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Was wünschen wir uns wirklich und was schadet – Claudia ergründet Sehnsüchte auf Irrwegen

Anna und Santa haben diesen Monat in ihrem Auftakt zu mehr Nachhaltigkeit unter dem Weihnachtsbaum aufgerufen und Good Karma versprochen. Doch was haben sie eigentlich damit gemeint? Einerseits reizte es mich, das Thema tiefer zu ergründen. Andererseits war ich mir sicher, dass Schäden durch Konsum auf die Umwelt oder Sozialstandards zu dieser Jahreszeit wohl eher auf wenig Interesse stoßen würden. Und irgendwie hatten wir das Meiste doch schon im Laufe der vielen Challenges in diesem Jahr. Ein sachlicher “Schadensbericht” wäre sicher schneller und kürzer geschrieben worden. Aber ohne die kleinen gedanklichen Ausflüge zu einigen Nebenschauplätzen und Geschichten, wäre dieser Text dann doch nur halb so schön geworden. Wir probieren es also aus. Wie schön, dass Ihr bereits die ersten Zeilen gelesen habt.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Spass! Ein bisschen Zeit und Ruhe solltet Ihr aber trotz Weihnachtszeit mitbringen. Das Thema ist facettenreich!

nachhaltige Weihnachtsdeko

Wünsche und Termine

In der Vorweihnachtszeit wünscht sich wohl jeder, wenigstens einmal im Jahr einen Monat lang, dem Alltagsstress und der Hektik zu entkommen. Okay, auch eine Woche, oder ein paar Tage wären schon genial. Runter von der Autobahn und die langsameren Wege einschlagen. Einmal die Adventszeit so unbeschwert wie ein Kind erleben? Ja, das wäre doch was.  So ohne Einkaufsstress und ohne „Was schenke ich nur?“ im Hinterkopf. Oder „Wie bekomme ich die ganzen Weihnachtsfeiern in meinen Alltagskalender gezwängt?“ Im Kalender sind die zusätzlichen Termine dann doch recht schnell und einfach notiert. Irgendwie findet sich schon ein Plätzchen, wie immer eigentlich. Doch stehen da auch alle zusätzlichen und zeitaufwendigen Geschenke-Einkaufaktionen? Sicher nicht. Und so werden diese oft bis zum Schluss geschoben. Über die letzten Jahre hinweg hat man sich angewöhnt, diese einfach am Computer zu bestellen, weil man im Netz so schön Preise vergleichen und umfassend suchen kann. Die Zeit verfliegt. Wen wundert’s noch? Ganz nebenbei wurde das eine oder andere mitbestellt, obwohl es nie auf der Wunsch- oder der Geschenkeliste stand.

Der moderne Wunschzettel

Ist Euch eigentlich schon aufgefallen, dass bei manchen Leuten der Wunschzettel schon mit Links versehen ist?

Quelle: twitter.com/Gequeoman

Auf der Suche nach einem schönen Bild für diesen Beitrag, fand ich dann zu meiner Überraschung diesen Artikel auf stern.de mit dem Titel: ” Weihnachtsmann bekommt Amazon-Link“. Bei einem meiner Söhne sieht es fast so ähnlich aus. Denn auf die Frage „Hast Du schon einen Wunschzettel geschrieben?“ kam die Antwort „Nee, aber ich gehe gleich mal ins Internet“. Klar, dass das Ergebnis dieses Zettels mehr dem im Internet durchwanderten Pfad entsprach als dem was sein ursprünglicher Gedanke bei der Suche war. Dementsprechend vielseitig und verrückt waren die getippten Wünsche.

Die Zeiten haben sich verändert. Wer nimmt sich noch die Zeit für seine Gedanken – nur mit einem Zettel und einem Stift in der Hand? Warum werden solche Gedanken heute schnell in der U-Bahn, beim Anstehen an der Kasse oder zwischen Tür und Angel in ein technisches Gerät getippt? Der Möglichkeit der Technik verdanken wir diese Veränderung. Kein Gedanke soll verloren gehen und wenn man gefragt wird, werden besagte Stichpunkte schnell versendet. Super praktisch, gar keine Frage! Aber sollte man solchen Wunschsammlungen wirklich dieselbe Beachtung schenken wie traditionellen Wunschzetteln? Sind sie nicht vielleicht erst durch Werbung, eine geschickte Produktplatzierung oder eine Verlinkung just in dem Moment entstanden und eher unterbewusst generiert worden? Wie viele dieser aufgelisteten Wünsche sind wirklich aus unserem Wunsch oder gar einem Bedürfnis entstanden? Sollte man sich vielleicht auch einen Termin für das Wunschzettel-schreiben in den Kalender eintragen um wirklich den Wünschen Zeit zu geben selbst erforscht zu werden?

Wunschzettel anderes betrachtet:

Was würde denn an gesammelten Wünschen kommen, wenn dieser Zettel an nur einem Termin bei einer Tasse Tee entstehen würde? Im Radio habe ich vorletzte Woche gehört, dass an oberster Stelle der Weihnachtswünsche bei über 90% der befragten Leute „eine gemeinsame Unternehmung“ steht. Aha! Aber steht so was wirklich bei Euch auf dem Wunschzettel? Wenn auch nicht bei jedem, so ist dieser Wunsch irgendwie in jedem von uns vorhanden. Es lohnt sich den Prozess der Wunschgedanken wieder einmal anders anzugehen. Vielleicht stehen dann ganz andere Stichworte auf dem Zettel wie z.B.: Eine Winterwanderung oder Schlittenfahrt in verschneiter Natur, Geschichten vorlesen bei Kerzenschimmer, ein gemeinsamer Theaterbesuch, Plätzchen backen, Punsch- und Plätzchenduft genießen, Basteln von Strohsternen oder anderer kreativer Werkelvorstellungen wie Vogelhäuschen bauen … Hier eine Zusammenfassung vieler alternativer Ideen von “Zeit statt Zeug”, die dem „kein Zeug“ – Gedanken entsprechen. Aber besser wäre, Ihr hört selbst erstmal in Euch hinein.

