Suche
  • Hier kannst Du stöbern.
  • Gib einfach einen Begriff ein, der Dich interessiert.
Suche Menü

Mehr Zeit und Lebensqualität! Als Ergebnis von Nachhaltigkeit? Wow! Meyer&Meyer resümieren…

Nach nun 22 Monaten sind wir nicht mehr dieselben. Seid ihr es noch?

Wahrscheinlich verfolgt ihr unseren Meyer&Meyer Selbstversuch ganz unterschiedlich lange. Manche von euch begleiten uns seit unseren ersten Gehversuchen im Janur 2014. Andere sind dazugestoßen, als es um eine ganz bestimmte Challenge ging. Und natürlich haben wir auch ganz neue Leserinnen und Leser – die sich vielleicht noch fragen, wer wir überhaupt sind und ob es sich lohnt, dranzubleiben. Wir waren in den letzten Wochen sehr viel unterwegs und haben bei Veranstaltungen über unsere Erfahrungen gesprochen. Santa zum Beispiel beim Barcamp der ZIEK (Zusammen Ist Es Klimaschutz) – Kampagne des Bundesumweltministeriums (hier ein kurzer Videobeitrag) oder Anna im Rahmen eines Blogger-Begegnungsprojektes im Südkaukasus.

Santa, ZIEK, pitch for sustainability challenge

Wir haben es sehr genossen, mit vielen von euch ins Gespräch zu kommen und nun sitzen wir Meyers zusammen und lassen alles ein wenig Revue passieren.

 

Unsere Routinen

Wir sind gespannt zu erfahren, was sich in eurem Leben verändert hat, seit wir uns gemeinsame Herausforderngen stellen. Wir haben vor allem gemerkt, dass wir bezogen auf manche Themen so langsam herauswachsen aus dem Experimentierstadium und sich vieles stabilisiert und normalisiert hat. Unsere Gläschenwirtschaft zum Beispiel ist uns mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen.

 

 

Auch unser Kampf gegen Plastik (hin zu Zero Waste) und unsere kreative Resteverwertung sind so sehr in unseren Alltag integriert, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken müssen, alles richtig zu machen. Tierische Produkte sind für uns ein Luxusprodukt und wir haben gute Wege einer individuellen Konsum-Strategie gefunden: ein wenig abgewandelt vom klassichen Vegan- oder Vegetarier-sein. So ist es auch in anderen Lebensbereichen, ob nun zu regionalem und verpackungsfreien Leben oder Konsum von Gütern per se.

 

Unsere Baustellen

Andere Lebensbereiche versinken im Chaos und wir wünschen uns viel mehr Zeit und Muße, um die Herausforderung anzugehen. Bei Anna sind es allzu viele Flugemissionen, die sie stören, und ihre Schnell-Schnell-Küche, die nicht immer saisonal ausgewogen ist. Santa ist weiterhin auf der Suche nach noch mehr konkreten, guten und nachhaltigen Alternativen. Und sie möchte sich mehr fokussieren auf: innere Nachhaltigkeit. Yes! Ganz im Sinne des „Deep Ecology“-Ansatzes: change starts from the mind: Care for the outer environment is only possible with inner care.

Es ist auf jeden Fall die eindeutig größte Herausforderung alle unsere Einzelchallenges im Alltag zu verbinden. Oder? Was meint ihr?

Für alle, denen unsere Challenge-Methodik noch ein wenig fremd ist und die nicht seit Anfang 2014 dabei sind – was haben wir eigentlich konkret gemacht?

now done

 

Unsere Themen

Wir haben uns jeweils einen Monat lang auf einen ganz konkrete Nachhaltigkeitsaspekt konzentriert. Wir haben zum Beispiel

* nichts konsumiert (it’s all about tauschen, reparieren, leihen),

* vegan gelebt,

* uns ein Budget von 5 Euro am Tag gesetzt und damit ausschließlich Biolebensmittel konsumiert (bio on a budget),

* unter strengen regionalen Maßstäben konsumiert,

* auch der saisonale Konsum war einen Monat lang Thema, außerdem haben wir

 

 

* plastikfrei gelebt,

* uns fairen Standards verschrieben,

* unsere CO2-Emissionen gedrosselt,

* die Selbermach- Kultur ( DIY) gelebt,

* uns in Slow Living/innerer Nachhaltigkeit bzw. einer Technologie-Diät versucht ( nur einmal am Tag Mails checken, kein Internet auf dem Handy etc.)

