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Tragetuch, Mai-Tai, Sling? – Wie trage ich mein Kind am besten?

Nachdem Birgit uns in ihrem letzten Beitrag veranschaulicht hat, wie wichtig das Tragen unserer Babys ist, machen wir nun die Bühne frei für Melanie. Melanie ist Trageberaterin, leitet entsprechende Kurse und arbeitet bei Hug and Grow. Hier ihr Beitrag für UNS:

Für viele Eltern steht er ganz oben auf der Erstaustattungsliste: Der Kinderwagen. Etwas weiter unten steht dann meist noch etwas anderes, um das neue Familienmitglied zu transportieren: Eine Tragehilfe.

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Fotocredit: www.liebefotografieren.de

Letztendlich tragen die meisten Eltern ihre Kinder zumindest das erste Jahr über, manche mehr, manche weniger, in einer Tragehilfe oder in einem Tragetuch. Bei einigen stellt sich der Kinderwagen sogar als komplette Fehlinvestition oder als teure Einkaufstransporthilfe heraus. Also: Muss er wirklich sein – der Kinderwagen?

Worauf Eltern beim Tragen achten müssen und wie man sein Kind sicher und angenehm (für beide!) tragen kann, das ist, wenn man so will, eine der Missionen von Hug and Grow.

Doch Tragen ist noch viel mehr als nur praktisch: es ist Nähe und Geborgenheit und bedient die ursprünglichsten Bedürfnisse unserer Kinder. Babys erwarten es getragen zu werden!

Menschliche Säuglinge sind, evolutionsbiologisch gesehen, Traglinge. Unsere Babys sind perfekt an das Getragen werden angepasst: Der Greifreflex der Hände und Füße, perfekt um sich an unserem früher noch vorhandenem Fell festzuklammern, die Anhock-Spreiz-Haltung, dieses unwillkürliche Hochziehen der Beinchen beim Hochheben, um sich mit leichtem Druck an Mamas oder Papas Hüfte zu schmiegen, und ein Weinen beim Ablegen, der Ausdruck des Grundbedürfnisses nach Nähe und Sicherheit, sind wichtige Hinweise. Meiner Meinung nach sind unsere Kinder sind im Prinzip noch kleine Uhrzeitbabys mit all den dazugehörigen Instinkten: Werden sie abgelegt, fernab von ihren Bezugspersonen, vermutet unser Kind schon das nächste große Raubtier hinter dem Sofa und schreit. Tragen ist also keine Modeerscheinung. Es befriedigt die Bedürfnisse nach Nähe, Liebe und Geborgenheit.

Auch kann so die Verdauung des Babys angeregt und Bauchweh gelindert werden. Die Eindrücke, die das Baby beim Tragen bekommt, fördern die Anbindung der bereits vorhandenen und neuzubildenden Synapsen im Gehirn. Bewegen wir Eltern uns beim Tragen, bewegt sich auch unser Baby mit und trainiert so seinen Gleichgewichtssinn und seine Muskulatur. Also: Babys erste Frühförderung!

Doch nicht nur der evolutionsgeschichtliche Blick lohnt sich, auch ein Blick auf den Alltag der Eltern ist wichtig: wie sieht er denn heute aus, der normale Elterntag? Haushalt führen ist, mit dem friedlich schlummerndem Baby im Tuch, kein Problem. Spielplatzabenteuern mit den großen Kindern steht mit dem Baby auf dem Rücken auch nichts im Weg. Kein U-Bahnhof ohne Aufzug und kein nicht funktionierender Fahrstuhl kann tragende Eltern aufhalten. Tragen ist somit auch eine echte Alltagshilfe.

Also: Wie tragen? 

Grundsätzlich ist es wichtig darauf zu achten, dass das Baby aufrecht getragen wird und die Nase frei liegt. Nur so ist eine optimale Sauerstoffversorgung gewährleistet. Von Bindeweisen oder Tragehilfen, in denen die Babys liegen, ist daher abzuraten.

Das große Zauberwort in der Tragewelt ist die Anhock-Spreiz-Haltung: Das ist die Haltung, die wichtig ist für die gute Entwicklung der Wirbelsäule und der Hüfte des Kindes. Bei der korrekten Haltung bilden der Po und die Beinchen des Babys ein M. Die Kniekehlen befinden sich auf der Höhe des Pos oder etwas höher auf der Höhe des Bauchnabels. Der Rücken des Kindes sollte sich runden können, daher ist es zum Beispiel bei Tragehilfen wichtig, dass das Rückenteil aus Tragetuchstoff ist. Festere Stoffe drücken häufig den Babyrücken platt und sind nicht so optimal. Dennoch ist es wichtig, fest genug zu binden, nur so ist der Rücken des Kindes Wirbel für Wirbel gestützt.