Wenn wir nun unseren eigenen Wunschzettel entrümpelt haben, geht das sicher auch beim Lesen der Wunschzettel anderer leichter. Was steckt hinter den Wünschen, was kann alternativ geschenkt werden ohne dass “Zeug” verschenkt wird? Geht es auch ohne die Internetbestellung (evtl. ohne den “Kick des Moments”) und ohne einen gestressten Einkauf in der Einkaufsmeile? Denn vielleicht landet das einst so begehrte Wunschprodukt später sogar nach einmaliger Benutzung im Schrank und verstaubt dort.  So wie es in der Servicezeit im WDR angesprochen wurde ” Der Wahnsinn in Tüten- Konsum um jeden Preis“. Wie kurzlebig wäre also diese Wunscherfüllung, die uns in der knapp bemessenen Weihnachtszeit die Zeit und die Ruhe raubt? Und ist es uns das wert?

Zeitgutschein und DIY mit eigenem Mehrwert

Vielleicht kannst Du den einen oder anderen Wunsch in einen Zeitgutschein (weitere Ideen) umwandeln, der wiederum eine Bastelaktion für den Gutschein einleitet. Oder Du kannst den Wunsch durch Recyceln vorhandener Materialien selbst umsetzen. Basteln? Warum wohl? Ich finde, es ist etwas, das uns zur Ruhe bringt und ganz andere Seiten von uns fordert als unser üblicher Alltag. Wir nehmen uns für solche aktiven Entstehungsprozesse immer weniger Zeit. Weil wir glauben sie nicht mehr zu haben, diese Zeit. (Irgendwie erinnert mich das an Michael Endes “Momo”)

Beim Basteln oder Werken ist auch irgendwie die Achtsamkeit im Detail gefragt und es entsteht ein Werk, auf das man stolz ist. Es mag seine kleinen Fehler haben, doch es ist ein Unikat, das mit Liebe und aus einem persönlichen Gedanken entstanden ist. War nicht genau dies der Sinn der Weihnachtsgeschenke? Etwas Persönliches und etwas Unerwartetes, aber doch etwas, was die Beschenkten wirklich brauchen? Vielleicht ein Unikat in seiner / ihrer Lieblingsfarbe. Unerwartet könnte auch die Reaktion des Beschenken sein. Selbst für ihn oder sie unerwartet. Weil dem Beschenkten gar nicht unbedingt klar war, dass er warme, selbst gestrickte Socken liebt, da er oder sie bislang noch nie welche getragen hat. Ganz nebenbei entsteht für uns, dem Werkelnden, durch die anders genutzte Zeit ein Mehrwert im Alltag. Wenn man erstmal angefangen hat mit solch einem Projekt, kommt die Begeisterung und die Ideen ganz von alleine. Die Zeit verfliegt zwar auch, aber sie wird anders wahrgenommen. Und im Gegensatz dazu steht immer der hektische Einkaufszug durch die verschiedensten Läden.

Weihnachtsmarkt und Weihnachtszauber

Nun zum Thema Weihnachtsmarkt! Wie geht es Euch dabei? Meidet Ihr ihn schon, oder geht ihr bewusst dort hin? Warum kann man ihm nicht wirklich entkommen? Spätestens beim Weihnachtseinkauf fängt er uns dann doch ein. Es roch so gut nach gebrannten Mandeln, Maronis oder Glühwein. Einfach verführerisch! Nicht nur der Duft ist es, auch die Dunkelheit mit seiner romantischen Beleuchtung, den geschmückten Tannenbäumen und Girlanden zwischen all den hell erleuchteten, mit Weihnachtsmusik und Glöckchensound ausgestatteten Einkaufshäusern. Oft auch ein Innehalten während oder nach unserer Einkaufstour, die uns die Wunschlisten aufgezwungen haben. Schenken wir uns durch den Weihnachtsmarktbesuch einen persönlichen Gegenwert zum Weihnachts- und Einkaufsstress? Ist es wirklich ein besinnliches Erlebnis, wenn es zwischen den einzelnen Läden oder am Ende der Einkaufstour eingeschoben wird? Wenn die Zeit drängt oder die Füße schon schmerzen?

Wäre der Glühwein bei Kerzenschimmer nicht eine Bereicherung? Es gibt mancher Orts mittelalterliche Weihnachtsmärkte, die einen in eine andere Zeit versetzen wie der Esslinger Weihnachtsmarkt oder solche, die damit werben, dass keine künstliche Beleuchtung sondern nur Kerzen die Stände erleuchten. Angeblich wäre der Esslinger Weihnachtsmarkt auch so einer. Auf den Bildern sehe ich jedoch Lichterketten.

Statt schnell und zwischendurch hätten wir vielleicht lieber in gemütlicher Gesellschaft oder auch mal alleine einen Glühwein zu Hause genossen. So ohne Hektik gemütlich im Sessel sitzend, dazu Plätzchen, Lebkuchen und ein Adventskranz, der Kerzenduft verbreitet. Hattet ihr auch für solche Momente Zeit dieses Jahr? Oder waren es “Weihnachtsmarkt- und Shoppingtermine”, die ihr wahrnehmen musstet?

