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Love it, change it or leave it. Wahlfreiheit und Weihnachten? Passt das zusammen? Interview mit Mentaltrainer Jürgen Lohr.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und Liebe hat viele Facetten.
Ganz abgesehen von dem, was tatsächlich religiös hinter den Feiertagen steckt, haben Santa und ich diesen Monat dazu ausgerufen, Weihnachten ein wenig grüner zu feiern als sonst.
Ein wenig grüner, klingt erst einmal nach einer leichten Übung.

Doch sobald wir umweltschädliche Dekorationen, Fleischberge und Geschenkschlachten tatsächlich kritisieren, kann es schon ganz schön kriseln im trauten Kreise der Familie. Was also tun? Augen zu und durch? Den Liebsten das Fest vermiesen? Irgendetwas dazwischen…
Wir sind froh und dankbar, diesen Monat Jürgen Lohr kennengelernt zu haben. Er ist Mentaltrainer und arbeitet in der Regel mit Führungskräften und Spitzensportlern. In einer Kolumne der Zeitschrift „Healthy Living“ hat er bereits einiges an lehrreichen Botschaften aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Besten gegeben. Zum Thema Weihnachten bekommen Santa und ich jedoch ein Exlusivinterview – das wir gerne mit Euch teilen!

Jürgen Lohr
Anna: Lieber Jürgen, es ist mir eine außerordentliche Weihnachtsfreude, mit Dir hier in Hamburg zusammenzusitzen. Herzlichen Dank, dass Du bereit bist, Dich meinen Fragen zu stellen. Mit Umwelt- und Klimaschutz kennen wir uns recht gut aus. Wenn es jedoch um die Psyche der Menschen geht, bist Du unser Experte.

Jürgen: Gerne! Ich freue mich, meine Erfahrungen zu teilen.

Anna: Steigen wir gleich ein: Du sprichst in Deinen Seminaren oft über das Thema Wahlfreiheit. Wenn es um Weihnachten geht, müssen wir aber ein paar Abstriche machen, oder?

„Der Knackpunkt sind die Konsequenzen.“

Jürgen: (lacht) Wahrscheinlich kannst Du Dir denken, dass bei mir alleine der Begriff „muss“ dafür sorgt, dass die Alarmglocken schrillen. Ich bin der Auffassung, dass es einer guten Haltung entspricht, zu sagen „Ich muss nicht. Ich habe die Wahl.“ Der Knackpunkt sind immer die Konsequenzen. Niemand kann Dich zwingen, Weihnachten auf eine bestimmte Weise zu feiern.

Anna: Naja, zwingen nicht gerade. Aber in Deutschland ganz generell und in jeder Familie selbst gibt es doch unglaublich viele Konventionen. So vieles, das einfach so ist, wie es ist, weil es immer so war. Ohne groß an die Implikationen für Umwelt und Klima zu denken.

Jürgen: Klar, wenn Dir solche Themen wichtig sind oder wenn Du Weihnachten gerne nackig verbringen möchtest, kann es passieren, dass die anderen sagen: „Nee, das wollen wir nicht.“ Du musst Dich also fragen, ob Du bereit bist, die Konsequenzen einer Änderung zu tragen. Erst einmal für Dich selbst. Dann aber eben auch im Zusammenspiel mit Deinen Liebsten.

Anna: Was schlägst Du denn vor, um sie von meinen neuen Ideen zu begeistern? Oder erst einmal um sie für meine Bedenken zu sensibilisieren?

Jürgen: Erst einmal ist es ein guter Rat, mutig zu sein. Das Thema anzusprechen, ist ja schon der erste Schritt. Dann kommt es auf die Reaktion an. Sagen sie, dass Du in diesem Fall lieber alleine feiern sollst. Oder sind sie vielleicht ganz offen und all Deine Bedenken lösen sich schnell in Wohlgefallen auf. In der Regel stellt man sich eine unangenehme Reaktion vor, die viel seltener eintritt, als man annimmt. Es lohnt sich auf jeden Fall, es einfach auszuprobieren.

Anna: Gut, nehmen wir trotzdem mal an, meine flammende Rede stößt auf wenig Gegenliebe.

 

„Du hast immer drei Möglichkeiten.“

Jürgen: Okay. In diesem Fall hast Du auf jeden drei Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel wählen, das Fest so zu akzeptieren wie ihr es immer schon gefeiert habt. Aber nicht, weil Du musst. Sondern, weil Du Dir bewusst darüber bist, dass Du auch feiern könntest, wie Du es für sinnvoller halten würdest. Du bist nur nicht bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen und den Familienfrieden zu riskieren. Du wählst also, es so zu lieben wie es ist. Love it. Das heißt jetzt nicht im Sinne von „Ich finde es großartig!“, sondern im Sinne von „Ich akzeptiere es.“

Anna: Man könnte sich zum Beispiel damit abfinden und vor oder nach Weihnachten in seinem eigenen Einflussbereich noch ein bißchen mehr auf die Tube drücken im Sinne von Umwelt- und Klimaschutz. Meinst Du das?

