Suche
  • Hier kannst Du stöbern.
  • Gib einfach einen Begriff ein, der Dich interessiert.
Suche Menü

Challenge Chat – Santa und Daija über die Mehrweg-Challenge

Santa: Huhu, Daija, na wie läuft es bei Dir während unserer Mehrweg-Challenge?

Daija: Hallo Santa! Müllreduktion ist eigentlich echt nicht mein Thema. Ich habe zwar immer meine Edelstahlflasche mit Wasser dabei statt welches in Flaschen zu kaufen (hier in Großbritannien sind die immer Einweg) und nehme meine Stoffbeutel mit zum Einkaufen, aber ansonsten habe ich während der Challenges schon gemerkt, dass ich in Punkto Nachhaltigkeit andere Prioritäten setze.

It's Friday_2Zum Beispiel kaufe ich eher eingeschweißte Biomöhren als lose aus konventionellem Anbau. Ich merke, dass es mir wirklich schwer fällt, für die Challenge Ausnahmen zu machen und langfristig kann ich mir nicht vorstellen, der Verpackungsvermeidung wegen meine eigenen Nachhaltigkeitsprioritäten – bio, fair, saisonal, arm an tierischen Produkten – hintenan zu stellen. Sogar in meiner Biokiste gibt es einiges an Plastikfolie und Papiertüten.

Santa: Ich bin auch immer wieder erschlagen von der Verpackungsflut in UK. Ein Marks and Spencer Besuch ist für mich ein richtiger Alptraum.

Daija: Gut, wenn es einfach wäre, wäre es keine Challenge. Trotzdem bin ich überrascht, wie wenige Mehrwegverpackungen es hier gibt. Ein weit verbreitetes Pfandsystem gibt es auch nicht.

Santa: Ein Pfandsystem vermisse ich hier in Paris auch. Z.B. gibt es hier Saftflaschen oder Joghurt im Einwegglas, die es in Deutschland meist im Pfandglas gibt. Das ärgert mich dann. Hast du schon einmal nach einem Unverpackt Laden Ausschau gehalten? Vor vielen Jahren, als ich noch in London lebte, gab es da zumindest ein Exemplar. Im Osten Londons gibt es mittlerweile etwas mehr Auswahl, z. B. den Bulk Market. Ist aber wahrscheinlich zu weit weg für dich. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass Planet Organic eine Loose-Sektion eingeführt hat. Es gibt also auch Grund zur Hoffnung in London.

Einweg als Ein Weg

Daija: Ich habe bei whole foods mal nachgefragt, ob ich meine eigene Verpackung mitbringen kann. Das Personal hat das verneint. Typisch deutsch habe ich mich dran gehalten. Kürzlich habe ich eine Frau getroffen, die in Ost-London Zero Waste lebt. Sie gab mir den Tipp nicht groß zu fragen, sondern es einfach zu machen.
Ich habe im Rahmen der Challenge noch einmal verstärkt darauf geachtet, welche Dinge wirklich nur einen Weg machen: Printwerbung vom Briefschlitz in den Papiermüll, Plastiktüten in unserer Gemüsekiste, die Kleiderhülle aus der Reinigung. Der Verkäufer in der Bäckerei sagte neulich zu mir, ich sei die Einzige, die einen Stoffbeutel mitbrächte; er kenne das noch von früher. Dabei sind diese Papiertüten extrem Einweg. Oftmals essen meine Kinder das Gekaufte ja sofort. Man muss halt immer dran denken, die eigenen Verpackungen mit zu nehmen. Wie bei allen Nachhaltigkeitshandlungen ist Vorbereitung das A und O.