Sobald wir diese Frage mit “Nein” beantworten, schwant uns Böses. Irgendetwas läuft da schief. Gibt es tatsächlich auch Schäden durch Konsum? … Ja, wir selbst nehmen Schaden. Weihnachten, so schön der Gedanke daran auch sein mag, führt allzu oft zu einem erhöhten Stresslevel und verfehlt so unsere Wunschvorstellung. Der Zauber, der in einer schönen Weihnachtszeit liegen sollte, ist selten noch zu finden. Dazu fällt mir ein Gedicht ein, das ich im Internet vor einigen Tagen fand: Weihnachtszauber von Anita Menger. Ich finde, es drückt genau dies aus.

Vielleicht verfallen wir deshalb den romantischen Wunschvorstellungen des Weihnachtsmarktes zu leicht. Verkauft wird auch dort, nicht nur Glühwein und Gebäck, auch Waren wie glänzende Christbaumkugeln, Krippenfiguren, Räuchermännchen, Zwetschgenmanderl, Nussknacker, Handwerkskunst… Keine Frage alles wunderschöne Sachen, aber wird nicht einfach nur Romantik verkauft? Oder steht ein Räuchermännchen auf einem der Wunschzettel?

Die Tricks des Verkaufs

Sicherlich wird am Weihnachtsmarkt nicht ganz so direkt mit den üblichen Tricks des Handels (Schnäppchen: 3 für 2 oder 70% Nachlass etc.) verkauft, wie es im obigen WDR Beitrag deutlich wurde, sondern eher mit einer alten Form der “persönlichen, individuellen Ansprache”, die genau das Bedürfnis nach Weihnachtsstimmung abruft. Zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Unter dem Begriff der modernen “persönlichen, individuellen Ansprache” hat Prof. Dr. Schröder (Universität Essen, Lehrstuhl Marketing) in dieser Sendung aber eher das genaue Wissen über den Kunden, wie es im Internetgeschäft schon Usus ist, gemeint. Durch Einsatz der neusten Technik wird diese Praktik auch zukünftig im Handel von Läden anzutreffen sein. Mit solchen Tricks sind wir dann auch dort stets abrufbar für neuen Konsum – mit der Masche des Internets nur in einem neuen unerwarteten Kleid verpackt.

Die Vielfalt an Produkten, die einzig und alleine dafür kreiert werden, uns zum Kauf zu animieren, hat schon manch einen lange vor einem Regal Zeit vergeuden lassen. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel “Von allem zuviel” geht es genau darum. Ein Zitat macht deutlich, dass uns so ein Angebot stresst und Zeit kostet: “… Fast 300 Deos stehen da. Auf wie viele unterschiedliche Arten können Menschen eigentlich schwitzen? Stress? Weil zu viele Deos oder Joghurts im Regal stehen? Im Einzelnen mag das lächerlich erscheinen. Aber jeder Besuch in einem Supermarkt mit seinen bis zu 25.000 verschiedenen Produkten verlangt dem Kunden hunderte solcher Entscheidungen ab. Um bis zu einem Drittel ist das durchschnittliche Sortiment seit dem Jahr 2000 gewachsen, seit 1988 hat es sich sogar fast verdreifacht. Hinzu kommen die ständigen “Neuerungen”, die meistens bald wieder ersetzt werden. Und jedes Mal muss eine Antwort her: Kaufen oder nicht kaufen? Dieses oder jenes?… Wollte man philosophisch werden, könnte man sagen: Die Ware dient nicht mehr nur dem Konsumenten. Heute verlangt die Ware Aufmerksamkeit und Zeit. …”

Kein Wunder also, dass wir durch gezielte massive Weihnachtswerbung auf Produkte aufmerksam gemacht werden und so Wünsche zusätzlich generiert werden.

Schäden durch Konsum

Auch Schäden des Konsums wurden im WDR-Beitrag von Dr. Briesen (Universität Gießen – Institut Geschichte) angesprochen: menschliche Schäden und Umweltschäden.

Die menschlichen Schäden hab ich ja oben schon angesprochen. Der Stress beim Einkauf durch Entscheidungszwang, der Zeit kostet oder der Stress durch Ersteigerung bei Auktionen im Internet, die verbunden sind mit einem Kick. Ein kurzfristiger Kick, dem in der Regel ein kleines Tief folgt. Ist es nicht ein Teufelskreislauf? Das Zwischenmenschliche geht mehr und mehr verloren, weil dem Besitz an noch mehr Produkten so viel Beachtung geschenkt wird. Man definiert sich mehr über den Besitz eines Gegenstands als über das, was man kann, macht oder ist. Und der Glaube “man ist nicht, weil man nicht hat” wird immer mehr sichtbar in der Gesellschaft. Man kann es sich ja heute leisten. Aber nicht jeder! Oder aber nicht jeder will sich diesem Trend anschließen.