Auch sollte man auf die Kleidung des kleinen Traglings achten: Im ersten Lebensjahr ist die Temperaturregulation noch nicht voll ausgereift. Der Körperkontakt beim Tragen kann so helfen die Körpertemperatur zu halten. Generell gilt: Das Tuch oder die Tragehilfe ersetzt eine Kleidungsschicht. Im Sommer ist es somit auch möglich das Baby nur mit Windel zu tragen. Wichtig ist dabei aber ein geeigneter Sonnenhut auf dem Kopf und UV Schutz an den Beinchen, das können Babylegs sein oder auch eine übergehängte Mullwindel. Im Winter brauchen Babys zusätzlichen Kälteschutz, zum Beispiel ein Tragecover oder auch eine Tragejacke, eine warme Mütze und wärmende Stiefelchen an den Füßen. Wichtig ist, dass Babys unter einem Jahr immer unter die Jacke des Tragenden gehören. Auch haben sich Wollwalkanzüge für die kleinen Traglinge bewährt – sie sind schön dünn, erlauben damit die richtige Haltung und sind trotzdem wärmend durch die tollen Eigenschaften der Wolle.

Und worin sollen Eltern nun ihre Kinder tragen?

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Das ist sehr individuell und sollte am besten ausprobiert werden. Nicht für jeden ist das Tuch das richtige und auch nicht jede Tragehilfe passt zu jedem Tragenden. Tragen sollte für beide Parteien bequem sein: Für den Tragling und den Tragenden!

Allen voran gibt es da natürlich das Tragetuch. Gewebte Tragetücher gibt es in verschiedenen Längen und aus unterschiedlichen Materialien. Die Länge richtet sich nach der Konfektionsgröße der Tragenden und nach der Bindeweise. Sind die Eltern durchschnittlich groß und schwer passt meist die Größe 6 für die gesamte Tragzeit, das sind je nach Hersteller 4,60 m Stoff. Erstmal ganz schön viel, oder? Aber keine Angst. Schnell hat man den Dreh raus. Wichtig ist, das man sich das Binden richtig zeigen lässt. Dazu gibt es in vielen Städten Trage-Workshops oder Trageberaterinnen, die nach Hause kommen. Eine Bindeweise, die schnell zu erlernen und von Geburt an genutzt werden kann, ist die klassische Wickelkreuztrage.

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Auch gibt es Tragetücher mit Ringen, die sogenannten Ring Slings. Diese sind eine tolle Ergänzung zum Tuch oder der Tragehilfe. Mit dem Sling kann man vor dem Bauch, auf der Hüfte und auf dem Rücken tragen, jedoch geht die Belastung immer nur auf eine Schulter, was mit der Zeit recht anstrengend werden kann. Slings sind ab Geburt verwendbar und auch dann toll, wenn das Baby schon etwas mehr sehen möchte, die Eltern aber noch nicht bereit sind für das Tragen auf dem Rücken. Mit dem Baby auf der Hüfte hat man so dennoch direkten Kontakt zum Kind und das Baby kann mehr sehen als vor dem Bauch.

Irgendwann wird es nämlich Zeit für den Rücken. Die Kinder werden vorne unruhig und drücken sich vielleicht sogar vom Tragenden ab. Sie wollen mehr sehen und ihre Umwelt mehr wahrnehmen. Trotzdem raten wir vom nach vorne gerichteten Tragen ab: In Vorwärtsgerichteten Tragen kann keine optimale Haltung eingenommen werden und die Kinder haben keine Möglichkeit sich zurückzuziehen.

Statt dessen sollte das Kind lieber auf die Hüfte oder auf den Rücken wandern. Ein gute und schnell zu erlernende Bindeweise ist da der Einfache Rucksack. Die meisten Eltern beginnen mit dem Rückentragen so um den 5. Monat herum. Prinzipiell kann man im Tuch aber auch schon ab Geburt auf dem Rücken tragen, in einer geeigneten Tragehilfe ist das ab Kopfkontrolle möglich.