Santa: Absolut! Wenn man erst einmal beginnt, Bilanzen zu ziehen, dann ist man ganz schön platt, was alles verpackt wird. In Paris finde ich zwar viel unverpackt an der Ladentheke, aber die Verkäufer verpacken die Sachen sehr schnell – und ich gebe zu, schön in einem gewissen ästhetischen Sinne. Ich muss dann sehr schnell vorher erklären, dass ich keine Verpackung wünsche. Dasselbe, wenn ich mir ein Getränk bestelle und vorweg sage, dass ich weder Strohhalm noch Eis und auch keinen Keks und keinen Zucker wünsche. Mir begegnen hier ständig ungläubige Blicke, mal neugierig, mal als wäre ich völlig gaga – und immer wieder verpacken sie dann aus Automatismus trotzdem. Ich weise dann freundlich darauf hin – und beim nächsten Mal klappt es dann tatsächlich. Manchmal ist mir das peinlich, so ganz fühle ich mich in der französischen Sprache und Mentalität noch nicht zu Hause. Es ist wichtig, dass ich mich von dem Gefühl frei mache, etwas Komisches zu tun und zu viele Umstände zu machen… Es hilft, wenn man sich Stammbeziehungen aufbaut.

Daija: Mich beruhigt, dass es dich manchmal auch noch Überwindung kostet. Ich finde es gibt einen Trend zu mehr Einweg. Ich erinnere mich, dass meine Mutter in den 1980ern schon Stoffbeutel mit zum Einkaufen genommen hat. Heute muss man Plastiktüten zwar oftmals bezahlen, aber die meisten Produkte finde ich im Super- oder Biomarkt in Einwegverpackungen. Auf dem Wochenmarkt sieht es ähnlich aus. Dort traue ich mich zumindest, das Thema bei den VerkäuferInnen anzusprechen. Glücklicherweise gibt es Trendsetter wie dich, die konsequenter als ich verpackungsarme Waren nachfragen. Du hast ja diesen netten Bioladen direkt vor der Haustür. Gibt es dort denn das Meiste, das Du täglich brauchst, tatsächlich auch lose?

Santa: Das Meiste, was ich brauche, kriege ich unverpackt in der Loose-Sektion in den Bio-Läden gegenüber meines Hauses. Obst und Gemüse sowieso und trockene Sachen auch. Für den Transport nehm ich zuziehbare Baumwollbeutel. Eier gibt es dort auch lose. Beim Bäcker, Metzger oder im Käseladen kann man auch mit seiner Box oder mit einem Beutel kommen. Im Allgemeinen ist man hier flexibler mit Vorschriften.

Daija: Toll finde ich das. Und was sind “deine” Herausforderungen und Erfolge während dieses Monats?

Santa: Da gibt es tatsächlich noch einiges. Da unsere Tochter Gluten nicht verträgt, hatte ich es schwer, Mehl unverpackt zu finden. Wir haben nun bei unserem Bäcker nachgefragt und können nun 3kg Buchweizenmehl in unserem Baumwollbeutel kaufen.
Und ein weiteres Erfolgs-Moment: In einem Saftladen, in dem ich gerne auf dem Weg zur Schule meiner Tochter einen Saft trinke, bestellte ich mal wieder einen Saft ohne Eis und ohne Strohhalm…und der Verkäufer gab mir mit verschmitztem Lächeln meinen Saft wie üblich im Glas MIT….ta ta daaa…Strohhalm aus Edelstahl.

20171016_143325

Auch bei Strohhalmen waehlen wir die Mehrwegvariante

Daija: Wow! Edelstahlstrohhalme kann man eigentlich auch mitnehmen, wenn die Kleinen im Restaurant so unbedingt mit einem Strohhalm trinken möchten. Und für Zuhause fand ich Sylvias Interview über die Glas-Halme spannend. Weitere Herausforderungen?

Santa: Mein größter Flop in Sachen Einwegverpackung kommt jetzt: An Kindergeburtstagen in der Schule darf Manisha meistens ja nicht mitessen, weil die Kuchen oft Gluten und Milch enthalten. Aus diesem Grund bat mich die Schule diesen Monat insgesamt 20 einzeln verpackte gluten- und milchfreie Süßigkeiten mitzubringen. Ich habe mir lange den Kopf zerbrochen und einfach keine andere Lösung gefunden, als 20 in Plastik verpackte rohe Riegel. So geht das manchmal im Leben!