Die Umweltschäden entstehen nicht nur durch den Müll. Durch all die Challenges, die wir uns in diesem Jahr bei FindingSustainia gestellt haben, ist deutlich geworden, dass unser erhöhter Konsum nicht nur mehr Müll produziert, sondern dass auch die Herkunftsregion oder die Inhaltsstoffe einen Einfluss auf unsere Umwelt hat. Der erhöhte Transport und die Energiekosten bei der Herstellung von Konsumprodukten tragen zum Klimawandel bei. Ganz zu schweigen vom Müll an sich, den wir durch kaputte Billigprodukte, kaputte oder veraltete Dekorationen oder Geschenkeverpackungen in der Weihnachtszeit vermehrt produzieren. Ich möchte hier auch nicht weiter drauf eingehen, denn diese Problematik wurde in so vielen Beiträgen dieses Jahr behandelt.

Dekoration, ein großes Bedürfnis

Nehmen wir doch mal unseren kleinen und überschaubaren, fast altmodisch wirkenden Weihnachtsmarkt als Beispiel. Er braucht weniger Strom als die riesigen Einkaufshäuser, produziert aber auch Müll. Auch hier gibt es Dekorationen in und um die Verkaufsbuden. Oft künstliche Tannengirlanden, Glitzertücher, Plastikkugeln, künstliche und echte Weihnachtsbäume. Was geschieht mit all der Dekoration nach der Weihnachtszeit? Was passiert mit den Weihnachtsbäumen, die zwischen den Buden stehen und mit Lichterketten bestückt wurden? Sie werden wahrscheinlich größtenteils gelagert, die echten Bäume verbrannt. Oder bin ich da zu naiv? Auf solchen Weihnachtsmärkten ist sicherlich noch vieles in Ordnung. Sieht man die Dekorationen in Warenhäusern, kommt man dagegen aus dem Staunen über die Masse der neusten Kreationen und Trends nicht mehr heraus. Zu geblendet wird man davon in jedem einzelnen Geschäft, dass man nach den ersten Geschäften diese plötzlich gar nicht mehr wahrnimmt. Wird das alles in großen Lagerräumen gelagert, die wiederum eine gewisse Beheizung benötigen? Wieviel Strom wird in die Beleuchtung dieses Weihnachtsgeschäfts gesteckt? Wie viel Euro stecken wir privat zu Hause in solche Dekorationen? Baumärkte und andere Geschäfte verkaufen jedes Jahr neue Kreationen, die immer wieder einen Markt finden. Obwohl wir doch letztes Jahr schon alles hatten. Mmmhh…. In den letzten Jahren hat das Geschäft mit den Dekorationen gerade in der Weihnachtszeit zugenommen. Habt ihr Eure Gegend im Wandel der letzten Jahre in der Weihnachtszeit beobachtet und wahrgenommen? Ist das nicht wie ein Wettrüsten? Ein unausgesprochener Wettbewerb um das schönste Fenster, die schönste Tür oder den aufregendsten Garten?

Vor 20 Jahren und mehr, da leuchteten noch Lichterketten mit größeren Birnen vereinzelt in einigen Gärten. Nur an Tannenbäumen und auch niemals in allen Farben. Es war das einheitliche weiß, mit der einheitlichen Kette. Der eine hat seine große Tanne von unten bis oben mit dieser Lichterkette bestückt, ein andere nur eine kleine Tanne. Als Kind fand ich es wunderschön, wenn in der Dunkelheit ab 17.00 Uhr die Gärten so vereinzelt weihnachtlich leuchteten. Jeder Nachhauseweg wurde dadurch verschönt, aber es stand ja auch nicht in jedem Garten so ein beleuchteter Baum.  Zum Glück ist dies auch in Deutschland noch nicht überall angekommen, sonst würden wir nach dem 7. oder 8. Garten wie bei den Weihnachtsdekorationen in den Warenhäusern diese gar nicht mehr wahrnehmen. Wer weiß wie lange es noch dauern wird, bis wir den Zustand von Amerika erreicht haben. Dort scheint es mir wirklich so, als wäre es ein Wettrüsten, Privathäuser wie Shoppingmalls zu beleuchten und mit den Gefühlen eines bekannten weihnachtlichen Songs, “Winter wonderland“, auszustatten. Auffallen um jeden Preis, sich abgrenzen vom Nachbarn und noch mehr Geld in die ausgefallensten Dekorationen stecken. Das Gefühl des Wunderschönen zu erhalten, auch wenn es bitterkalt draußen ist. Dazu fallen mir gerade zwei Beispiele ein, die dieses überspitzt darstellen. Zum einen ist dies ein amerikanischer Film “Blendende Weihnachten” ( Originaltitel: “Deck the Halls” ) mit Danny DeVito und zum anderen eine überspitzte, moderne und ironische Weihnachtsgeschichte als vorgelesene Version zu Kaminfeuer auf Youtube oder als Text: “Advent, Advent, ein Kraftwerk brennt.”

Der Filmausschnitt zu blendende Weihnachten lässt nur erahnen, was diese Verschwendung an Energie für die Beleutung des Hauses auf die Natur hat. Die überspitzte Weihnachtsgeschichte hat sogar eine Zeile, die darauf hinweist, dass Beleuchtungen Auswirkungen auf die Tiere haben könnte: “…Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau. …”

Leuchtende Ketten in Zahlen

Auf der Suche nach ein paar Zahlen fand ich folgenden Stromverbrauch in der Weihnachtszeit für 2011, der einer Berechnung von geschätzten 8,5 Milliarden Lichtern allein in Deutschland zugrunde liegt. Damit verbraucht die Festtagsbeleuchtung rund 500 Millionen Kilowattstunden Strom, wie das Institut für Energiedienstleistungen (IfED) für den Ökostrom-Anbieter Lichtblick berechnete. Das entspricht demnach dem Stromverbrauch einer Stadt mit 140.000 Haushalten in einem ganzen Jahr. Da frag ich mich doch gleich, was lässt sich Deutschland diese weihnachtliche Beleuchtung kosten? Auf Wikipedia fand ich den Strompreis brutto für das Jahr 2011, das waren 25,23 Cent je kWh für Privathaushalte. Das macht dann also gesamt: 12.615.000.000 Cent oder 126,15 Millionen Euro für 2011. In Deutschland lebten 2011 laut wordbank 81.797.673 Einwohner. Rein rechnerisch hätte jeder einzelne von uns damals 6,11 kWh und gerundet 1,54 Euro ausgegeben. Das hört sich nicht gerade viel an, oder hab ich mich verrechnet? Ach ja, nicht jeder hat eine weihnachtlich geschmückte und beleuchtete Dekoration zu Hause.