* uns in Greenparenting geübt,

* und vieles mehr.

Und die Bilanz all unserer Bilanzen: unsere Leben hat sich vereinfacht und verbessert!

 

Mehr Zeit und Lebensqualität

Jaaa, wirklich! Wer hätte das gedacht? Es ist nicht nur so, dass wir in aller Öffentlichkeit etwas für unseren ökologischen Fußabdruck getan haben und auf unserem Weg viele, viele wunderbare Menschen kennengelernt haben. Nein, wir haben NOCH MEHR gewonnen: mehr Zeit und Lebensqualität. Ja, und sogar mehr Geld. Yippeah!

Zeit und Geld für Anderes, in unseren Augen Wichtigeres. Diese Tatsache macht uns sehr, sehr froh! Unsere Leben sind reicher und ereignisreicher denn je. Essen, Trinken, schöne Kleidung und Güter sind uns weiterhin wichtig, wir reisen und entdecken gerne –  und wir sind weit von einem Zustand der Askese entfernt. Und doch konsumieren wir anders.

Nach fast zwei Jahren „Selbstversuch Nachhaltigkeit“ haben wir jede Menge mitgenommen. Doch was ganz konkret?

santa and anna

 

Unsere Erkenntnisse

Wir sagen niemals nie und ordnen uns keinen vorgefertigten, strengen Kategorien unter. Außerdem stellen wir uns stetig die Frage, was wir wirklich brauchen: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Ganz konkret haben wir den Begriff der Luxusprodukte wieder eingeführt. Das heisst, wir konsumieren tierische und exotische Produkte sehr selten, bewusst und mit viel viel Genuss. Müsli schmeckt z.B. auch mit Hafermilch, Kuchen sind auch prima ohne Ei und Butter, und wir lieben unser Sonntagsei, eine dampfende Tasse Kaffee, oder mal ein Stück Schokolade.

14-07_gruiten 1

Wir haben beide kein Auto, laufen, radeln, nehmen den Bus oder den Zug für Reisen. Anna ist dieses Jahr doch recht viel geflogen, hat aber ihre Emissionen ausgeglichen und Umstiege vermieden.

Natürlich vermeiden wir Verpackung und wissen mittlerweile: es geht. Vor allem für die Basics Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte, Reis und Co. Ja, auch Eier, Käse/Milchprodukte und Fleisch kann man beim Händler seines Vertrauens mit eigenen Dosen bewaffnet, verpackungsfrei bis -arm konsumieren, wenn man will. Takeway gibt es bei uns sehr selten und wenn dann (meistens) in mitgebrachten Lunchboxes (natürlich aus 18/8 Edelstahl, Glas oder Holz).

Plastik im Haushalt und als Verpackung vermeiden wir besonders, genauso wie Aluminium. Das hat sowohl ökologische wie auch gesundheitliche Gründe. Hierzu empfehlen wir immer wieder Claudias Beiträge zu Plastik und Mikroplastik.

 

 

Wir verwenden wenig, aber gute Naturkosmetik, zu einem großen Teil auf DIY Basis. Grundsätzlich gilt für uns, dass unsere Körperpflege- und auch Putzprodukte für die Gesundheit unbedenklich und (zumindest theoretisch) essbar sind, wie z.B. Essigessenz und Natron zum Putzen.

Erst einmal klingt das alles ziemlich anstrengend, ist es aber ganz und gar nicht. Santa hat als zweifache Mutter, die zudem stark bei FindingSustainia eingespannt ist, ganz ’spießig‘ einen Essensplan. Das macht sie frei(er) für andere Bereiche und schmecken tut’s trotzdem. Viele unserer Zutaten eignen sich für Küche und Kosmetik genauso wie fürs Putzen und Waschen. Öl ist gut zum Kochen, für Salate und auch für die Hautpflege, Natron und Essig super zum Putzen und auch als Bestandteile der Körper- und Haarpflege. Wir kaufen sehr gezielt und im Sinne eines gesunden Minimalismus.