Auch gibt es verschiedene Webarten, die unterschiedliche Bindeerlebnisse mit sich bringen: Die aufwändige Jacquard Webart erlaubt schöne Muster, wobei eine Seite immer das Negativ der anderen Seite ist. Sie sind weich und meist recht dünn und erlauben so auch Ungeübten ein schönes Bindeergebnis. Die Kreuzköperwebung ist schön griffig. Tücher dieser Webart sind angenehm elastisch und dennoch fest. Die meisten Streifentücher werden in Kreuzköperwebungen hergestellt. Diamantköperwebungen sind sehr stabile Tücher, die auch für schwerere Traglinge gut geeignet sind. Diese Tücher müssen meist etwas eingekuschelt werden. Also ab ins Bett mit dem Tuch, denn Tücher kuschelt man am besten ein, indem man sie nutzt, ob als Decke, als Hängematte fürs Baby oder was einem sonst noch einfällt. Auch durch das Waschen werden Tücher weicher. Wir empfehlen Tücher nach den Herstellerangaben zu waschen, meist reicht das Waschen bei 60 Grad und eine Lufttrocknung. Beim Waschmittel empfehlen wir ein ökologisches Flüssigwaschmittel. Es sollte auf jeden Fall auf Weichspüler verzichtet werden, dieser kann sich in den Fasern ablagern und die Bindeeigenschaften zerstören.

Die Mutter der Tragetuchfirmen ist die Firma Didymos: Seit 1972 werden dort Tragetücher aus Biobaumwolle hergestellt. Weitere Firmen sind: Storchenwiege, Girasol, Kokadi, Fidella, Pollora und Oscha. Und es gibt noch viele weitere. Der Tuchmarkt hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig entwickelt und so gibt es mittlerweile für jeden Geschmack das richtige Tuch!

Sollte das Tragetuch so gar nichts für einen sein, gibt es tolle Alternativen, die auch ab Geburt nutzbar sind.

Die Urform der Tragehilfe ist der Mei Tai: dabei handelt es sich um ein rechteckiges Stück Stoff, an dessen Ecken lange Bänder angenäht sind. Die unteren Bänder dienen dabei als Hüftgurt die oberen werden auf dem Rücken des Tragenden überkreuzt, dann nach vorne unter den Beinchen des Babys durchgeführt und unter dem Po zu einem Knoten zusammengebunden. Wichtig ist hierbei, dass das Rückenteil aus Tragetuchstoff ist, so dass sich der Babyrücken schön runden kann. Mittlerweile gibt es viele Hersteller die Mei Tais mit Schnallenhüftgurt herstellen (diese heißen dann Halfbuckle, Buckle ist englisch für Schnalle). Das macht diese Tragehilfe nochmal etwas sportlicher und schneller anzulegen. Der Steg, also das was von Kniekehle zu Kniekehle des Babys geht, ist meist über Klett oder Bänder einstellbar. Viele Eltern tragen ihre Kinder ungefähr anderthalb Jahre im Mei Tai oder im Halfbuckle und steigen dann auf eine Rucksacktrage (Fullbuckle) um. Hersteller für Mei Tais sind: Fräulein Hübsch, Girasol mit dem Mysol, Hoppediz mit dem Bondolino, Didymos mit dem Didytai, Jono und Huckepack mit ihrem Mei Tai, Kokadi mit dem TaiTai, Storchenwiege mit dem Storchenwiege Carrier und viele weitere mehr.

Klassische Rucksacktragen gibt es ebenso viele. Auch hier gelten die Qualitätsmerkmale: Das Rückenteil sollte aus Tragetuchstoff sein und der Steg sollte mitwachsen und damit verstellbar sein. Von sogenannten Neugeboreneneinsätzen raten wir eher ab, da diese meist keine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung erlauben. Zusätzlich ist es bei den Schnallentragen wichtig, das die Schultergurte am Hüftgurt befestigt werden können, so dass der Druck (bis das Baby selbstständig sitzen kann) auf diesen abgeleitet wird. Ab Sitzalter können die Schultergurte dann am Rückenteil befestigt werden, da sich die Wirbelsäule dann soweit entwickelt hat, dass diese Haltung problemlos möglich ist. Rucksacktragen sind zum Beispiel Buzzidil, Huckepack, der Kokadi Flip und die Emei. Alle Tragehilfen gibt es in verschiedenen Größen von der Babysize bis zur Toddlersize.

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Wichtig bei der Auswahl der geeigneten Tragehilfe sind folgende Punkte: Sie sollte aus unbedenklichen Inhaltsstoffen bestehen, da jedes Kind die Trage früher oder später anlutschen wird. Außerdem sollte sie komfortabel für Eltern und Kind und ergonomisch korrekt sein.

Jeder Hersteller hat andere Schulterpolster, jede Tragehilfe ist etwas anders geschnitten. Für eine angenehme Tragzeit gilt also: Ausprobieren!

Tragen ist neben aller Theorie vor allem eines ganz besonders: Bindung! Nähe und Geborgenheit sind das, was unsere Kinder zum Wachsen brauchen. Wir können sie damit nicht verwöhnen. Wir als Eltern sind da, um diese Bedürfnisse zu befriedigen und legen so einen Grundstein für das komplette Leben unserer Kinder. Nun, brauchen wir ihn also den Kinderwagen? Nicht unbedingt, finden unsere Babys – und wir auch.

 

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