Also die Rechnung für einen Haushalt, mal sehen, was man dazu findet: Leider nur einige Zahlen aus dem Jahre 2007. Das Illuminationsset von REV Ritter ist eine Lichterkette mit 10 normalen Glühlampen mit einer Leistungsaufnahme von 25 Watt pro Glühlampe. “…Bei einer Brenndauer von acht Stunden am Tag zieht die Kette in fünf Wochen 70 kWh Strom. Strompreis: über 13 Euro. Zum Vergleich: Ein sparsamer Kühlschrank mit Vier-Sterne-Gefrierfach verbraucht im GANZEN Jahr rund 24 Euro. Zwei Licherketten mit normalen Glühlampen fressen allein in der Weihnachtszeit mehr Strom.” Okay, das war jetzt keine Lichterkette wie man sie heute noch hat. Also zu einem moderneren Beispiel: Ein Lichtschlauch wie der Praktiker Homefit Lighting ist neun Meter lang und mit 324 Glühlämpchen bestückt. Bei einer Brenndauer von acht Stunden am Tag zieht der Lichtschlauch in fünf Wochen immerhin 39 Kilowattstunden Strom. Strompreis: über 7 Euro. Drei dieser Lichtschläuche verbrauchen über die Weihnachtszeit gesehen fast ebenso viel Strom wie ein Kühlschrank im ganzen Jahr.

Irgendwie lässt mir das Wettrüsten der Amis keine Ruhe. Ich möchte doch gerne dazu Vergleichszahlen sehen. Bei News.de bin ich fündig geworden:  “…Manche erleben im Januar eine böse Überraschung», sagte Paige Layne von einem Stromanbieter der Gaston Gazette. Bei manchen sei der Stromverbrauch im Dezember höher als im Hochsommer, wenn die Klimaanlagen laufen. In Delaware hatte eine Familie ihr Haus mit 100.000 Lämpchen komplettverkleidet. Die von den Medien errechneten Stromkosten: Gut 500 Euro – pro Stunde!…” Ja, das ist schon eher das, was zu dem Film passte. Wir sind davon wohl noch weit entfernt , auch wenn einige Wenige mehr im Garten erstrahlen lassen als die Mehrheit in Deutschland.

Stromspartipps für Weihnachtsbeleuchtungen:

Hier einige Vergleiche und andere Stromsparmöglichkeiten, sowie Tipps für den privaten weihnachtlichen Beleuchtungsstromverbrauch. Wie  z.B.: Lichterketten mit LED-Lampen brauchen weniger Strom als Lichtschläuche” und klar ist auch dass  Solar-LED-Lichterketten, die gar nicht ans Stromnetz angeschlossen werden, noch besser abschneiden. Eine Zeitschaltuhr kann die Betriebszeiten bequem auf eine sinnvolle Startzeit und Dauer eingrenzen, denn eine Lichterkette kommt erst ab ca. 17.00 Uhr zur Geltung und ab 0.00 Uhr sieht sie kaum noch jemand. Nachhaltiger wären auch nicht nur stromsparende Lichterketten sondern auch welche, die qualitativ hochwertig sind, damit sie nicht gleich im nächsten Jahr entsorgt werden müssen. Dazu mehr im Stiftung Warentestheft von 2007. Ich nehme mal an, dass es da auch etwas Aktuelleres gibt.

Der nachhaltige Christbaum

Wenn wir nun aber ganz auf die Lichterketten wegen des Stromsparens verzichten, dann bleibt uns noch die Alternative: Kerzen. Die meisten Leute glauben aber, dass so eine Kerzenbeleuchtung viel zu gefährlich ist. Ich bin mit Kerzen am Christbaum aufgewachsen, mein Mann allerdings kannte nur die elektrische Form der Beleuchtung.  Bei uns gab und gibt es seitdem nur Kerzen, allerdings auch immer einen Putzeimer gefüllt mit Wasser im Eck. Gebrannt hat es bei uns noch nie. Und es gibt eine Frage, die jedes Jahr kommt: “Ist der Wassereimer schon beim Christbaum? Es könnte ja sein, dass wir ihn dieses Jahr brauchen.” Klar ist, dass er seltener leuchtet und auch, dass beim Essen vermehrt alle zum Baum schauen. In der Zeit, in der er brennt, wird er einerseits wegen der Kontrolle mehr betrachtet und andererseits bekommt er dadurch auch mehr Beachtung. Man nimmt ihn wahr. Nicht nur durch das echte Kerzenflackern, sondern auch durch den Duft und die Wärme, die die brennenden Kerzen verströmen. Man riecht auch bewusster, denn auch ein bewusstes Riechen, ob es irgendwie angebrannt riecht, hat seinen Mehrwert. Es hat etwas mit Achtsamkeit zu tun. Ich kann mir ein Weihnachten ohne diese Kerzen nicht vorstellen. Mein Mann und die Kinder auch nicht, obwohl mein Mann sich schon eine Dauerbeleuchtung gelegentlich wünscht und über eine zusätzliche Verkabelung nachdenkt. Aber beides, na ja … Aber auch Kerzen haben ihre Schattenseiten, in der Regel sind sie nicht ohne Paraffin. Es gibt ein Gütesiegel von RAL, aber auch diese sind nicht unbedenklich wie der Beitrag aus der ZDF- Mediathek zeigt. Naturkerzen aus Bienenwachs sind daher besonders zu empfehlen.