Daija: Das erinnert mich an deinen Artikel zum “Perfektionismusfasten”.

Santa: Genau daran habe ich auch gedacht. Ich habe es letztendlich mit Humor genommen.

Weit weg – Mehrweg auf Reisen

Daija:Ihr seid doch auch viel auf Reisen. Wie handhabst Du Mehrweg denn dann?

Santa: Dosen und Beutel kommen mit und zu viel Perfektionismus bleibt zu Hause ;-) . Meistens nehmen wir trockene Lebensmittel für den ersten Abend/nächsten Morgen mit und versuchen, eher eine Wohnung als ein Hotel zu mieten. Für die Fahrten nehmen wir immer genug mit, es sei denn, wir wissen, dass es wie im Kölner Hbf oder in Stuttgart gute Adressen gibt wie das Reformhaus bzw. den Lebegesund-Stand. Vor Ort lokalisiere ich, wenn möglich schon vorher, einen Bioladen oder Markt bzw. gute Restaurants. Wenn es “nur” einen Supermarkt vor Ort gibt und ich dann das Eine oder Andere verpackt kaufe, dann schockiert es mich ein bißchen, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, aber dann versuche ich locker zu bleiben, denn am Ende kommt es auf die Gesamtbilanz an – und da machen ein paar Urlaubstage nicht den Riesenunterschied. Eine Gurke in Plastikhülle bleibt allerdings ein absolutes No-Go für mich.

Daija: Sogar mir ist Mehrweg in manchen Bereichen schon so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass mich die Einwegvarianten stutzig machen. Neulich beobachtete ich eine Bekannte dabei, wie sie mit Küchenpapier abtrocknete; darauf muss man erstmal kommen. Ich habe auch oft eine Rolle im Haus, aber lediglich für diese unaussprechlichen “Unfälle”, die es mit Kindern manchmal gibt, nicht für den alltäglichen Gebrauch. Dafür gibt es ja genügend waschbare Alternativen.
Meine Mehrwegentdeckung des Jahres ist übrigens die Menstruationstasse! Das Lunette Interview dazu ist auch spannend.

Santa: Menstruationstassen sind wirklich ein absoluter Mehrgewinn für uns Frauen sowohl aus ökologischer Sicht, aber auch für unsere Gesundheit. Die Handhabung ist auch ganz einfach, wenn man den Dreh raus hat.
Ich bin gespannt, was Anna bald zu ihren Stoffwindel-Erfahrungen schreibt. Wie bei Menstruationsartikeln sind Einwegwindeln ein wirklich unglaublicher Müllaufwand – und die Alternativen sind viel besser für unsere Gesundheit. Und jetzt erfahre ich, dass Kulmine begonnen hat, Mehrweg Toilettenpapier anzubieten. Das will ich mir unbedingt näher anschauen, auch wenn es natürlich stark an unsere persönlichen gefühlten Schamgrenzen geht!

Daija: Da bin ich auf einen Erfahrungsbericht gespannt!

20171025_164800

Nicht nur Santas Mama freut sich – ein Geschenk ganz ohne Verpackung

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oh ja, Marileen, das hoffen wir auch! Und auf dem Markt und in vielen Bioläden ist es ja auch schon viel besser als im Supermarkt.

    Antworten

  2. Ein toll geschriebener Dialog von euch! Ich achte auch immer mehr darauf, ohne Plastik zu kaufen. Aber wie du schon sagtest, manchmal ist die Qual der Wahl Plastik und Bio oder eben beides nicht. Das ist schon schwierig und wird sich hoffentlich bald ändern!
    Liebe Grüße, Marileen

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.