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Welche Pflegeprodukte brauchen Babies wirklich? Hebammen-Geheimtipps.

Die Zeit des Elternwerdens ist für uns eine ganz besondere, weichenstellende Zeit. Als Hebamme kenne ich viele Fragen, die in dieser Zeit aufkommen.
Wir leben in einer Gesellschaft mit vielen Wahlmöglichkeiten und wollen natürlich alles so gut und richtig wie möglich machen. Aber wie genau geht das und was brauche ich alles (oder eben nicht)? Wir stehen inzwischen vor einer ungeheuren Produktfülle, die allesamt glückliche, zufriedene Kinder verspricht. Aber als Menschen, die sich mit Nachhaltigkeit (Ressourcenverbrauch, gesunder Ernährung und ähnlichem) beschäftigen ahnen wir, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Los geht’s also mit unserem ersten Beitrag zur #Green Parenting Challenge.

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Beginnen wir doch einfach mit dem Thema, wie wir mit den Ausscheidungen unserer Babies umgehen. Da gibt es drei Möglichkeiten:

1. Wegwerfwindeln, die es als Ökovariante gibt (was häufig einfach etwas weniger Aufsaugchemie, dafür weniger Auslaufschutz bedeutet). Leider gehen sie in der Regel auch mit Plastikumhüllung einher, aber neue Entwicklungen zeigen Besserung.

2. Waschbare Windeln: In der Anschaffung nicht ganz billig, allerdings auch finanziell je nach Art zu rechnen lohnenswert, spätestens wenn zwei Kinder damit gewickelt werden. Und um gleich das Bild vom Windeltücher falten und Sicherheitsnadeln zu vertreiben: Waschbare Windeln haben in vielen Fällen das Design und damit auch eine ganz ähnliche Handhabung wie Wegwerfwindeln. Inzwischen gibt es auch an vielen Orten sehr kompetente Windel- und Trageberaterinnen, die viele Vorführmodelle zum Anschauen haben und mit ihrem Know-how weiter helfen.

3. Windelfrei. Eltern, die schon Kinder haben, kennen das Phänomen: Kaum ist die Windel offen, beginnt das Baby zu pieseln. Es scheint also, dass Babies ihre Ausscheidungen lieber los lassen, wenn sie nichts am Körper haben. Durch einen guten und körperlich nahen Kontakt mit dem Baby können Eltern Signale ihres Babies erlernen, mit dem es seine Ausscheidungen ankündigt. Da es hier nicht um ein Sauberkeitstraining geht, sondern eher eine Kommunikationsform, braucht es auf jeden Fall Motivation (und gute Information), Geduld, Gelassenheit und Humor. Für Ausflüge oder ähnliches bietet sich zudem doch die eine oder andere Windel an. Mit dieser Variante wäre eindeutig die ökologisch beste Form des Umgangs mit den Ausscheidungen unserer Kleinen gewählt. Und in China hat Anna erleben können, dass es sich dabei nicht einmal um eine Öko-Spinnerei handelt… sondern um ein alte Tradition.

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Beim Wickeln sind wir gleich auch bei der Frage: womit ein Kind säubern?

Als Alternative zu Feuchttüchern und Co. tut es – auf jeden Fall zu Hause – einfach klares Wasser und Luft. Da fast jeder alte Handtücher zu Hause hat, braucht es auch keine Einmalwaschlappen. Alte Handtücher lassen sich ganz schnell mit einer Schere in viele kleine Waschlappen zerteilen. Auch hier gilt: einfach mal im Freundeskreis nachfragen, ob jemand ein paar Handtücher loswerden möchte. Öltücher lassen sich einfach mit einem guten pflanzlichen Öl (Oliven-, Mandel- oder Jojobaöl) und z.B. einem Essig-/ Ölsprüher für die Küche und mit Toilettenpapier oder Küchentüchern selber basteln und es sind garantiert keine Duft- oder Konservierungsstoffe drin.

Mit pflanzlichem Öl kann gerne auch das ganze Kind einmassiert werden. (In einem weiteren Beitrag mehr zur Babymassage). Unterwegs sind fertige Feuchttücher zugegeben durchaus praktisch. Wer also keinen Waschlappen mitnehmen mag, kann gut auf die meisten handelsüblichen Feuchttücher zurückgreifen. Grundsätzlich gilt hier: je weniger Inhaltsstoffe, umso besser. Inzwischen verzichten viele Hersteller auf Parfüm (aber nicht alle), Konservierungsstoffe sind aber überall enthalten. Grundsätzlich finde ich es auf jeden Fall nachhaltig, wenn Eltern entspannt mit ihrem Baby unterwegs sein können (und sich nicht mit Tüten voll Windeln und Waschlappen stressen müssen). Da auf der Babyhaut in der Regel weniger mehr ist, lassen sich kleine Rötungen gut erstmal mit Muttermilch (man nehme so man hat) und Luft behandeln. Auch seidene Einlagen tun einem wunden Babypo sehr gut.