Nach der Info über Kerzeninhaltsstoffe fragte ich mich ob unser Wassereimer wirklich die richtige Methode zum Löschen ist, denn nicht nur die Kerzen enthalten Stoffe die genial brennen und explodieren können. Christbaumschmuck aus Kunststoff würde auch dazuzählen. Wie gefährlich Löschversuche bei einer Kerze mit Wasser sein können, haben unsere Kinder vor einigen Jahren draußen demonstriert. Jungs sind ja ständig am Experimentieren. Ein Teelicht und eine Sprühflasche mit Wasser hat gereicht um eine Stichflamme von über 1 m zu erzeugen. Einige Tage später hatten sie dann mit 2 geschmolzenen Kerzen in einem Metalltopf  die 2,5 m erreicht. Wir werden also den Feuerlöscher ins Eck stellen und definitiv auf Bienenwachskerzen umsteigen.

Befestigt werden die Kerzen mit Klammern oder Hängern. Man bekommt sie noch in jedem Baumarkt. Einen Teller für das tropfende Wachs sollten sie schon haben. Keine Ahnung warum ich auch grad welche ohne Tropfteller im www bei der Bildersuche fand. Und falls der Baum sehr hoch ist, empfiehlt sich ein Kerzenlöschstab um das flüssige Wachs nicht überall rumzupusten. Beim Kauf des Baumes sollte man darauf achten, dass er nicht zu dicht gewachsen ist, sonst muss man ganze Äste rausschneiden. Beim Anbringen der Kerzenhalter mindestens eine Handlänge zwischen Flamme und dem darübersteigenden Ast lassen. Besser ist, man kürzt die Spitze des oberen Astes, falls es nicht anders geht. Wenn man schräg schneidet, fällt diese Kürzung auch nicht auf, denn es handelt sich meist nur um einige cm. Was wäre noch sinnig? Ein altes Leintuch am Boden um den Baum herum. Wer 100% sicher sein will, dass durch diesen Stoff nichts durch geht, sollte ein Wachstischtuch oder Folie drunterlegen. Billigkerzen sind oft starke Tropfer. Auch dauerhafter Luftzug ist ungünstig.

Was hängt man noch an den Baum, wenn es kein Kunststoff sein sollte? Die durchsichtigen Glaskugeln mit Metallhalterung, man findet sie nur noch selten. Bei runtergefallenen Kugeln hebe ich die alten Metallfassungen auf, um sie ggfs. bei Kugeln mit Kunststoffhalterungen austauschen zu können.  Durchsichtig deshalb, weil die Spiegelnden mit schädlichen Innenbeschichtungen sind. Das moderne Lametta ist somit nicht drin, auch viele andere Dekorationsartikel. Eine Holzperlenkette ist eine Alternative zu den glitzernden Kunstsstoffperlenketten. Ein Blick “back to the roots” zeigt, was möglich ist. Äpfel hingen am Christbaum und natürlich Selbstgebasteltes aus Naturmaterial wie Stroh- oder Peddingrohrsterne, kleine Laubsägearbeiten ( Laubsägeanleitung, eine einfache Variation hier ) oder  Kiefernzapfen, aber auch Modeln. Modeln, kennt das noch jemand? Das sind Holzformen mit eingekerbten, geschnitzten überlieferten Mustern, mit der Backwerk geformt wird. Auch integriert im Nudelholz.

Hergestellt wurde damit Gebäck wie zum Beispiel Springerle, ein traditionelles Anisplätzchen (Teigrezept für Anisplätzchen). Die Hohlform wurde auch für das Gießen von Wachs oder als erhabene Druckform wie auf einem Nudelholz zum Bedrucken von Stoffen, Tapeten… verwendet. Mit Salzteig oder Wachs wurden eine Art “Keks” geformt. Der Salzteig manchmal auch bemalt. Ich finde die hellen Salzteigvariationen heute noch wunderschön als Christbaumschmuck. Leider existieren die vielen uralten Modeln in unserer Familie nicht mehr.

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Mit Blattraute aus der Biedermeierzeit von 1835 – Quelle: springerle.com

Schleifen sind auch Christbaumdekorationen, allerdings aus Baumwollbändern, die man gut auch aus alten Stoffen selbst herstellen kann.

Wie könnte ein nachhaltiger Weihnachtsbaum noch aussehen? Generell wäre der Baum im Topf ein sehr nachhaltiger Christbaum, der jedes Jahr im Garten wieder ausgegraben wird und für die Weihnachtswochen im warmen Zimmer einziehen darf. Der Topf sollte in einem wasserdichten Gefäß stehen, um das Gießen zu ermöglichen. Wenn man nun dieses Gebilde an Plastikkübel und Schüssel / Übertopf noch verkleiden will, bietet sich ein Jutesack oder Reststoff an, der mit einer dicken Schleife festgebunden wird.