Jürgen: Ja, genau. Wichtig ist die Erkenntnis: Ich entscheide es eigenverantwortlich und bewusst. Wenn Du dann merkst, dass die Entscheidung Dir doch nicht gefällt, dass sie sich also nicht wirklich gut anfühlt, dann kannst Du wieder auf Veränderung setzen. Change it. Du kannst zum Beispiel versuchen, Deine Vorschläge ein bißchen zu verändern, abzumildern. Auf jeden Fall hast Du immer Handlungsoptionen. Du hast mindestens die Wahlfreiheit zu entscheiden, wie Du mit Ereignissen umgehst, wie Du sie empfindest.

Anna: Es gibt also immer, immer, immer eine Lösung, die zu Zufriedenheit führt?

Jürgen: Naja, wenn Du in jedem Jahr zwischen „love it“ und „change it“ rum-eierst und sich beides nicht wirklich gut anfühlt, gibt es noch eine dritte Möglichkeit: „leave it“. In diesem Fall könntest Du zum Beispiel entscheiden, Weihnachten in Urlaub zu fahren. Du findest also in der gewohnten Umgebung keine guten Möglichkeiten, entsprechend Deiner Werte zu feiern. Vielleicht braucht es dann die radikalere Entscheidung. Einen Ausflug in eine gemütliche Hütte irgendwo im Wald, zum Beispiel. Vielleicht kommt ja auch jemand mit und Du schaffst es auf diese Weise, die alten Strukturen aufzubrechen. Welche Option die Beste ist, kannst Du vorher nicht wissen. Du musst es ausprobieren. Und Du hast jedes Jahr aufs Neue Deine Chance.

 

„Rote Linien überwinden, lohnt sich.“

Anna: Das klingt sehr gut. Dennoch, all dieses Ringen stelle ich mir auch anstrengend vor. Hast Du vielleicht noch ein paar Tipps, wie wir dem ganzen Thema die Schwere nehmen können?

Jürgen: Zunächst einmal ist genau das, was Du meinst, ein Thema, das jeder Mensch kennt. Das Unwohlsein oder sogar die Furcht vor Ablehnung oder vor, wie wir sagen, roten Linien. Wenn Du eine rote Linie überschreitest, weißt Du nicht genau, was hinterher passiert: Ist mein Gegenüber nur beleidigt, oder richtig sauer? Und dann haben wir Instanzen in uns, die dazu neigen, uns immer die negativsten Szenarien anzubieten, die sie finden können. Das sind natürlich schlechte Ratgeber.

Anna: Naja, in gewisser Weise werden sie auch ihre Berechtigung haben, oder?

Jürgen: Klar, sie sorgen für Inaktivität. Nur, um nicht enttäuscht zu werden. Es macht auch Sinn, diese Instanzen anzuerkennen. Dennoch kann ich empfehlen, sich auch mal andere Filme anzuschauen. Man kann sich ja auch einen positiven Ausgang vorstellen. Indem man sich bewusst macht, dass man vielleicht nicht die oder der Einzige ist, mit Wunsch nach Veränderung.

Anna: Stimmt. Das klingt wirklich gut. Wir bekommen schließlich auch jede Menge positive Resonanz auf unsere Vorschläge… ganz alleine können wir also nicht sein, mit unseren Wünschen nach einer „grüneren Weihnacht“.

Jürgen: Ja, ganz alleine ist man selten mit seinen Wünschen. Nur sind die roten Linien der Anderen vielleicht noch viel stärker als Deine eigenen. Und vielleicht sind sie sogar dankbar für einen mutigen Anstoß. Mein Tipp wäre also, mutig zu sein, zu springen und neugierig zu sein. Ich kann wirklich empfehlen, sich überraschen zu lassen. In der Regel ist es nämlich so, dass die Katastrophe oder das Drama, das wir uns gerne intellektuell hochrechnen, ganz selten eintritt. Ganz oft findet eine Überraschung in einer angenehmen Form statt.

Anna: Wow, ein Weihnachtsinterview mit der Aussicht auf eine schöne Überraschung zu beenden, ist doch großartig! Damit würde ich es gerne belassen, Jürgen. Ich glaube, Dein Wissen um die Hebel und Instanzen unseres Inneren ist ungeheuer praktisch und wertvoll! Ich wusste, es ist eine gute Idee, nicht einfach nach Hause zu fahren, ohne Deinen Erfahrungsschatz anzuzapfen. Ich bedanke mich also ganz, ganz herzlich! Du bist mir eine große Inspirationsquelle.

Jürgen: Vielen Dank, für die Blumen. Gern geschehen. Und Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Anna: Danke, danke gleichfalls! Ich werde an Dich denken.

 


 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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