Meistens schließt sich hier die Frage nach sinnvollen Babypflegeprodukten an. Meine erste Wahl ist erst einmal Muttermilch (wie gesagt für den Po, aber auch für das Badewasser, die Augen, die Nase…), warme Luft, zum Massieren gerne mal ein Mandelöl – wen der olivige Geruch nicht stört, kann gerne auch ein hochwertiges Olivenöl verwenden. Ansonsten in hartnäckigen Fällen auch mal eine Creme für den Po, erstmal aber am besten ohne Zink, da die dünne Babyhaut alles gleich in den gesamten Körper aufnimmt. . Da die Auswahl auch an guten Cremes sehr groß ist, ist es schwer zu sagen, welche die Beste ist. Es kommt ja immer auch auf das Kind drauf an. Ich habe grundsätzlich gute Erfahrungen mit den Produkten von Ingeborg Stadelmann aus Kempten, zu beziehen über die Bahnhof Apotheke dort, gemacht.

Nahrung: die mit Abstand nachhaltigste Nahrung für Menschenkinder ist Muttermilch. Und zwar nicht nur in den ersten drei Wochen, sondern ab besten bis ins Kleinkindalter. Natürlich fangen die meisten Kinder mit plus/minus 6 Monaten an, sich für Essen zu interessieren, aber sie profitieren auf jeden Fall davon so lange wie möglich und nach Bedarf weiter gestillt zu werden.

Was braucht es weiter, wenn sich Familienzuwachs ankündigt?
Da wir kein Fell mehr haben: etwas zum Anziehen. Vor allem empfehle ich Baby-Second Hand Läden oder Basare. Doch auch bei Freunden oder Familie wird man sehr oft fündig, wenn man fragt. Das Gute an gebrauchten Babysachen ist, dass sie schon oft gewaschen wurden, so dass auch bei konventionellen Kleidern keine (oder nur noch sehr wenige) Schadstoffe enthalten sind. In der Regel sind sie auch noch in einem super Zustand. Ansonsten sind auch Biobaumwoll-, Biowolle- oder Bioseidenartikel phantastisch und gut in verschiedenen Internetshops bestellbar.
Und wieviele Anziehsachen braucht ein Baby? Das kommt ganz darauf an, ob es ein Spuckkind wird oder nicht… :-)

Aber genau das merkt man sehr, sehr schnell und kann dann selbst am besten beurteilen, was nötig ist.

Ich wünsche auf jeden Fall gutes Gelingen und vor allem viel Freude!

Eure Birgit

P.S.: Demnächst mehr von mir zum Thema “Welche Trage-Möglichkeiten gibt es für unsere Kleinen?”

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Weitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Finding Sustainia“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome.

48 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  43. Hallo Birgit,
    was das windelfrei angeht, so ist das nicht nur in China mit langer Tradition.
    Ich kannte es vor allem von afrikanischen Normaden. Wobei in der Wüste macht alles andere auch keinen Sinn.
    Mein Opa hat erzählt, dass er als Kind ab dem Krabbelalter bis er “sauber” war, Röcke (ohne Unterhöschen) getragen hat. Windelfrei war wohl bis vor etwa 100 Jahren auch in Deutschland durchaus gängig. Jedenfalls auf dem Land.
    Mein Opa hätte aber wahrscheinlich die geschlechtsneutrale pofrei geschnittene chinesische Baby-Kleidung bevorzugt. Er fand das mit dem Rock wohl irgendwann etwas peinlich. Da ansonsten Röcke Mädchenkleidung waren, konnte so jeder sehen, dass er sich noch “nass” machte (in die Hose kann man ja nicht sagen).
    Liebe Grüße, Bina

    Antworten

    • Hallo Bina,
      das ist ja spannend. Und ich hatte noch nicht davon gehört. Werde gleich mal meine Oma befragen. Wenn es früher allen Jungs so ging, gab es sicherlich so etwas wie geschlechtsneutrale Babyröcke :-) Vielleicht war ihm die Vorstellung nur im Nachhinein peinlich.
      Danke in jedem Fall für Deinen Beitrag. Sehr bereichernd.
      Anna

      Antworten

    • Hallo Gabi,
      das sind wirklich tolle Tipps. Vielen Dank!
      Sehr bereichernd. So wünschen wir uns unsere Leserinnen und Leser.
      Viele liebe Grüße
      Anna

      Antworten

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