieren, dann hat das nicht nur mit dem globalen Markt an sich zu tun, sondern auch mit geschlossenen Handelsabkommen. Durch die immer stärker wachsenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen, gewinnen die kurz- oder langfristig geschlossenen Abkommen über die Handelserleichterungen immer mehr an Bedeutung. Grenzen sie doch den einen oder anderen aus und ermöglichen einer eingeschränkten Zielgruppe dadurch Privilegien wie zum Beispiel die Zollfreiheit. In Handelsabkommen wird aber noch einiges mehr geregelt.

Momentan werden Freihandelabkommen mit den USA (TTIP) und Canada (CETA) in Brüssel verhandelt. Was werden uns diese bringen und was bedeutet es für die, die wiederum ausgeschlossen werden? Wie man dem Beitrag von ARD „TTIP- Der große Deal – Geheimakte Freihandelsabkommen“ entnehmen kann, geht es auch indirekt um unsere Arbeitsbedingungen, die im TISA Vertrag geregelt werden. Zu diesen geplanten Abschlüssen existieren Petitionen. Die einheitliche EU Petition gegen TTIP und CETA sind bereits von Brüssel abgelehnt worden und erschweren dadurch die Verhinderung.
Betroffen ist auch TISA (Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen). Den Petitionslink mit Informationsvideo gibt es hier.

Der unfaire Handel fängt also nicht erst außerhalb unserer Landesgrenzen an. Handelsbedingungen werden oftmals schleichend und abseits der Öffentlichkeit verändert und es bedarf immer wieder neuer Anstrengungen um zu erhalten, was bereits Gültigkeit hatte. Bei allen offenen Fragen, sind wir jedoch selbst verantwortlich. Und ja, wir können durch unser Handeln zu fairen Handelsgeschäften beitragen. Die Entscheidung über Konsum oder Nichtkonsum der zertifizierten Produkte ist nur ein Teil davon, wie die oben genannten Beispiele zeigen.

In diesem Sinne… bleibt wachsam und aktiv!

Grüße

Claudia

Interessante Quellen:
http://www.fairtrade.de
http://fairhandeln-bayern.de/seiten/mfgesch.html
http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/wirtschaft_und_finanzen/fair_trade/

 

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  20. Gerade in diesem Kontext stößt das Wort “Kolonialwaren” sauer auf…

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    • Oh ja, das finden wir auch. Aber die Geschichte ist leider nicht “zurückzudrehen”. Wichtig ist, dass wir einer besseren Zukunft entgegengehen… und auch da können wir uns nicht immer so sicher sein :-(
      Dennoch: wir geben unser Bestes!

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  23. Ich finde deinen Artikel ist gut recherchiert. Ich beschäftige mich auch seit längerem immer mal wieder mit dem Thema. Mir fällt immer häufiger auf, wieviel an unfairen Produktionsbedingungen sich auch hier zunehmend wieder ausbreiten. Ein Beispiel sind die Lebensmittelerzeugnisse. Von einer, die eine Umschulung machte, habe ich mal gehört, dass der Betrieb, in dem sie Praktikum machte, durch so Knebelverträge mit Diskountern fast den Bach runter gegangen ist. Und leider haben die Discounterpreise dann auch noch Einfluss auf die Preise in anderen Geschäften. Seit Einführung des EU-Biosiegels findet man bei uns in einigen Bioläden zunehmend schlechtere QUalität in den Regalen, die mit den Discount-Bioprodukten konkurrieren. Ich mache mir mittlerweile Sorgen, dass es im Fairhandelsbereich auch dazukommt, dass Wirtschaftsinteressen das ursprüngliche Konzept unterwandern:-(. Deshalb kaufe ich so viel wie möglich direkt beim Erzeuger oder bei meinem kleinen Biolädchen, wo ich weiß,dass die Händlerin selbst auf Regionalität, Qualität und desgleichen achtet. Die können mir dann auch erklären, wie die Preise zustande kommen und wieso beispielsweise diese Biopaprika aus der Region soviel teuerer sind, als die Importierten, die es anderswo gibt…
    Lieben Gruß, Bina

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    • Ja, leider ist der Preis oft das worüber sich die Hersteller messen lassen. Ich denke auch, dass der Hersteller sich schon auch im Klaren sein sollte was er vertreibt und wofür er steht und dass gewisse Produktqualitäten ihren Preis haben. Wie wir hier ja mit den verschiedenen Challenges auch festgestellt haben, alles geht nicht. Genauso geht es den Herstellern auch. Leider scheint ihnen der Preis am Markt das Wichtigste zu werden, oder werden durch die Absatzmärkte in Discountern dazu gezwungen. Ein Abgrenzen zu der Konkurrenz ist selten der Fall, optisch in der Verpackung ja, aber noch nicht einmal in der Vermeidung von Plastik. Vergibt sich der Hersteller durch solche Abgrenzungen wirklich so viel oder entsteht nicht gerade dadurch ein wunderbares Unterscheidungskriterium? Sind wir Konsumenten wirklich nur noch auf den Preis fixiert oder ist so ein Konsument einfach schon die Ausnahme? Liegt das wirklich nur am Einkommen? Ach ich hätte da schon wieder so viele Fragen :-D

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  25. Pingback: Chat zum Sonntag, No.48 – Meyer&Meyer | FindingSustainia. Ideenfabrik.

  26. Links funktionieren im Text nun wieder. Tut mir leid für die Unannehmlichkeiten bis zur Änderung.

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