Wer keinen Garten zum Eingraben eines Christbaums hat, kann den Aspekt regionaler Christbaum beachten. Entweder Selberschlagen bei den zugelassenen Stellen, die u.a. hier in dieser Aufstellung von Robinwood (ökologische Waldwirtschaft oder aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen) zu finden sind. Einige  Christbaumverkaufsstände bieten regionalen Bäume an. Manche schreiben es auch auf Ihre Standreklame.

Geht es auch anders nachhaltiger? Hätte ich den Ikea-Prospekt nicht angesehen, wäre mir diese Variation sicher jetzt nicht gleich eingefallen. Es ist eine Art Petterson&Findus-Weihnachtsbaum. Hier eine sehr urige Kreation mit Bauanleitung aus Strandholz oder entrindeten Ästen. Strandholz wird jetzt kaum einer zur Hand haben und falls doch, wahrscheinlich nicht in der richtigen Länge oder Menge. Eine andere Möglichkeit wäre mit langen Holzscheiteln. Die liegen leider auch nicht so hinterm Haus, aber wer suchet der findet sicher auch Bezugspunkte wie Sägewerke, Baumärkte oder der Brennholzanbieter.

Bosch Holzscheitelbaum

Quelle: www.bosch-do-it.de

Diese umgesetzte Petterson-Version der Grundschule Lünern aus Holzlatten wäre eine einfachere Alternative.

Quelle: www.grundschule-luenern.de

Quelle: www.grundschule-luenern.de

Wer es eher dreidimensional wie in der Bauanleitung möchte, kann diese Schulversion auch durch um 90 Grad versetzt angebrachte Latten ergänzen. Als letzte DIY Christbaumvariante hier ein Link bei dem die Holzlatten auf einem Stab aufgefädelt werden, dazwischen kleinere Holzklötzchen. Die einzelnen Latten benötigen ein vorgebohrtes Loch zum Auffädeln. Vorteil dieser Variante, man kann die Latten rund um den Baum dreidimensional drehen und die Abstände zur nächst höheren Latte selbst festlegen.

Der wahre Peterson&Findus-Christbaum mit Kerzen ist sicher die kreativste Version. Übrigens falls jemand die Geschichte nicht kennt, Peterson und Fundus haben einiges an Haushalts- und Küchenutensilien daran aufgehängt wie Plätzchenausstecher, Suppenkelle, Besteck, Nudelholz, Teefilter… Der Kreativität sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

Der modernste Christbaum entstand heute am 2. Advent im Kopf meiner Familie, als ich vom nachhaltigen Christbaum sprach. Wohlgemerkt alles männliche Wesen. Sie sponnen nach der Petersonvariante weiter und meinten: “wie wäre es mit einem Dronenbaum?”. Ich: “Was? Diese fliegenden ferngesteuerten Quatrocopter? Wie soll denn das jemals ein Christbaum werden?” Antwort: “Als fliegende Christbaumkugelhalter oder Windlichttransporter”. Man muss sich das nur mal vorstellen! Da schwirren dann so Dinger rum, die nur an der Decke kreisen und sich nie in die Quere kommen. Oder die sich als Formation an der Wand auf und abwärts in Form eines Tannenbaums bewegen. Und als ich sagte, dass das aber nicht wirklich nachhaltig sei, haben sie gemeint: “OK. solaraufgetankte Batterien bräuchten die schon und einen genialen Programmierer.” Ich möchte Euch also diese moderne,  surrende Hightech-Variante nicht vorenthalten. Da es so etwas als Tannenbaum visuell nicht gibt, müsst Ihr Euch das also einfach noch dazudenken. Hier das Video in dem ab 0:37 die Quadrocopter in Formation fliegen. Mein Ding wäre es nicht, aber cool zum Ansehen.

Nachhaltige Weihnachtsgrußkarten

Wer hat schon mal darüber nachgedacht, diese Weihnachtsgrußkarten zu vereinfachen? Wir leben in einer Welt der Technik, warum dann nicht auch eine Sammelmail? Ist das zu unpersönlich? Ist nicht gerade die Karte oder der Weihnachtsbrief etwas Außergewöhnliches und Persönliches, das man so das ganze Jahr nicht versendet? Ist es noch etwas Persönliches, wenn man 20 und mehr solcher Karten versendet? Kommt nicht irgendwann ein gewisser Einheitsbrei dabei raus? Wenn es noch etwas Persönliches ist, einem Ruhe und etwas Besonders gibt, oder man dem Empfänger eine wirkliche Freude bereitet, dann ist jede geschriebene Karte es wert. Und vielleicht schaffen wir es mit recycelten Karten und selbst gebastelten Briefumschlägen aus Rubinas Tipps dieses Jahr nachhaltige Zeichen zu setzen? Rubina, Du hast mich inspiriert. Ein 100% nachhaltiger Weihnachtsbrief mit Güte- und Qualitätssiegel.