Nun aber zu dem Win-Win-Win eines nachhaltigen Lebens. Hier also nochmal unsere Zusammenfassung:

Man spart so so viel Zeit, wenn man nicht so viel Zeit, Raum und Energie auf Konsum ausrichtet. Man braucht einfach weniger.

Dadurch spart man außerdem Geld. Wir kaufen Qualität, die sich lange hält. Wir brauchen nicht das neueste Smartphone, lassen kaputte Dinge reparieren und glauben an DIY, Second Hand, Leihen, Tauschen, Schenken und – gar nicht Kaufen! Man spart auch, wenn man nur biologisch kauft, anstelle beim Discounter. Unsere Kühlschränke sind übersichtlich – auf eine Weise sehen wir sie als Tresore wertvoller Güter an. Wir kaufen auch mal nur 2 Tomaten oder einen Apfel anstelle eines riesigen Pakets. Und indem wir weniger tierische und exotische Güter kaufen und dafür viel regionale und biologische Frischkost, ist dies nicht nur kostengünstig, sondern auch super für die Gesundheit. Auch die Reduktion von Plastik- und Aluverpackung und Behältern und Flaschen sind viel besser für unsere Gesundheit, denn Plastik- und Aluminiumpartikel geraten zwangsläufig in unsere Lebensmittel und in unsere Systeme. Biologische regionale Lebensmittel enthalten die meisten Vitamine durch kurze Transportwege und sind nicht so pestizidbelastet wie die konventionellen Alternativen. Man stärkt seine Region, wenn man regionale Lebensmittel konsumiert. Dies gilt auch für Reisen in der Region oder indem man regionale Services, wie z.B. die Reparatur von Artikeln, in Anspruch nimmt.

 

Innere Nachhaltigkeit

Und nun zur inneren Nachhaltigkeit oder slow living: wir fühlen uns mehr im Reinen mit uns und räumen schrittweise mit inneren Widersprüchen auf, indem wir bewusster leben und uns darin üben, weniger mehr sein zu lassen. Die Zeit und das Geld, die wir durch unseren umgedachten Konsum gewinnen, können wir für unser Wohlbefinden, Paar-, Familien- und Alleinzeit investieren, sei es durch einen Kurztripp in der Region, einen Restaurantbesuch, ein Picknick oder wonach uns das Herz gerade schlägt.

Unser Fokus auf Minimalismus nimmt uns die Qual der Wahl. Wir dürfen alles, machen aber nicht alles zu jeder Zeit, nur weil es möglich ist bzw. wäre.

Kurzum: Nachhaltigkeit macht aus so vielen verschiedenen Perspektiven Sinn, auch wenn Nachhaltigkeit als solche gar nicht im Fokus steht. Vielleicht willst du Geld sparen, gesünder leben, etwas für deine Schönheit und Wellness tun, dich und deine Kinder weniger giftigen Stoffen aussetzen, deine Region stärken und und und. Was motiviert dich zu nachhaltigen Entscheidungen? Welche Tipps und Tricks kannst du mit uns teilen?

Wir sind uns sicher: den meisten von euch kommt genau das bekannt vor. Schließlich haben wir unsere Challenges nicht im luftleeren Raum umgesetzt und wir haben von vielen, vielen von euch die Rückmeldung erhalten, dass es euch besser geht, seit ihr bewusster und reflektierter konsumiert und erste Experimente zu tatsächlichen Alltagsveränderungen führen. Viel durften wir auch von euch lernen. Ein großes Dankeschön dafür!

 

To Do’s

Doch bevor wir uns vor Freude über all diese Errungenschaften überschlagen: wir stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. Wir würden sehr gerne noch viel mehr Menschen erreichen und wir würden auch gerne wieder etwas persönlicher werden. Unsere Greenparenting Challenge, unsere SpendenAUKTION für Flüchtlinge und die gleichzeitige Recherche zu nachhaltigen Alternativen für unsere nächsten Challenges hat unseren Rahmen gesprengt und wenig Zeit für persönliche Äußerungen oder Sonntagschats unsererseits gelassen.

