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Wie kann man nachhaltig das eigene Erziehungs- und Sozialverhalten ändern? – Walter Krass

We proudly present Walter Krass von Krasskonzeps, der sich seit vielen Jahre in der Jugendhilfe, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie engagiert und Erziehern die Fortbildung der „systemischen Elternarbeit im Kindergarten“ anbietet. Sein Gastbeitrag bietet uns eine neue, frische Perspektive zu dem nachhaltigen Umgang miteinander! We knew it: Nachhaltigkeit ist gross und sie ist in allem zu finden. Es beginnt mit innerer Nachhaltigkeit… !Dies hat uns vor kurzem auch Birgit in ihrem Beitrag aus einem anderen Blickwinkel nahe gelegt, als sie uns darlegte, wie positiv sich z.B. Babymassage und Wege zu mehr Gesundheit auf Nachhaltigkeit auswirken! Nun aber los, Herr Krass, wir warten auf Ihre weisen Worte.

Besonders im Umgang mit Kindern machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Dinge nicht so laufen, wie wir es eigentlich gerne hätten. Und das ist gut so. Erziehung ist ein Prozess der auf Auseinandersetzung, mit sich selbst und dem Gegenüber, beruht. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen kommt man natürlich an Punkte, an denen man Verhaltensweisen verändern möchte.


Andere kann ich nicht verändern. Mich vielleicht.

Um Anderen die Möglichkeit zu geben, sich zu verändern, muss ich mein Verhalten ändern. Wenn ich mich in einer ähnlichen Situation immer gleich verhalte, wird mein Gegenüber immer ähnlich bis genauso reagieren. Wenn mir diese Reaktion nicht gefällt kann ich mir überlegen, was ich an meinem „Input“ in die Situation ändern kann, um ein anderes Ergebnis, bzw. eine andere Reaktion zu erhalten.

Wie funktioniert nun so eine Veränderung?

Oder erst einmal: wie funktioniert sie nicht? Der größte Feind eines Veränderungswunsches ist Perfektionismus und zu hoch angesetzte Ziele. Wenn ich glaube, ich habe eine Erkenntnis darüber, warum eine bestimmte Verhaltensweise zu einem unerwünschten Ergebnis führt und ich glaube, damit ist das Problem gelöst, weil ich mich ja nur anders verhalten muss, werde ich wahrscheinlich scheitern.

Sich selbst zu überfordern erhöht das Risiko zu scheitern

Mir wird wahrscheinlich passieren, dass ich mich, bevor ich mich versehe, ähnlich verhalten werde, wie ich das immer getan habe. Bis ich das merke, ist die Situation vorbei und ich zweifle an mir, weil ich mich ja anders verhalten wollte. Viele Menschen sind dann so frustriert, weil sie sich scheinbar bewiesen haben, dass sie unfähig sind, sich zu verändern. Die Folge ist dann möglicherweise, dass sie es gar nicht mehr ernsthaft versuchen.

Nun nochmal die Frage:

Wie kann denn dann Veränderung gelingen?

Veränderung gelingt in der Regel, wenn man sich die Ziele realistisch setzt. Dazu empfehle ich als ersten Schritt, sich selber und die veränderungswürdige Situation immer wieder zu beobachten. Dazu ist es hilfreich, zu versuchen eine dissoziierte Haltung einzunehmen, d. h. man versucht die Situation weniger aus der eigenen, betroffenen Perspektive zu betrachten als vielmehr von außen. Man kann sich z. B. vorstellen sich und das Geschehen um einen herum, in einer bestimmten Situation durch eine fiktive Webcam zu beobachten.

Perspektivwechsel hilft aus der Betroffenheit

Betroffenheit hindert uns am Denken und an der klaren Wahrnehmung. Wir sehen nur unsere eigene Verletzung und haben keinen Blick mehr für die Bedürfnisse und die Motivation des Gegenübers. Die Webcam in uns macht einen Teil von uns zum Schiedsrichter.

Lösungen werden gefunden, wenn man seine Sinne beisammen hat, nicht wenn man sich be(ge-)troffen fühlt.

Beobachten meint hier auch die betreffenden Situationen in der Erinnerung, also im Nachhinein zu analysieren. Man kann sich Gedanken darüber machen, was unter Umständen dazu führen hätte können, dass die Situation einen anderen Verlauf genommen hätte.

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Geduld vor allem mit sich selbst ist hilfreich

Wenn man immer wieder reflektiert , wird der Zeitpunkt, an dem einem bewusst wird, dass es wieder „so eine“ Situation ist immer weiter nach vorne rücken. Es hilft dabei, wenn man das mit einer Haltung der Neugierde und mit Forscherdrang tut. Zeit- oder Erfolgsdruck wird den Blick auf die wesentlichen Punkte eher vernebeln.