nachhaltiger Brief

Konsum in vollen Zügen, Stressfaktoren und Gegenwerte

Zurück also zu unserem Thema:  die Umwelt nimmt durch unser Handeln Schaden.  Nichts Neues für die Umwelt, sie ist es schon das ganze Jahr gewohnt. Wir leben ein Leben wie auf der Autobahn. Wir konsumieren in vollen Zügen und nebenbei wird gelebt, falls noch Zeit übrig ist. Doch Tage wie Valentinstage und die Weihnachtszeit haben es verstärkt in sich. Die Müllberge des zusätzlichen geschaffenen Konsums und der erhöhte Energieverbrauch der romantischen technischen Beleuchtungen. Ein großer Tannenbaum, der nur für 1-2 Wochen vollgeschmückt im warmen Wohnzimmer seinen Tannenduft verströmen darf, glänzende Christbaumkugeln, die genauso bunt sind wie manche Lichterkette leuchten, unnötige Geschenke, die teilweise wieder zurückgegeben und umgetauscht werden oder im Schrank verstauben. Zu guter letzt die Transportfahrten für den ganzen Einkauf, bei den Geschenken angefangen, über die seltenen Schlemmereien, den vermeidbaren Umtausch und mancherorts auch noch die Entsorgung des Baums. Das alles nur um unsere Sehnsucht nach Frieden und einer heilen Welt zu befriedigen? Nein, sicher nicht nur, denn es vereint uns alle an einem Tag, an einem Ort mit dem selben Interesse, dem anderen eine Freude zu bereiten, ihn zu überraschen und den Abend zu etwas Wunderbaren und Besonderen werden zu lassen. Doch wie viel Überraschung ist da noch, wenn heutzutage manche Eltern mit ihren Kindern einen ausgedehnten Weihnachtseinkaufsbummel in der Vorweihnachtszeit machen, bei dem die Geschenke des Wunschzettels gemeinsam ausgesucht, anprobiert und eingekauft werden? Dass das unter Erwachsenen vorkommt, kann man ja noch irgendwie verstehen, aber muss das wirklich schon bei Kindern um 10 Jahren so gehandhabt werden? Weil es so einfach praktisch ist? Vielleicht auch etwas entstresster? Geht da nicht der Nervenkitzel des Wartens und die Überraschung am heiligen Abend flöten? Muss man solche Wünsche um die Weihnachtszeit erfüllen oder wäre es im Laufe der Jahres vielleicht angebrachter? Aber nein, denn da hatten wir ja nicht dieses ausgeprägte Wunschempfinden durch die vorweihnachtliche Wunschgenerierung.

Was ist also ausser den Einkäufen an Weihnachten so stressig, dass man sich so nach Ruhe, dem weihnachtlichem Glockengeläutete sehnt und sich all die Plackerei antut? Da fällt mir das Geschenkeeinpacken, Schreiben von zig Weihnachtsgrußkarten, Kochen, Putzen, Baum aufstellen oder auch andere aufgezwungene Pflichten wie das übertriebene Hin- und Abdeckorieren der weihnachtlichen Dekorationen ein. Ist es das wert? Ist es uns das für ein paar Stunden Glückseligkeit persönlich wert, auch im Sinne der Umwelt? Ja ist es, sonst würden wir es doch nicht machen. Vorbereitungen gehören einfach dazu. Es ist dieser Weihnachtszauber, oder? Ganz verzichten werden wir daher nicht wollen und können. Aber vielleicht ist es möglich, an der einen oder anderen Stelle unseren Weihnachtskonsum und einige damit verbundene Tätigkeiten einzuschränken oder einige vertraute Rituale in der Vorweihnachtszeit und am heiligen Abend zu verändern. Wie z. B. die Weihnachtsgans, der übertrieben große Braten oder ein ganz besonderes Schlemmermahl. Wie wäre es am heiligen Abend mit einem einfacheren Essen auf dem Tisch oder ein kaltes, weil man es gut einen Tag vorher schon zubereiten kann?

Schön wäre, wenn bei dieser Veränderung herauskäme, dass wir die Weihnachtszeit bewusster erleben und mit dem füllen, was einst der ursprüngliche Wunsch oder auch der Sinn der Weihnachtsgeschichte war. Das Konsumfest von heute war es sicher nicht. Weihnachten das Fest der Liebe, warum konsumieren wir nicht Liebe /Aufmerksamkeit und verschenken auch diese? Ist doch das Einfachste. Und so wie Jürgen Lohr in seinem Interview aufzeigte, wir haben eine Wahlmöglichkeit “love it, change it or leave it“.

Wie in den einleitenden Worten von Meyer&Meyer zu diesem Monat und den 24Recycling Deko-Ideen mit “kein Zeug” von Rubina schon aufgezeigt wurde, die Lösung liegt u. a. in “Zeit statt Zeug”- schenken, im Recyceln und DIY Gedanke bei Geschenken, im Verzicht auf Produkte, die man nicht wirklich braucht, sowie die Einsparung an Zeit für überzogene Weihnachtsvorbereitungen, die man in Zeit für Erlebnisse und Kreativität stecken kann. Der Ansatz ist also nichts Neues, sondern erscheint nur noch einmal unter einer neuen Betrachtungsweise.

Wie, wo und in welchem Maße man Veränderungen einleitet wird ein Pfad sein, den jeder selbst erforschen und entdecken kann.

Lasst uns also einen Weg finden, aus dem übermäßigen Konsum von Produkten, dem unnötigen Verbrauch von Material und Energie, sowie der Zeitverschwendung für unerfüllte Aktionen, hin zu einer sinnvollen, erfüllenden, besinnlich wahrgenommenen Vorweihnachtszeit und stressfreien Weihnachtstagen.

Ich wünsche allen besinnliche und frohe Weihnachtstage!

Claudia

Quellen: Die im Beitrag verlinkten Seiten und nachfolgender Link:

http://www.duden.de/suchen/dudenonline/modeln

 

tt30-logoWeitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Die Nachhaltigkeitschallenge 2014“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Und ja, einen Hashtag gibt’s auch:#FS_NC14

 

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