 

 

Offline war viel los bei uns! Wir haben mit Staatssekretär Jochen Flasbarth zur Klimaroadmap 2050 gebrainstormt und Santa war vor kurzem im Interview beim WDR als Plastikexpertin. Über ihre ganz persönlichen Eindrücke hat sie hier noch gar nicht berichtet. Anna hat viele spannende Erkenntnisse aus den USA und Taiwan mitgebracht. Auch dazu bald mehr. Zuerst einmal aber darf Santa das Thema „Gelebte Nachhaltigkeit“ in Duisburg am 6.11. behandeln und von unserem Selbstversuch berichten.

gelebte nachhaltigkeit santa meyer-nandi duisburg notkirche

Über solche Veranstaltungen und Erlebnisse möchten wir in der Zukunft noch etwas intensiver berichten. Einfach damit wir gemeinsam mit euch diskutieren und reflektieren können und nicht nur von Meyer zu Meyer oder im FindingSustainia Team.

Wie fühlt sich für euch ein nachhaltiges Leben an? Habt ihr Tipps für eine noch größere Breitenwirkung unserer Challenges oder, oder, oder? Wir versprechen, dass es in den nächsten Monaten viel, viel Raum geben wird für Persönliches und für einen intensiven Austausch!

Wir freuen uns drauf.

Eure Meyer und Sustainians

Apropos persönlich: eine Homestory von Santa in Paris ist gerade auf dem Blog „Kids, Cooks & Compost“ veröffentlicht wurde. Ach, eine Homestory ist der vollkommen falsche Ausdruck. DIE HOMESTORY überhaupt. Es geht um ein gesundes Meyer-Frühstück, viel Pragmatismus und jede Menge Achtsamkeit. Schaut gerne mal vorbei.

 

Flüchtlingsauktion_Luftballons_Poster

P.S.: Falls ihr unsere Spendenauktion für Flüchtlinge schon vermisst: Sie geht in wenigen Wochen mit tollen Produkten weiter. Seid gespannt.

P.P.S. Wir möchten auch Persönlichkeiten und Initiativen, die wir toll finden und die uns in den letzten Jahren inspiriert haben, unseren Dank aussprechen. Hier wäre z.B.  (in keiner bestimmten Reihenfolge):
* Die charmante und sehr patente Nathalie Rau von Kivanta, von der wir sehr viel zu schadstofffreien Alternativen lernen durften und dürfen. Hier ist unser Interview mit ihr,
* die wunderbare Franzi des veganen Blogs Gemüseregal,
* Stephanie von der Windelmanufaktur, die wohl die schönsten und besten Naturstoffwindeln herstellt und mit der es Spaß macht zu experimentieren,
* Apfelmaedchen bzw. Svenja, deren Blog zu Minimalismus und veganer Lebensweise uns Freude macht und die uns so großartig beim Relaunch unserer Seite unterstütz hat,
* Daija und Birgit von dem Blog Kids, Cooks and Composts. Daija hat Santa auch schon einmal in Paris zu gelebter Nachhaltigkeit interviewt.
* Das Experiment Selbstversorgung: inspirierend, vielseitig und anders.
* Erst vor kurzen entdeckt und schon ganz verliebt sind wir in Shia von Wasteland Rebel, die sich in Richtung Zero Waste bewegt!

Danken möchten wir auch:

* Sebastian Backhaus und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: die #ZIEK Kampagne ist ein toller Ansatz ganz in unserem Sinne und wir freuen uns, dabei zu sein!
* Dr. Ribhi Yousef vom Duisburger Umweltamt, der uns während der Duisburger Umwelttage 2015 gleich dreimal unser Um(welt)wesen hat treiben lassen: bei der Eröffnungsrede, einer Dialogveranstaltung zu Konsum und Lebensqualität und zuletzt einer spannenden nachhaltigen Kochkooperation mit zwei Schulklassen.

 

tt30-logo

Weitere Infos und jede Menge Interaktion findet Ihr auch auf der Facebookseite “Finding Sustainia“, über Twitter unter @Finding_S und über den Blog der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome

42 Kommentare Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.