Wahrnehmung führt zu tieferer Erkenntnis

Man wird irgendwann schon kurz nach oder sogar gleich in der Situation merken, dass es „so eine“ Situation ist. Man hat dann die Möglichkeit irgendetwas anderes zu tun, als man sonst immer getan hat. Da das eingespielte Verhalten den Konflikt angeschoben hat, führt hier jede Veränderung, die nicht zu einer Verschlechterung führt zu einer Verbesserung.

Jede Veränderung, die keine Verschlechterung ist, ist eine Verbesserung

Und selbst eine Verschlechterung ist ein Fortschritt, weil zumindest das eingespielte Muster durchbrochen ist und man die Chance hat sich „neu“ und nicht automatisiert zu verhalten. Man hat auch die Möglichkeit eine der Strategien ausprobieren, die man sich vielleicht beim Reflektieren der Situation zurechtgelegt hat.

Beobachten + Erkenntnis + Geduld führen irgendwann zu kleinen Veränderungen.

Wer also sich und das Geschehen um sich herum gut und möglichst neutral beobachtet, sich und seiner Umwelt geduldig und versöhnlich betrachtet, wird irgendwann beginnen kleine Veränderungen zu registrieren. Die wichtigsten Veränderungen sind die, die die Bemühungen des Gegenübers betreffen.

Um sich verändern zu können, braucht es den Willen dazu und die Bereitschaft der sozialen Umwelt diese Veränderungsversuche wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen.

Ich habe oft erlebt, dass Menschen versucht haben Dinge zu ändern. Sie hatten nur eine Chance, wenn jemand da war, der die Veränderungen wahrgenommen und anerkannt hat. Wenn diese Bereitschaft nicht da war, haben alle Beteiligten sich gegenseitig bewiesen, dass sie sich nicht ändern können. Bei diesem Spiel gibt es leider keinen Gewinner.

Wer sich beweisen kann, dass er zu kleinen Veränderungen fähig ist, ist auf dem besten Weg große Veränderungen herbeizuführen.

Konflikte, und oft sind es ja Konflikte, die uns zu Veränderungen motivieren, entstehen ja dadurch, dass sich über die Zeit Muster von Aktion und Reaktion aufbauen. D. h. Person A tut oder sagt etwas, das bei Person B eine Reaktion auslöst. Das wiederum löst bei A eine Reaktion aus usw..

Je länger so ein Konflikt besteht, desto länger ist die Kette der gegenseitigen Reaktionen und desto anstrengender ist diese Situation für die Beteiligten.

Eine Möglichkeit ist es, die Ebene zu wechseln und die Situation zu benennen, z. B. zu sagen: „Jetzt sind wir wieder so weit, ich möchte jedoch nicht, dass wir uns wieder im Kreis drehen.“ oder: „Was können wir im Moment machen ohne unser altes Muster abzuspulen?“

Wer auf den Konsens fokussiert wird auch mit dem Dissens besser klar kommen

Konflikte bauen auf Uneinigkeit auf. Uneinigkeit ist wichtig. Einigkeit auch. am wichtigsten ist ein ungefähres Gleichgewicht zwischen Konsens und Dissens.

Reine Einigkeit ist langweilig

Es gibt wenig Situationen, die weniger inspirierend sind, wie wenn zwei Menschen sich immer einig sind. Es nimmt die Möglichkeit, sich auszutauschen, sich Impulse zu geben und aneinander zu lernen. Die Folge ist Stagnation, Frustration, Resignation.

Reine Uneinigkeit ist nervig

Wenn man ständig unterschiedlicher Meinung ist, verliert man auf Dauer eine gemeinsame Grundlage, ja, die Gemeinsamkeit an sich.

Gemeinsamkeit sind die Wurzeln, die Erlaubnis zur Unterschiedlichkeit verleiht uns die Flügel

Wir brauchen beides. Aber die Anderen auch. 🙂

Der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis sind die Bedürfnisse

M. Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation hat gesagt, dass das Wissen um die menschlichen Bedürfnisse alle Menschen zu Brüdern macht, weil jeder Mensch alle Bedürfnisse die ein Mensch haben kann kennt. Wenn man sich erinnert, wie es sich anfühlt, das Bedürfnis zu haben, dass mein Gegenüber jetzt hat, kann man anders damit umgehen, als wenn man nur die eigene Bedürfnislage sieht.

Nachhaltigkeit heißt hier nicht, Dinge zu erhalten, sondern Dinge in eine Form zu bringen, die zu Zuständen führt, die wir dauerhaft erleben wollen.

Eurer Walter

Lieber Walter, du hast absolut recht! Dein letzter Satz klingt bei mir (Santa) gerade intensiv nach und ich will ihn mir zu meinem derzeitigen Motto machen. Deswegen wiederhole ich ihn hier noch einmal: Nachhaltigkeit heißt hier nicht, Dinge zu erhalten, sondern Dinge in eine Form zu bringen, die zu Zuständen führt, die wir dauerhaft erleben wollen. Let’s do it!

 

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